In Anlehnung an Tradition
Auf Mykonos hat das griechische Architekturbüro A31 mit dem Aimasia Anwesen ein Wohnhaus entworfen, das sich der Landschaft in Form und Design anpasst – und eine alte Steinmauer im wahrsten Sinne verinnerlicht.
Der Elia Beach im Süden von Mykonos gilt als einer der schönsten Strände der griechischen Kykladen-Insel. Sein weißer Sand, das kristallklare Wasser und die hervorragende Infrastruktur machen ihn zu einem beliebten Ziel von Touristen und Einheimischen. Wobei Letztere (auch) die umliegenden Anhöhen anvisieren – als Liegenschaft für ein Eigenheim.
Ein ebensolches hat das Athener Architekturbüro A31 entworfen. Das Aimasia Anwesen liegt auf einem 14.000 Quadratmeter großen Grundstück in unmittelbarer Nähe zum – oder besser: über dem – Elia Beach. Der Name des Projekts leitet sich vom altgriechischen Wort αἱμασιά ab. Es bezeichnet eine Trockenmauer, also eine Steinmauer ohne Mörtel, wie sie Bauern über Jahrhunderte hinweg auf den kargen und steilen Landstrichen unter anderem zum Bodenschutz errichtet haben.
„Diese Mauern stellten stets eine Einladung für Menschen, Pflanzen und Tiere dar“, erklärt dazu das Team von A31. „Die Landschaft war Inspiration sowohl für die Bauern früherer Zeiten als auch für die heutige Architektur.“ Und so fungierte eine bereits bestehende, 62 Meter lange Trockenmauer aus Mykonos‐Granit als „Rückgrat“ des Projekts. Eine Mauer, an die das neue Gebäude im wahrsten Sinne angelehnt wurde.
Natürlich natürlich
Eingebettet in einen Hügel mit Blick auf die Ägäis, wurde das 850 Quadratmeter große Aimasia Anwesen aus Sichtbeton errichtet, wobei sich A31 gegen einen einzelnen Baukörper und für verschiedene Volumen mit unterschiedlicher Ausrichtung entschied. „Aimasia vereint elegant Außen‐ und Innenräume, respektiert das natürliche Gelände und optimiert mithilfe von durchdachtem Design die Ausblicke“, so das Studio.
Alle Dachflächen sind mit heimischen Pflanzen begrünt, sodass der Übergang vom Gelände zum Gebäude fließend wird. Erklärtes Ziel war es, die Natur bestmöglich zu erhalten und das Haus so nahtlos wie möglich in die bestehende Umgebung einzufügen – ein bewusster Kontrast zu den typischen weißen, kubischen Häusern der Region. Man wollte sich „von der Tradition inspirieren lassen, aber sie nicht einfach kopieren“, so A31-Gründer Praxitelis Kondylis.
Optimal minimal
Die karge Landschaft der Region beeinflusste auch die Materialwahl im Inneren. Viele Betonflächen – darunter auch die schalungsrauen Decken – blieben unverputzt. Türen, Schränke und Einbauten bestehen aus dunkel geräucherter Eiche, in den Bädern kommen verschiedene Steinsorten zum Einsatz.
Im Erdgeschoss sind Vorraum, Wohn- und Esszimmer sowie die offene Küche in einem L-förmigen Grundriss angeordnet. Schiebewände trennen die Bereiche, während raumhohe Glasfronten den Blick auf die Terrasse mit Infinity-Pool ermöglichen – vor allem aber auf die Küste und das Meer.
Außen hui, innen mehr hui
Neben dem Eingangsbereich befindet sich ein barrierefrei zugängliches Schlafzimmer mit ebensolchem Bad; darüber liegt als einziger Raum im Obergeschoss das Hauptschlafzimmer – kleiner Pool und große Aussicht inklusive. Vom Erdgeschoss führen zwei Treppen, über denen große Felsbrocken zu schweben scheinen, hinunter auf die untere Ebene mit Weinkeller, Fitnessraum, Dampfbad und Personalräumen. Drei Gästezimmer, jeweils mit Zugang zur seitlichen Terrasse, sind entlang der alten Trockenmauer angeordnet. Weiter unten am Hang befindet sich ein Gästehaus mit einem weiteren kleinen Pool.
Während sich A31 der architektonischen Umsetzung des Projekts widmete, übernahm Tom Dixon die Innenausstattung. In der gesamten Villa finden sich exklusive Möbel des Designers wie der S Chair, außerdem maßgefertigte scheibenförmige Leuchten über der Kücheninsel sowie Skulpturen und Wandobjekte aus Pappmaché, Metall und Holz. Neben Dixons eigenen Entwürfen hängen und stehen im Haus weitere Ikonen des modernen Designs: Lampen von Isamu Noguchi und Achille Castiglioni, sowie ein Sofa von Mario Bellini.
Gewaltig nachhaltig
Neben dem Design legte man den Fokus beim Aimasia Anwesen auf Nachhaltigkeit. Als Hauptbaumaterial wurde Ortbeton mit niedrigem CO₂-Gehalt eingesetzt, um die Emissionen des Gebäudes zu verringern und helle Betonoberflächen zu schaffen. Zudem wird die thermische Masse des Betons genutzt, um Temperaturschwankungen im Gebäude zu reduzieren.
Das begrünte, teilweise auskragende Dach bietet sowohl Schatten als auch Dämmung, dient aber auch als Lebensraum für Flora und Fauna. Darüber hinaus sind alle Außenwände mit Wärmedämmung und weißem Putz versehen, um die Energieperformance des Gebäudes zu optimieren. Hocheffiziente Fensterelemente mit thermisch gedämmten Aluminiumrahmen wiederum ermöglichen optimales Querlüften. A31 dazu: „Nachhaltiges Bauen bedeutet nicht nur, weniger belastende Materialien zu verwenden, sondern auch eine strukturelle Optimierung zur Leistungssteigerung.“
Text: Michi Reichelt
Bilder: Mike Kelley








