Aus dem Wald, für den Wald
Am Rand von Leupoldishain im sächsischen Königstein haben FRIDA Architekten das Walderlebniszentrum errichtet, ein Veranstaltungs- und Schulungsgebäude für den Sachsenforst – fast komplett aus Holz aus der Nachbarschaft.
In Zeiten von Klimawandel und Erderwärmung hat das Bewusstsein für Wald, Natur und Umwelt sowie der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen eine größere Bedeutung denn je. Ebendieses Bewusstsein zu stärken, hat sich eine pädagogische Einrichtung am Rand der Gemeinde Leupoldishain, einem Ortsteil von Königstein im Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz, zur Aufgabe gemacht.
Seit September 2024 steht hier das Walderlebniszentrum, das als pädagogische Einrichtung sowohl für den Sachsenforst als auch für den Nationalpark dient. Kinder können hier „ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben, aber auch den Wald mit allen Sinnen erfahren“, wie es offiziell heißt. Eine Erfahrung, die bereits mit dem Walderlebniszentrum selbst beginnt, denn FRIDA Architekten mit Sitz in Dresden haben dafür ein Gebäude kreiert, das quasi selbst aus dem Wald kommt. Denn nun ersetzt ein Holzskelettbau das Vorgängergebäude. Dieses war ursprünglich als Sanitär- und Lagerraum errichtet und später für Veranstaltungen adaptiert worden. Da eine Erhaltung letztlich nicht möglich war, entschied die Nationalpark- und Forstverwaltung, einen Neubau zu errichten.
Total lokal
Entstanden ist ein einstöckiges Zentrum, dessen Konstruktionsholz und Bretterware aus dem Waldbestand der Umgebung stammen. Das Baumaterial wurde „in lokalen Sägewerken hergestellt, um Transportwege zu verringern und graue Energie einzusparen“, so FRIDA Architekten. Darüber hinaus nutzte man nach Möglichkeit Materialien (wie Pflastersteine) sowie Gegenstände (wie Waschbecken, Kücheneinrichtung oder Toiletten) aus dem abgerissenen Vorgängergebäude.
Die Sparren und Doppelstützen aus unverleimtem Lärchenvollholz weisen eine Länge von 13 Metern und einen Querschnitt von 20/14 Zentimetern auf. Nachhaltigkeit endet beim Walderlebniszentrum allerdings nicht bei Holz als Baumaterial. Der Cradle-to-Cradle-Aspekt wurde von Beginn an integriert. „Bei der Planung und Ausführung des Neubaus für das Walderlebniszentrum wurde weitgehend auf verleimte Holzwerkstoffplatten und verleimte Konstruktionshölzer verzichtet, um sicherzustellen, dass die Bauteile sortenrein ausgebaut und in einen zirkulären Kreislauf zurückgeführt werden können“, so FRIDA. So bestehen die Deckenebenen aus einer doppelten Rauspundschalung aus Lärchenbrettern, die Innenwände wiederum sind komplett mit Lärchenbrettern verkleidet. „An der Fassade Ost wurden unverleimte Fensterrahmen und außenliegende Holzfensterbänke eingebaut.“
Gelb. Grün. Cradle.
Zudem wurde das Gebäude ausschließlich von lokalen Handwerkern und Firmen errichtet, wie FRIDA Architekten erläutern. „Es ist recyclebar, und es wurde weitgehend auf Verbundwerkstoffe und Verbundkonstruktionen verzichtet.“ Darüber hinaus das Pultdach mit regionalen Pflanzen begrünt sowie mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Die Farbgebung abseits der Holzelemente schließlich wurden an jene des Sachsenforstes angepasst, so das Studio weiter. Einbauten wie Geländer, Lampen, Steckdosen und Garnituren sind in Gelb und Grün gehalten.
Herzstück im Inneren des neuen Gebäudes ist der Veranstaltungsraum im Erdgeschoss, der für Vorträge, Workshops und Schulungen genutzt werden kann. Auch die beiden überdachten Terrassen an der Nord- und Südseite stehen für Veranstaltungen zur Verfügung, wobei ausladende Glasfronten auch bei geschlossenen Fenstern und Türen für eine Verbindung mit der umgebenden Natur sorgen. Ebenfalls im Untergeschoss: Sanitärräume und die Küche. Im oberen Bereich, in den man von einem Hang an der Westseite auch barrierefrei gelangen kann, befinden sich Umkleidemöglichkeiten und Lagerräume.
Sachsenforst, als dezentraler Staatsbetrieb für den Wald in Sachsen zuständig und unter anderem als obere Forst- und Jagdbehörde tätig, investierte rund eine Million Euro in das Projekt Walderlebniszentrum. Auch das Außengelände wurde mit Teich, Barfußschnecke, Niedrigseilparcours, Schaukel und Schautafeln neu gestaltet. Geschulte Waldpädagogen bieten hier für Kinder Führungen, lehrplanbezogene Waldpädagogikprogramme und Vorträge an. Eine Besonderheit ist das „Ameisenhausen“ genannte Formicarium, in dem die jungen Gäste das Leben der Waldameise genau beobachten können.
Text: Michi Reichelt
Bilder: Henrik Schipper






