An der portugiesischen Atlantikküste haben ARX Portugal Arquitectos mit der Casa na Areia ein Eigenheim errichtet, das in mehrfacher Hinsicht einer Festung ähnelt und (dennoch) in Symbiose mit der Natur steht.

Auf einer Länge von 750 Meter erstreckt sich die Praia do Guincho an der portugiesischen Atlantikküste. Der von rauen Steinküsten umgebene Küstenabschnitt ist Teil des Naturparks Sintra-Cascais – und durch seine Nähe zu Lissabon ein beliebtes Ausflugsziel abgespannter Großstädter. Der stetige Wind macht den Strand zu einem Paradies für Surfer; seine einerseits unberührte Dünenlandschaft, die andererseits gut erschlossene Infrastruktur locken jedoch auch alle anderen Erholungssuchende an.

Casa na Areia von ARX Portugal: Ein Betongebäude mit begrüntem Flachdach und Swimminpool.
Halb vergraben im Hang scheint die Casa na Areia ein Teil der Landschaft zu sein, die sie umgibt.

Zum Schutz der Landschaft und des Ökosystems ist die Bebauung rund um die Praia do Guincho jedoch generell stark eingeschränkt. Wer hier beispielsweise ein Eigenheim errichten will, hat strenge Auflagen zu erfüllen – und ein dementsprechendes Konzept vorzulegen. Wie jenes der Casa na Areia, dem Haus im Sand. ARX Portugal Arquitectos schufen ein Gebäude, das seinem Namen alle Ehre macht. Halb vergraben im Hang scheint es ein Teil der Landschaft zu sein, die es umgibt. Hier folgt die Architektur der Umgebung – und nicht umgekehrt.

Fest gemauert …

Inspiration holten sich José und Nuno Mateus, die ARX Portugal Arquitectos 1991 in Berlin gegründet hatten und mittlerweile ihr Büro in Lissabon betreiben, bei historischen militärischen Bauwerken. Festungen, Bastionen und Wachtürme prägten einst diese Küstenregion Portugals – aus ihnen gingen später oft städtische Siedlungen hervor. Die Casa na Areia ist einerseits eine Hommage an diese Entwicklung, andererseits stellt sie aufgrund ihres Designs ein Symbol für den Schutz ihrer Bewohner dar.

Plan des sternförmigen Hauses.
Sternförmiges Design mit Zacken wie Basteien.

Außenansicht mit Beton-Gartenmauer im Vordergrund.
Kurz: Ein Haus, das einer Festung nachempfunden ist.

„Die Formen dieser Verteidigungsstrukturen variieren – von quadratischen Grundrissen bis zu sternförmigen Konfigurationen“, so ARX. „Immer allerdings verfolgen sie eine morphologische Strategie der Tarnung oder der Verschmelzung mit der Landschaft.“

… in der Erden …

Das Architekturteam verlieh der Casa na Areia ein sternförmiges Äußeres, dessen Zacken an die Basteien von Festungsmauern erinnern. Als Baumaterial wählte man grün pigmentierten Sichtbeton. Trotz ausgedehnter Fensterfronten bleibt der Eindruck eines Bollwerks dadurch erhalten – diesen verstärkt auch die Beton-Außenmauer, die rund um das Grundstück verläuft.

Indoor-Swimmingpool und Badezimmer.
Der unregelmäßige Grundriss sorgt für zahlreiche Ecken, Kanten und Nischen im Haus.

Die Casa selbst ist einstöckig und mit einem begehbaren Flachdach ausgestattet. Dessen Begrünung stärkt die Verbindung mit seiner Umgebung; das Gebäude steht mit der Natur „in Symbiose und nicht im Gegensatz dazu, wie sonst bei Wohnhäusern üblich“, so die Architekten. „Die physische Wahrnehmung im Gelände vermittelt volle Integration.“ Nachsatz: „Auf Google Earth ist es kaum zu sehen“. Was allerdings von oben durchaus ins Auge sticht: Die beiden Outdoor-Pools, von denen sich einer an der Westseite des Areals, einer auf der Dachterrasse befindet. Ein weiteres, kleineres Schwimmbecken befindet sich zudem im Haus.

… steht die Form

Aufgrund der rauen klimatischen Bedingungen, insbesondere der böigen Windverhältnisse in der Guincho-Region, wurden in der Casa na Areia zwei ausgedehnte Innenhöfe angelegt. Zwei geschützte Oasen – abgeschirmt gegen den Wind aus Nordwest, geöffnet gegen Süden, um Licht und Wärme einzulassen. Die vollständig verglasten Innenwände ermöglichen einen fließenden Übergang: Natur im Innenraum, Komfort im Freien. Fußböden und hofseitige Innenwände sind aus Holz, – ein bewusster Kontrast zum rauen Beton.

Blick durch die Glasfront auf den begrünten Innenhof.
Holz dominiert im Inneren – als bewusster Kontrast zum Beton.

Blick auf die Dachterrasse mit Swimminpool. Im Hintergrund die Bergkette Serra de Sintra.
Die Casa na Areia in Symbiose mit der Natur.

Auch in den Wohnräumen dominiert Holz. Im Zusammenspiel mit den Glasfronten ergibt sich hier ein Spiel aus Licht und Schatten, Helligkeit und Reflexion. Zudem schafft der sternförmige Grundriss zahlreiche Ecken, Kanten und Nischen im Haus.

Während die grüne Betonfassade einen optischen Bezug zur mediterranen Flora herstellt, strahlt das Holz im Inneren Wärme aus und erzeugt seinerseits Nähe zur Natur. Das Fazit von ARX ist dementsprechend: „Als Ganzes entsteht eine Architektur, die sich in ihr Umfeld fügt, ohne sich unterzuordnen.“  

Text: Michi Reichelt
Bilder: Fernando Guerra

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