Das CIECC frontal Ansicht.
#architektur

Groß, größer, noch größer gedacht

Mit dem Capital International Exhibition & Convention Center bekommt Peking ein Messe- und Kongresszentrum der Superlative. Entworfen von Zaha Hadid Architects in Zusammenarbeit mit BIAD, vereint das Großprojekt Architektur, intelligente Planung sowie nachhaltige Technologien und setzt damit neue Maßstäbe für internationale Großveranstaltungen.

Es wird wohl niemanden überraschen, wenn Zaha Hadid Architects (ZHA) einmal mehr für einen „Hingucker“ engagiert werden. Doch diesmal hat das renommierte Studio gemeinsam mit dem chinesischen Beijing Institute of Architectural Design (kurz BIAD) ein echtes Großprojekt realisiert: Das Capital International Exhibition & Convention Center (CIECC).

Die Notwendigkeit eines derart umfangreichen Messezentrums begründen ZHA damit, dass „Peking als führendes Zentrum für Handel, Kultur und Regierung ein bedeutendes Wachstum in den Bereichen Dienstleistungen und digitale Technologien erlebt. Diese anhaltende Expansion der Unternehmenssektoren Pekings hat die Nachfrage nach der Ausrichtung von Kongressen, internationalen Konferenzen und Branchenmessen in der Stadt erhöht, an denen Delegierte aus ganz China und der ganzen Welt teilnehmen.“ Dass das Konzept aufgeht, zeigt sich bereits kurz nach der Eröffnung: Mehrere Großmessen wurden bereits angekündigt, darunter die renommierte China International Machine Tool Show, die die über 310.000 Quadratmeter großen Ausstellungsflächen des CIECC für sich nutzen wird.

Optimal vernetzt

Das Messezentrum befindet sich im Pekinger Stadtbezirk Shunyi, der rund 1,32 Millionen Einwohner zählt. Dank der unmittelbaren Nähe zum Beijing Capital International Airport – einem der wichtigsten Luftverkehrsdrehkreuze Chinas – ist der Standort strategisch optimal gelegen. Ergänzt wird diese Anbindung durch eine Metro-Linie sowie mehrere Schnellstraßen, die Shunyi direkt mit der Innenstadt und dem Umland verbinden. Darüber hinaus gilt der Bezirk als Brennpunkt für Industrie und technologischen Fortschritt. Und genau hier setzen die Entwürfe von ZHA und BIAD an: Das Messeareal soll diesen Innovationsgeist nicht nur widerspiegeln, sondern architektonisch weitertragen.

Der Eingangsbereich zieht mit seiner Glasfront alle Blicke auf sich.
Der Eingangsbereich des neuen CIECC öffnete 2025 seine Tore.

Die chinesische Hauptstadt blickt auf eine über 3.000 Jahre alte Geschichte zurück und hat sich zu einer der vielfältigsten und modernsten Metropolen Chinas entwickelt. Die Stadt zählt rund 21,5 Millionen Einwohner und bietet neben modernen Hochhäusern gleichzeitig einen Blick auf antike Gebäude aus längst vergangenen Zeiten. Heute aber gilt die Stadt als führendes Zentrum für Wirtschaft und Technologie Chinas – und das CIECC soll die Stadt dabei zusätzlich unterstützen.

Größe trifft auf Struktur

Das Convention Center umfasst insgesamt neun Ausstellungshallen, drei Empfangshallen sowie ein großes Konferenzzentrum, in dem Veranstaltungen mit bis zu 9.000 Teilnehmenden stattfinden können. Ergänzt wird das Angebot durch ein integriertes Hotel mit rund 410 Zimmern. Das bestehende Messegelände wurde auf insgesamt etwa 611.000 Quadratmeter erweitert. Davon entfallen rund 210.000 Quadratmeter auf Innenflächen sowie zusätzliche 50.000 Quadratmeter auf Außenbereiche. Das CIECC bietet somit ausreichend Raum für internationale Großveranstaltungen und Fachmessen.

Brücken verbinden die einzelnen Ausstellungsräume.
Die einzelnen Ausstellungsräume werden durch Brücken miteinander verbunden

Der Eingangsbereich besteht größtenteils aus Glas.
Ein zentraler Hof verbindet die einzelnen Räume und leitet Besucher intuitiv über das Gelände.

Die einzelnen Hallen sind über eine zentrale Nord-Süd-Achse miteinander verbunden, die als Hauptweg fungiert und zugleich großzügige Freiräume schafft. Brücken verbinden den hofähnlichen Raum mit den Ausstellungsgebäuden, dem Konferenzzentrum sowie dem Hotel. Die Besucher sollen so intuitiv über das Gelände geleitet werden. Gleichzeitig sorgen getrennte Wege für Warentransport, Personenfahrzeuge und Passanten dafür, dass selbst bei hohem Verkehrsaufkommen ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist.

Ein architektonisches Ganzes

Um die enorme Größe des Geländes visuell zu bündeln, verbindet die einheitliche Fassade alle Gebäudeteile zu einem architektonischen Ganzen. Gefaltete Paneele aus kupfergetöntem Aluminium verleihen dem Komplex ein markantes Aussehen. Großzügige Fensteröffnungen lockern das industrielle Erscheinungsbild auf und lassen das Gebäude trotz seiner Dimensionen kompakt wirken.

Die Front des Komplexes bindet alles einheitlich miteinander.
Das CIECC wird durch eine einheitliche Fassade miteinander verbunden.

Der Haupteingang wird durch einen großen Eingangsbogen an der Ostseite des Komplexes markiert. Von hier gelangt man direkt in die zentrale Eingangshalle, die in den Innenhof führt. Alle Ausstellungshallen sind von dort aus übersichtlich zu beiden Seiten angeordnet und barrierefrei zu erreichen. Die modular konzipierten Hallen lassen sich flexibel umbauen und an unterschiedliche Veranstaltungsformate anpassen – ideal für Messen wechselnder Größe und Ausrichtung. Kurze Aufbauzeiten und effiziente Abläufe stehen hier klar im Fokus.

Nachhaltigkeit integriert

Auch in puncto Nachhaltigkeit setzt das CIECC neue Standards. Intelligente Gebäudemanagementsysteme steuern hybride Lüftungskonzepte, die natürliche Belüftung mit hocheffizienter Klimatechnik kombinieren. Ziel sei es, die Luftqualität zu optimieren und gleichzeitig den Energieverbrauch möglichst gering zu halten.

Die Brücken werden mit einer Glasfront natürlich belichtet.
Das Messegelände wurde rundum Natur gedacht.

Zusätzlich wird Regenwasser in Auffangbecken gesammelt, während Photovoltaikanlagen zur eigenen Stromerzeugung beitragen. Dank dieser Maßnahmen erreicht das Capital International Exhibition & Convention Center die höchste Zertifizierungsstufe des chinesischen Green Building Programms und gilt damit als besonders effizient und zukunftsorientiert. Welche fortschrittlichen Messen zukünftig im CIECC Platz finden werden ist noch offen, allerdings scheint die Zukunft schon jetzt vielversprechend zu sein.

Text: Katarina Andraschko
Bilder: Virgile Simon Bertrand

Jetzt Newsletter Bestellen <>