Als Teil von Harvards neuem Enterprise Research Campus bietet das David Rubenstein Treehouse nachhaltigen Raum für Meetings und Veranstaltungen. Es ist das erste Gebäude der Elite-Universität in moderner Holzbauweise.

Seit bald vierhundert Jahren streben Lehrende, Forschende und Studierende an der US-amerikanischen Harvard University nach Wissen, Wahrheit und einer besseren Welt. Raum für die nötigen Meetings und Veranstaltungen finden sie seit dem Jahreswechsel 2025/26 unter anderem im nach dem amerikanischen Unternehmer, Investor und Philanthropen David Rubenstein benannten Treehouse. Rubenstein machte den neuen Holzbau durch seine Spende erst möglich.

Realisiert wurde das David Rubenstein Treehouse nach den Plänen von Studio Gang. Dessen Gründerin und leitende Architektin Jeanne Gang ist selbst Absolventin der Harvard Graduate School of Design und nun dort in der Lehre tätig.

Nachhaltige Materialwahl

Das CO₂-arme Treehouse ist der erste Ingenieurholzbau auf dem Harvard-Campus. Es erinnert aber auch optisch an das namensgebende Haus inmitten der Baumkronen: Seine massiven Leimbinder bilden verzweigte Strukturen, die sich über die drei Stockwerke nach außen erstrecken. Das Treehouse verbucht zudem 55 Prozent weniger graue Energie als vergleichbare Gebäude aus konventionellen Materialien.

Blick auf Verbindungswege und Holzelemente im Inneren des David Rubenstein Treehouse
Die offene Architektur ermöglicht den Blick auf das Geschehen in anderen Etagen.

Detail-Außenansicht David Rubenstein Treehouse
Die Freiflächen des Rubenstein Treehouse bieten wiederum Aussicht auf den Campus.

Neben Holz kam etwa auch Beton aus gemahlenem Glas-Puzzolan, einem Zementersatz aus gebrauchten Glasbehältern, zum Einsatz. Darüber hinaus sorgen Oberflächen und Möbel aus gesunden Materialien für eine entsprechend gute Raumluftqualität.

Zukunftsfitter Energiehaushalt

Auch abseits der Materialwahl hat Studio Gang Nachhaltigkeit groß geschrieben: Der Bau verfügt über Photovoltaikmodule auf dem Dach sowie Heiz- und Kühlsysteme, die an die campusweite Versorgung angeschlossen sind. Ein Doppelboden sorgt für eine effiziente Klimatisierung des Innenraums und bietet gleichzeitig Platz für die Haustechnik.
Regenwasser wird sowohl vom Dach als auch mittels begrünter Mulden – so genannter Bioswales – gesammelt und wiederverwendet.

Die verzweigten Balken des Massivholzbaus ähneln den Kronen der ringsum wachsenden Bäume.

Hinsichtlich Lichteinfall und Beschattung nützt das Treehouse die natürlichen Gegebenheiten optimal aus. Die ganzjährig lebendig und ansprechend gestalteten Freiflächen bieten nicht nur naturnahe Erholung, sondern auch Lebensraum für Wildtiere.

Austausch und Weitblick

Das David Rubenstein Treehouse steht sowohl der Harvard-Gemeinschaft als auch externen Gästen für Austausch, Meetings und Veranstaltungen zur Verfügung. Über eine zentrale Treppe mit Oberlichten gelangen diese in die oberen Stockwerke und werden dabei an das Erklimmen eines Baumhauses erinnert. Alternativ dazu stehen zwei Aufzüge zur Verfügung. Den entsprechenden Weitblick bietet etwa die Canopy Hall als zentraler Konferenzsaal mit offener Terrasse und Sicht auf die Umgebung. Eine Reihe weiterer Räume in unterschiedlichen Größen steht für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Ausgehend vom Atrium führt der Weg nach oben.

Neben der Treppe stehen auch zwei Aufzüge zur Verfügung.

Aber auch schon auf dem Weg dorthin unterstützen die architektonischen Gegebenheiten Austausch und informelle Begegnungen. Jede der drei Etagen verfügt über entsprechend einladende Flächen mit Ausblick – etwa auf das Atrium oder die umliegenden Baumkronen.

Teil eines großen Ganzen

Der Holzbau ist Teil des in Entstehung befindlichen Enterprise Research Campus. Auf einem großen, ehemals industriell genutzten und zuletzt brachliegenden Areal entsteht ein lebendiges Gebiet mit Fokus auf Forschung, Unternehmertum und Innovation. Ziel ist es, ehemals getrennte Bereiche in ein einladendes und verbindendes großes Ganzes zu verwandeln.

Das Treehouse wurde als eines der ersten Gebäude des Enterprise Research Campus fertiggestellt.

Studio Gang zeichnet gemeinsam mit Henning Larsen, Landschaftsarchitektur von SCAPE sowie Stadtplanung und lokaler Beratung durch Utile für den Masterplan des Enterprise Research Campus verantwortlich. Das Baumhaus zählt zu den ersten Gebäuden, die auf dem Areal fertiggestellt wurden. Seit Ende 2025 ist es für private Events zugänglich. Die vollständige Eröffnung erfolgt Anfang 2026.

Innenansicht Konferenzsaal David Rubenstein Treehouse
Räumlichkeiten in unterschiedlichsten Größen stehen für Veranstaltungen zur Verfügung.

Innenansicht Veranstaltungsraum David Rubenstein Treehouse mit Blick nach draußen
Sie alle bieten Ausblick auf die umgebenden Gebäude und Grünflächen.

Besonderer Wert wird auf dem Enterprise Research Campus auf Nachhaltigkeit und einladende Außenräume gelegt. Grünachsen stellen nahtlose Verbindungen zwischen den neuen Gebäuden sicher – darunter Labore, Wohngebäude, Büros und ein Hotel. Optimierte Bewegungsflüsse über das gesamte Areal sind die Folge. Im Einklang mit dem Nachhaltigkeitsanspruch des Projekts bieten die Grünflächen – beschattet von einem dichten Baumbestand – ein angenehmes Mikroklima. Im Sommer besteht dadurch ein geringerer Kühlungsbedarf. Während der kalten Jahreszeit ermöglicht eine abgestufte Anordnung der Gebäude wiederum, dass Sonnenlicht bis zum Boden gelangt. Der Energiebedarf sinkt dadurch weiter.

Zwischen den Gebäuden entstehen fußgänger- und fahrradfreundliche Verbindungen.

Dank artenreicher Bepflanzung soll das ehemalige Industriegelände die Luftqualität in der Stadt verbessern und zum Lebensraum für Zugvögel werden. Regenwasser wird mittels Mulden und Rückhaltebecken gesammelt und zur Bewässerung verwendet. Ziel ist es, Menschen, Natur und Ideen auf dem Enterprise Research Campus zusammenzubringen – ein zukunftsweisendes Modell für die Stadtentwicklung von Harvard und des Großraums Boston.

Text: Barbara Seemann
Bilder: Jason O’Rear & Studio Gang

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