In Oslo entsteht mit dem Diakonhjemmet Hage ein Stadtquartier, bei dem die Grenzen zwischen Gesundheit, Bildung und Natur fließend werden. Henning Larsen Architects setzen bei ihrem dortigen Schul-Entwurf konsequent auf Holz – und darauf, optimale Lehrbedingungen mit höchsten ökologischen Ansprüchen zu verknüpfen.

Kaum ein anderes europäisches Land ist so intensiv mit der Natur verbunden wie Norwegen. Das Land ist geradezu ein Synonym für beeindruckende Landschaften und damit verbundene Erlebnisse – wie seine Fjorde und Inseln, das Nordkap oder die Aurea Borealis. Doch auch in den Ballungsräumen hat es sich Norwegen zur Aufgabe gemacht, der Natur ihren Platz einzuräumen.

Außenansicht mit Fassadenbegrünung
Cortenstahl-Rahmen umschließen die Gebäude und ermöglichen so eine umfassende Fassadenbegrünung.

So gilt Oslo als eine der grünsten Metropolen der Welt, die norwegische Hauptstadt ist buchstäblich in die Natur eingebettet. Mehr als die Hälfte der Kommune Oslo besteht aus Wäldern – der Marka – und Wasser. Die Verbindung zur Natur wird auch in der Architektur gelebt. Einer Architektur, die neben dem nachhaltigen Anspruch gleichzeitig den harten klimatischen Bedingungen trotzen und modernste Anforderung erfüllen kann, wie Henning Larsen Architects im Osloer Bezirk Vestre Aker beweisen. Dort entsteht mit dem Diakonhjemmet Hage, dem Diakonhjemmet Garten, ein wegweisendes Campus-Projekt, das Bildung, Gesundheit und soziales Miteinander in einem gigantischen städtischen Garten vereint.

Holz und Heilung

Das Hospital Diakonhjemmet („Haus des Diakons“), gegründet von der gleichnamigen, kirchlichen Privatstiftung, ist bereits heute ein Zentrum für Gesundheit und Pflege. Nun wird das von Grünflächen und Parks durchzogene Krankenhaus-Gelände massiv erweitert. Eine neue weiterführende Schule für rund 800 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe mit Schwerpunkt auf Gesundheits- und Sozialberufe sowie der erweiterte Campus der VID Universität bilden das neue intellektuelle Zentrum. Flankiert wird dieses Ensemble von einem modernen Pflegeheim mit 138 Plätzen und einer eigens neu konzipierten U-Bahn-Station in direkter Nachbarschaft.

Umgebungsplan
Mit der U-Bahn in 20, dem Pflegeheim in 300 Metern Entfernung und dem Krankenhaus gleich um die Ecke …

Diakonhjemmet Hage, Aufriss
… ist Diakonhjemmet außen wie innen im wahrsten Sinne von überall erreichbar.

Doch bei dem Projekt geht es um mehr als nur um neue Infrastruktur. Die Architektur selbst wird zum Lehrbeispiel für ökologische Verantwortung und Inklusion. Bei der Errichtung der Schulgebäude setzen Henning Larsen Architects auf eine Holz-Hybrid-Bauweise, kombiniert mit kohlenstoffarmem Beton und biobasierten Materialien. Diese Materialwahl ist dabei kein bloßer Designtrend, sondern eine funktionale Notwendigkeit, um den baulichen CO2-Fußabdruck drastisch zu reduzieren.

Unser Entwurf umfasst ambitionierte und innovative Gebäude, die optimale Lehrbedingungen bieten und hohe Umweltstandards erfüllen.

Ingela Larsson, Design Director, Henning Larsen Architects

Für das Architekturbüro stehen Nachhaltigkeit und ein starkes Engagement für die lokale Gemeinschaft als wichtigste Eckpfeiler dieser Stadtentwicklung im Vordergrund, wie Kasper Kyndesen, Partner bei Henning Larsen, betont. Man wolle einen attraktiven, lebendigen und inklusiven Campusbereich schaffen, in dem sowohl die Schule als auch die Universität dazu beitragen, einen lebendigen Ort im Diakonhjemmet Hage zu etablieren, ergänzt Design Director Ingela Larsson. Der Entwurf verfolge dabei das ehrgeizige Ziel, optimale Lehrbedingungen mit höchsten ökologischen Ansprüchen zu verknüpfen.

Fassade für Flora

Der eigentliche Clou des Entwurfs zeigt sich jedoch an den Gebäudefronten. Die nordischen Winter machen klassische Fassadenbegrünungen oft zu einem kurzlebigen Unterfangen. Henning Larsen löst dieses Problem durch ein innovatives, multifunktionales Rahmensystem aus perforiertem Cortenstahl, das die Holzfassaden umschließt. Zudem wurden die Pflanzen so gewählt, dass sie das Mikroklima der Stadt aktiv unterstützen und der urbanen Fauna dringend benötigten Lebensraum bieten. 

Diakonhjemmet Hage, Innenansicht
Henning Larsen Architects setzen bei der Innenausstattung des Diakonhjemmet auf Holz.

Regenwasser wird auf den semi-intensiven Gründächern aufgefangen und über ein ausgeklügeltes System in Reservoirs und Teiche geleitet, um die üppige Pflanzenwelt auch in Trockenperioden zu versorgen. Man sehe großes Potenzial darin, den Campus so zu entwickeln, dass er auf die verschiedenen Jahreszeiten eingehe und ihre jeweiligen Vorzüge betone, so Kyndesen. Die Anpassungsfähigkeit an das lokale Klima hat das Team von Henning Larsen somit bewusst ins Design integriert, um hier das ganze Jahr über eine komfortable und ansprechende Umgebung zu schaffen. Darüber hinaus dienen die Fassadenbegrünungen als natürlicher Sonnenschutz für die Klassenzimmer.

Gemeinschaft im Garten

Die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum werden im Diakonhjemmet systematisch aufgelöst. Über den zentralen Eingangsplatz und unter großzügigen Oberlichtern gelangt man zu einer unterirdischen Mehrzweckhalle. Sie bietet Platz für sportliche Aktivitäten und Veranstaltungen, ohne die oberirdischen Freiflächen zu verringern und sorgt einmal mehr dafür, unterschiedliche Nutzergruppen miteinander zu connecten.

Oberlichter
Große Oberlichter sorgen für natürlichen Lichteinfall.

Zentraler Eingangsbereich
Der Eingangsbereich stellt einen großen Gemeinschaftsplatz dar – lebender Baum inklusive.

Dazu trägt auch ein Nachbarschaftsrestaurant am Hauptplatz bei. Es lädt Anwohner, Krankenhauspersonal und Passanten gleichermaßen ein. Diese soziale Durchmischung ist essenzieller Teil des Konzepts: Die Schule öffnet ihre Türen für die Stadt. Wenn nach der Fertigstellung im November 2028 abends die Vorlesungen am Diakonhjemmet zu Ende sind, sorgen öffentlich zugängliche Kantinen und vermietbare Räumlichkeiten dafür, dass das Areal auch außerhalb des eigentlichen Betriebs weiterhin genutzt wird. Oder, wie Ingela Larsson es ausdrückt: Ein „Ganztags- und Ganzjahres-Campus“.

Text: Michi Reichelt
Bilder: Hald & Ravnborg

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