Das Museum hat viele besondere Details.
#architektur

Eine ganz besondere Chilli-Schote

Am Rande der chinesischen Stadt Chengdu hat das Architekturbüro CSWADI mit dem Douban-Museum einen außergewöhnlichen Ort geschaffen, der Landwirtschaft und kulinarische Tradition in moderne Architektur übersetzt.

Als Hauptstadt der Provinz Sichuan – unter anderem bekannt für den Sichuan-Pfeffer – blickt Chengdu im Südwesten Chinas auf eine lange, bedeutende Historie zurück. Schon früh etablierte sich die Stadt als Zentrum für Handel und Handwerk. Heute gilt sie als eine der wichtigsten und zugleich entspanntesten Metropolen Chinas. Entspannt? Ja, denn im Vergleich zur hektischen Hauptstadt Peking oder zu Shanghai ist Chengdu trotz der rund 5 Millionen Einwohner im Stadtgebiet der perfekte Ort für all jene, die dem Trubel der anderen Metropolen entfliehen möchten.

Hier kann man sich nicht nur an uralten, historischen Vierteln und Tempelanlagen erfreuen, die trotz ihrer jahrtausendealten Geschichte größtenteils erhalten geblieben sind. Auch das Viertel Jinli, das sich im Zentrum Chengdus befindet, bietet ein eng verwobenes Netz aus Laden- und Imbissgassen. Perfekt für alle, die gerne durch die Stadt schlendern. Darüber hinaus sorgt der riesige Panda-Park, der zugleich als Aufzuchtstation dient, für Abwechslung im geschäftigen Stadtalltag. Kleine Teehäuser bieten ebenfalls Zuflucht und sind ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens.

Das Douban-Museum von oben.
Das Douban-Museum befindet sich weiter außerhalb von Chengdu in einem Unterbezirk namens Ande.

Nordwestlich der Innenstadt von Chengdu befindet sich der Stadtbezirk Pindu – in dem 1,6 Millionen Menschen zuhause sind – und in diesem wiederum der Unterbezirk Ande, der vor allem für eines steht: regionale Lebensmittelproduktion. Ebenda hat das heimische Architekturbüro CSWADI hat ein Museum konzipiert, das eben diese bis ins kleinste Detail verkörpert.

Kultur neu interpretiert

Neben der traditionellen Landwirtschaft wird in Ande insbesondere eine kulinarische Tradition gepflegt: die Herstellung der Pixian-Douban-Paste. Diese besteht aus fermentierten Ackerbohnen und zeichnet sich durch einen unverwechselbaren, kräftigen Geschmack aus, der typisch für die Region ist. Ein perfekter Standort also für das Douban-Museum, das nicht nur einzelne Produkte der Region ausstellt, sondern darüber hinaus einen tieferen Einblick in die regionale Identität, Esskultur, das Handwerk und auch die Landschaft Chengdus ermöglicht.

Das farbige Dach des Douban-Museums.
Das Konzept des Museums soll die regionale Identität bis ins kleine Detail berücksichtigen.

Um die regionale Identität erfolgreich zu transportieren, wollten die Architekten die umliegende Natur und Vegetation erhalten und bestmöglich in ihre Entwürfe integrieren. Hierfür konzipierte CSWADI ein Museum, das größtenteils unterirdisch angelegt ist. Nur etwa ein Drittel des Gebäudes ist oberirdisch sichtbar, sodass keine massive Wucht das Gelände beeinträchtigt. Zudem bleibt das Gebäude mit unter 15 Metern Höhe bewusst zurückhaltend. Die umliegenden Metasequoien (besser bekannt als Urweltmammutbäume) werden somit nicht vom Museum überragt. Im Gegenteil: Sie umrahmen es und integrieren es auf natürliche Weise in die Landschaft.

Von grün bis rot

Neben dem Standort sind jedoch auch die architektonischen Ausformungen des Museums entscheidend. Sie orientieren sich an den ländlichen Siedlungsformen Chengdus, den sogenannten Linpan-Siedlungen. Sie sind besonders typisch für die westsichuanische Region. Linpan beschreibt dabei ein Mosaik aus einzelnen, kleinen Höfen, die eng miteinander verbunden sind. Um diese Wohnhöfe gruppieren sich Felder, Bäume und auch Bambus – eben keine kompakte, urbane Struktur, sondern eine offene, grüne Landschaft. Sie stehen nicht nur für eine lange Tradition, sondern auch für einen Lebensstil, in dem Landwirtschaft und Wohnen harmonisch Hand in Hand gehen.

Das Museum passt sich seiner Umgebung an.
Das Douban-Museum fügt sich nahtlos in die Landschaft ein …

Das Dach ist strukturiert aus einzelnen Elementen angeprdnet.
… und symbolisiert die dortige Pixian-Douban-Paste-Produktion.

Besonders beim Dach des Museums ließen sich die Architekten von den typisch dünnen Dachkonstruktionen der traditionellen Häuser in Sichuan inspirieren. Farblich erinnern die einzelnen grünen und roten Elemente an Paprikaschoten – genauer gesagt an Chili-Paprika, die während des Trocknungsprozesses unterschiedliche Farbstufen annehmen, von grün bis dunkelrot.

Landwirtschaftlich gedacht

Dank des komplexen Stahlgerüsts besitzt das Dach des Douban-Museums jedoch nicht nur eine außergewöhnliche Farbgebung, sondern auch eine markante Form, die an flache Schirme erinnert. Ergänzt wird die Konstruktion im Inneren durch helles Holz, das dem Raum eine warme Atmosphäre verleiht. Die insgesamt rund 6.700 Quadratmeter große Fläche dient als Museums- und Ausstellungsraum, wobei Baukörper und Landschaft eng miteinander verbunden sind. Gerade deshalb setzten die Architekten beim Bau auf Bambus, der auch bei der Anordnung des farbigen Dachs eine große Rolle spielt.

Wasser soll den Außenbereich perfekt ergänzen.
Der Außenbereich ist eng mit dem Inneren des Museums verknüpft und erinnert an eine Linpan-Hoflogik.

Das Innere wiederum basiert auf der typischen Linpan-Hoflogik, die durch vereinzelte Wasserelemente ergänzt wird. Diese strukturieren das Museum, führen die Besucher vom Zentrum aus zur Lobby und in die Ausstellungsräume – und schließlich wieder zurück ins Freie. So entsteht ein reger Austausch zwischen dem Douban-Museum und der umgebenden Landschaft, der die regionale Identität auf eindrucksvolle Weise widerspiegelt. Die leitenden Architekten Xu Wenqi, Zhang Rujie und Wang Yixuan schufen gemeinsam mit ihrem Team einen Ort, der lokale Lebensmittelkultur in Architektur übersetzt. Sichtbar bis ins kleinste Detail. Seit der Eröffnung im Jahr 2025 können Besucher dieses besondere Museum erleben, das als Symbol für die regionalen Traditionen verstanden werden kann.

Text: Katarina Andraschko
Bilder: 404NFSTUDIO

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