Holzbau auf die feine englische Art
Der Durley Chine Environmental Hub an der englischen Jurassic Coast hat viele Funktionen und eine klare Mission: dem wachsenden Müllproblem an den Stränden entgegenzuwirken und mit zirkulärer Holzbau-Architektur den Weg zu weisen.
Goldene Sandstrände, malerische Küstenstädte und Fossilienfunde aus der Zeit der Dinosaurier. Die Jurassic Coast an der englischen Südküste ist eine beliebte Urlaubsdestination und zählt seit 2001 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Trotz dieses Gütesiegels für außergewöhnliche Landschaften hat die Region zunehmend mit einem Müllproblem zu kämpfen. Die perfekten Sandstrände, wie sie vom Tourismusverband beworben werden, gibt es erst, wenn die Strandreinigungstraktoren allmorgendlich ihre Runden gedreht haben. Wie BCP Council, die vereinte Stadtverwaltung der Küstenstädte Bournemouth, Christchurch und Poole, vorrechnet, sammelt sie jedes Jahr rund 2.000 Tonnen Müll an den örtlichen Stränden ein, Tendenz steigend.
Der Strand von Durley Chine, der sogar mit einer Blauen Flagge ausgezeichnet ist, hat nun einen multifunktionalen Holzbau bekommen, der das Müllproblem an der Wurzel packen soll. Mit ökologischer Bewusstseinsbildung und einer Architektur, die neue Maßstäbe für Nachhaltigkeit setzt.
Re-Use als oberste Devise
Der Durley Chine Environmental Hub ist nicht nur ein neuer Mülllager- und -sortierplatz, sondern auch ein stimmungsvolles Strandcafé und ein Veranstaltungsort mit Bildungsauftrag. Ausgegebenes Ziel des Neubaus ist es, die zahlreichen Besucherinnen und Besucher des Küstenabschnitts zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Man will den Keim für gelebten Umweltschutz legen und so das Müllaufkommen langfristig reduzieren.
Der vom städtischen Catering-Team betriebene Durley Kiosk gibt dabei den Weg vor. Man verzichtet auf Einwegverpackungen und bietet stattdessen etwa wiederverwendbare Flaschen, die an einer Trinkwasserstation aufgefüllt werden können. Auch beim Bau des neuen Strandhauses galt Re-Use und der achtsame Umgang mit Ressourcen als oberste Devise.
Bauen mit Altholz
Footprint Architects haben die Bauweise darauf ausgerichtet, so viele erneuerbare, wiederverwendete und recycelte Materialien wie möglich zu verwenden.
Wir haben 52 Tonnen Hartholz für die Verkleidung und die Konstruktion eingesetzt, das direkt vom Holzlagerplatz des BCP Councils stammt.
Footprint Architects
Stahl und Plastik hat man großteils vermieden und stattdessen Altholz eingesetzt, das von diversen Rückbauten anderer Strukturen stammt.
„Wir haben 52 Tonnen Hartholz für die Verkleidung und die Konstruktion eingesetzt, das direkt vom Holzlagerplatz des BCP Councils stammt“, präzisiert man bei Footprint Architects. Gemeinsam mit den Bauingenieuren von WSP stimmten die Architekten den Entwurf darauf ab, in welchen Mengen und Dimensionen das gelagerte Altholz vorhanden ist.
Die einzelnen Elemente der modularen Holzrahmen-Bauweise wurden werkseitig komplett vorgefertigt. So konnte man das Gebäude in kürzester Zeit fertigstellen und den Baustellenlärm am Strand auf ein Minimum reduzieren. Gedämmt wurde mit recyceltem Zeitungspapier, und der CO2-Gehalt des eingesetzten Betons konnte laut Planungsteam drastisch reduziert werden, indem man bis zu 80 Prozent des Zements durch lokale Zuschlagstoffe ersetzt hat.
Energieautarkes Passivhaus
Auf diese Weise ist ein zirkuläres Niedrigstenergiegebäude entstanden, das mit dem Passivhaus-Standard zertifiziert wurde. Die Energie, die der Environmental Hub braucht, wird mittels PV-Anlage am Dach selbst produziert. Die Überdachung des Außenbereichs ist begrünt, was nicht nur die Biodiversität fördert, sondern auch dazu beiträgt, dass sich das Gebäude gut in die Umgebung einfügt.
In diesem Außenbereich sollen regelmäßig Ausstellungen stattfinden, die darüber informieren, wie wichtig saubere Meere und Strände für die lokalen Ökosysteme sind. Die gestalterischen Elemente sollen Passanten zur Interaktion einladen und einen möglichst niederschwelligen Zugang zum Besucherzentrum schaffen.
Dieses Passivhaus-zertifizierte Gebäude in Holzrahmenbauweise ist ein Leuchtturm der klimafreundlichen Innovationen.
Footprint Architects
„Dieses Passivhaus-zertifizierte Gebäude in Holzrahmenbauweise ist ein Leuchtturm der klimafreundlichen Innovationen und zeigt, was sich abseits herkömmlicher Bauweisen erreichen lässt“, heißt es zusammenfassend vonseiten des Planungsteams.
Sollten sich die räumlichen Anforderungen an den Durley Chine Environmental Hub künftig ändern, so lässt sich das Gebäude entsprechend adaptieren, umbauen oder auch wieder komplett in seine Einzelteile zerlegen. Wenn nun die Strandbesucher am Ende ihres Ausflugstages auch noch den eigenen Müll einpacken und fachgerecht entsorgen, ist die Mission des Projektes zur Gänze erfüllt. Dann gehört auch gutes Benehmen der Umwelt gegenüber zur feinen englischen Art.
Text: Gertraud Gerst
Fotos: Richard Chivers





