Der Supermarkt als grünes Reallabor
Auf schöne Holzarchitektur trifft man neuerdings auch beim Einkaufen. Der EDEKA Zukunftsmarkt in Brandenburg ist in Holzbauweise errichtet, CO2-schonend betrieben und als sozialer Treffpunkt geplant. Lesungen und Kochabende inklusive.
Ende des 19. Jahrhunderts schlossen sich 21 Kaufleute zur Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin – kurz E.D.K. – zusammen. Es war die erste EDEKA-Genossenschaft, die – lange vor Fair Trade, Sozialstandards und Umweltgütesiegeln – Produkte aus den damaligen Kolonien vertrieb, wie Kaffee aus Brasilien, Zigarren aus Indonesien oder Kakao von der Westküste Afrikas. Heute zählt EDEKA mit einem Umsatz von rund 70 Milliarden Euro zu den fünf umsatzstärksten Lebensmittelhändlern Europas. Nachdem REWE 2021 mit seinem Green Farming Markt einen nachhaltigen Supermarkt in Holzbauweise eröffnet hat, legt der deutsche Konkurrent nun den EDEKA Zukunftsmarkt nach.
Klimaschonend und gemeinschaftsfördernd
Der Supermarkt in der brandenburgischen Kleinstadt Nauen sei klimaschonend errichtet, und zwar in konstruktiver Holzbauweise, mit natürlichen Dämmstoffen und CO2-armem Beton. Der Strom für den täglichen Betrieb kommt von Solarcarports auf dem Parkplatz und einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.
Um den Energieverbrauch möglichst gering zu halten, wurde auf eine zentrale Kühlanlage verzichtet. Stattdessen kühlt man mit einem wassergeführten Schlauchsystem, dessen Abwärme genutzt wird, um den Markt im Winter zu beheizen.
Der EDEKA Zukunftsmarkt setzt verstärkt auf ein regionales Sortiment. Allerdings soll er nicht nur ein gut geplanter Laden sein, durch den man zügig seinen Einkaufswagen navigiert. Vielmehr möchte man auch einen Ort schaffen, an dem sich Menschen begegnen. Die flexibel bespielbaren Räumlichkeiten auf der Galerie will man für Veranstaltungen, Kochabende und Lesungen nutzen. Auch zu Geburtstagsfeiern und Firmenevents sollen Ortsansässige künftig in den Supermarkt laden können.
Makeover für die Supermarkt-Typologie
Der Entwurf für das nachhaltige Nahversorgungszentrum stammt von ZRS Architekten Ingenieure, die am Nordrand von Berlin gerade das Kokoni One, eine Siedlung in zirkulärer Holzbauweise, umsetzen. Mit dem EDEKA-Projekt soll die Supermarkt-Typologie zukunftstauglich werden. „Das Gebäude wurde als Prototyp entwickelt und realisiert, anhand dessen Ansätze für zukünftige Neubauten erprobt werden sollen“, heißt es vonseiten des Architekturbüros.
Anstatt eines herkömmlichen Hallentragwerks aus Stahl setzte man auf eine vorgefertigte Holzrahmenbauweise mit Holzfaser-Einblasdämmung und Holzfassaden. „Um die Verkaufsfläche möglichst stützenfrei zu halten, wurde das Tragwerk aus Holzstützen und Holzfachwerkbindern aus Buchen-Furnierschichtholz gefertigt“, so die Projektbeschreibung.
Das Gebäude wurde als Prototyp entwickelt und realisiert, anhand dessen Ansätze für zukünftige Neubauten erprobt werden sollen.
ZRS Architekten Ingenieure
Buchen-Furnierschichtholz, auch BauBuche genannt, gilt als grüne Alternative zu Stahlbetonträgern und verfügt über eine hohe Tragfähigkeit bei schlanken Dimensionen und geringem Eigengewicht. Das Material ist vielseitig einsetzbar und eignet sich besonders für große Spannweiten wie sie im Zukunftsmarkt herrschen.
Ressourcenschonung als Maxime
Das Dach des Supermarktes besteht aus Hohlkasten-Elementen, die auf den Fachwerkträgern aufliegen. Gegliedert ist es in aneinander gereihte Giebel, die je nach ihrer Ausrichtung unterschiedlich genutzt werden. Während die nach Westen ausgerichteten Dachflächen Sonnenstrom produzieren, dienen die begrünten Ostdächer als Retentionsflächen. Das gesammelte Regenwasser wird für die Bewässerung der Grünanlagen sowie für die sanitären Anlagen genutzt.
Bei der Haustechnik setzt man eine intelligente Gebäudeautomation, die in erster Linie Energie und Kosten sparen soll. Damit der Zukunftsmarkt mit möglichst wenig künstlichem Licht auskommt, verfügt das Dach über eine Reihe an Oberlichtern.
„Die Giebel öffnen sich im Bereich der Halle großflächig mit einer elektrochromen Verglasung und lassen so Tageslicht in den Markt“, erklärt das Büro ZRS. Zusätzlich wird die Halle mit sogenannten Tageslicht-Spots beleuchtet. Das sind beschichtete Lichtkamine, die das Tageslicht gebündelt vom Dach ins Innere eines Gebäudes leiten.
Sind große Supermärkte an den Stadträndern zum Inbegriff einer fortschreitenden Zersiedelung geworden, könnten sie in Zukunft als Reallabore für das nachhaltige Bauen und die Dekarbonisierung des Gebäudesektors dienen. Sofern die Zukunftsmärkte Schule machen.
Text: Gertraud Gerst
Fotos: Thomas Meinicke/ EDEKA Minden-Hannover, Daniel Horn, ZRS Architekten Ingenieure





