Ellison Institute oif technology, Forschungsgebäude mit Holz-Kuppel, Außenansicht
#greenbuilding

Natürlich forscht man in Oxford

In Oxford entsteht mit dem Ellison Institute of Technology (EIT) eine neue Forschungs- und Bildungseinrichtung, die nicht nur in akademischem Sinn ein Vorzeigeprojekt wird. Auch architektonisch setzen Foster + Partners auf Zukunftsweisendes: Viel Holz und noch mehr Natur.

Kaum ein anderer Ort wird wohl so mit Tradition im Bildungsbereich in Verbindung gebracht wie Oxford. Die dortige Universität kann als älteste im englischsprachigen Raum nicht nur auf mehr als 900 Jahre Historie zurückblicken, sie gilt nach wie vor als eine der weltweit besten Hochschulen. Oxford selbst ist dadurch seit Jahrhunderten ein Symbol hochqualitativer Bildung und Forschung. Und ein neues Projekt wird diesem Image nun in mehrfacher Hinsicht gerecht.

Ellison Institute of Technology, Blick auf den Campus
Der neue Campus des Ellison Institute of Technology. Ein Baumwipfelweg verbindet das Bildungsgebäude mit dem restaurierten Ensemble.

Im Oxford Science Park in Littlemore, einem Bezirk im Südosten der Stadt, entsteht aktuell ein neuer Campus des Ellison Institute of Technology (EIT). Ein interdisziplinärer Forschungs- und Entwicklungsstandort, der sich vier großen Themenfeldern widmet: Gesundheit und Medizin, Ernährung und Landwirtschaft, Klima und CO₂ sowie KI und Robotik. Mit der Gestaltung des Projekts beauftragt wurden Foster + Partners, die mittlerweile bereits Pläne für zwei Phasen des Projekts fertigstellen konnten.

Phasenweise Planung

2023 gab es den Startschuss für die Gestaltung des EIT. Phase 1 teilte sich dabei auf zwei unterschiedliche Standorte auf: ein Grundstück am Oxford Science Park und das historische Littlemore House, ein ehemaliges Krankenhaus. Rund um dieses restaurieren Foster + Partners auch andere bestehende Gebäude und ordnen sie als neue Pavillons zu einem Ensemble rund um eine Grünfläche mit Teich an. Unter diesem findet wiederum ein Auditorium Platz. Der Clou des Designs: Das Wasser fungiert als Deckenfenster, durch das Tageslicht in den Hörsaal fällt.

Am Science Park errichtet das Architekturstudio ein aufgeständertes Labor- und Bildungsgebäude, das „Landschaft und Frischluft durchfließen lässt“, wie Foster + Partners erklären. Herzstück – oder besser Krönung – ist eine geodätische Kuppel aus Holz und Glas mit rotierendem Sonnenschutz auf dem Dach des Gebäudes. Ein Treffpunkt für Veranstaltungen, Vorträge und gemeinschaftliche Aktivitäten.

Bibliothek
Holz dominiert im Inneren. Sowohl in der Bibliothek …

Hölzerne Kuppel, Innenansicht
… als auch in der Kuppel, die als Veranstaltungsraum dient.

Verbunden sind beide Standorte der ersten Phase über einen erhöhten hölzernen Weg durch die Baumkronen – eine Einladung, den Campus nicht nur zu nutzen, sondern zu erleben. „Ein Hauptziel ist es, Barrieren zwischen Forschern, Wissenschaftlern, Klinikern und Patienten abzubauen. Und einen menschenzentrierten und ganzheitlichen Ansatz für Gesundheitsversorgung und technologische Innovation zu schaffen“, so Norman Foster, der bei dem Projekt höchstpersönlich federführend ist.

Großflächen-Gestaltung

Phase 2 der Gestaltung des Ellison Institute of Technology präsentierte das Studio schließlich im Oktober 2025. Mit ihr wächst das Ellison Institute nun deutlich. Der ursprünglich geplante Campus mit einer Fläche von knapp 30.000 Quadratmetern wird auf rund 185.000 Quadratmeter gehörig erweitert. Damit wird der Standort zu einem der größten Forschungs- und Innovationszentren seiner Art in Europa.

Ein Hauptziel des Projekts ist es, Barrieren abzubauen und einen menschenzentrierten Ansatz für Gesundheitsversorgung und technologische Innovation zu schaffen.

Norman Foster

Auf dem westlichen Teil des Oxford Science Park entstehen künftig zusätzliche Labor- und Forschungsflächen, ein großes Auditorium sowie neue Bildungs- und Gemeinschaftsräume, Gastronomie- und Erholungsflächen, „um ein lebendiges, integriertes Umfeld für Mitarbeitende und Gäste zu schaffen“, so die Architekten. Der Standort des Ellison Institute of Technology ist für bis zu 7.000 Arbeitsplätze ausgelegt.

Park des Ellison Institutes mit Holzkuppel im Hintergrund
Die Natur dominiert am Ellison Institute of Technology; in der Architektur genauso wie in der Landschaftsgestaltung.

Trotzdem bleibt der Entwurf auffallend zurückhaltend. Die Gebäude gruppieren sich auch hier um Höfe und Freiräume, die Wegeführung bleibt klar, das Erdgeschoss offen und durchlässig. Gerard Evenden, Head of Studio bei Foster + Partners, betont, dass die zweite Phase konsequent auf den Prinzipien der ersten aufbaut. Viel Holz im Design sowie die Natur spielen dabei eine zentrale Rolle: Rund 70 Prozent des Areals sind begrünt – nicht als Park im klassischen Sinn, sondern als funktionale Landschaft. Sie dient ebenso der Erholung wie dem Mikroklima, der Biodiversität und dem Hochwassermanagement. Grünflächen verbinden die einzelnen Bausteine, schaffen laut den Verantwortlichen Orientierung und sollen das tägliche Arbeiten spürbar angenehmer machen.

Zug um Zug zur Zukunft

In den Campus integriert wird zudem eine eigene Station der Cowley Branch Line. Die 60 Jahre für den Personenverkehr stillgelegte Bahnstrecke wird in den kommenden Jahren neuerlich diverse Bezirke Oxfords mit dem Stadtzentrum verbinden und in weiterer Folge auch bis nach London führen. Auch der Bahnhof Littlemore wird von Foster + Partners gestaltet, auch hier dominiert Holz als Baumaterial.

„Wir freuen uns sehr über die Wiedereröffnung der Cowley Branch Line für den Personenverkehr. Sie hilft uns, erstklassige Talente für das EIT zu gewinnen, indem wichtige Innovationszentren durch direkte Zugverbindungen mit dem Zentrum Londons verbunden werden“, so Lisa Flashner, Chief Operating Officer des EIT.

Littlemore Zugstation
In die Planung mit einbezogen: Die neue Bahnstation Littlemore.

Hörsaal mit Oberlichtern
Das Institut bietet 7.000 Menschen Platz.

Das Ellison Institute of Technology wurde in den USA von Larry Ellison gegründet, einem der reichsten Männer der Welt. Der Gründer des US-Softwarekonzerns Oracle etablierte damit 2016 ursprünglich eine Krebsforschungseinrichtung an der University of Southern California. Nach der Erweiterung auf andere Bereiche entschied man sich für den zusätzlichen Standort in Oxford, der 2027 fertiggestellt werden soll.

Text: Michi Reichelt
Bilder: Foster + Partners

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