Fischerhaus in Cadaqués: Faszinierende Verwandlung (Bild: David Zarzoso)
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Faszinierende Verwandlung

Das Zuhause eines Fischers hat in über 100 Jahren viel erlebt, war später Herberge und Polizei-Büro. Jüngst vom Architektenteam Portabella und Pagés modernisiert, hat das alte Fischerhaus in Cadaqués nun wieder Zukunft: Als stylisches Beispiel faszinierender Verwandlung.

Es ist ein kleiner, malerischer Ort an der Costa Brava, in dessen Zentrum Beatriz Portabella Villalonga und Jordi Pagès Ramon ein gar nicht so kleines Wunder vollbracht haben. Und auch wenn sich das Projekt in Umfang und Extravaganz nicht mit spektakulären Großbauten messen kann: Was die spanische Architektin und ihr Partner aus einem mehr als 100 Jahre alten, verfallenen Fischerhaus in Cadaqués gemacht haben, ist mehr als sehenswert.

Steinerner Zeitzeuge

Privilegiert im Herzen des Ortes und in einem Fußgängern vorbehaltenen Bereich gelegen, hat das Gemäuer die Entwicklung des einstigen Fischerdorfes zum Künstler-Treff und Tourismusmagneten überdauert. Könnten Gebäude sprechen, hätte es wohl viel zu erzählen. Denn ursprünglich war es das schlichte Zuhause eines lokalen Fischers – möglicherweise verbunden mit der historischen Confraria de Pescadors de Cadaqués. Später wurde es als Gästehaus genützt und sein Obergeschoss beherbergte eine Zeit lang sogar einen Außenposten der Guardia Civil. Doch seine guten Tage waren längst vorbei.

Zu neuem Glanz geführt: Das historische Fischerhaus im spanischen Cadaqués. (Bild: David Zarzoso)
Zu neuem Glanz geführt: Das historische Fischerhaus im spanischen Cadaqués.

Traditionelle lokale Architektur: Massive Steinmauern und weiß gekalkte Wände. (Bild: David Zarzoso)
Traditionelle lokale Architektur: Massive Steinmauern und weiß gekalkte Wände.

Als der aktuelle Eigentümer beschloss, es einer umfassenden Renovierung zu unterziehen, befand sich das Fischerhaus in Cadaqués längst in fortgeschrittenem Verfallszustand. Dass tiefgreifende und sorgfältig geplante Maßnahmen nötig sein würden, lag also auf der Hand. Ein komplexes Unterfangen, das Beatriz Portabella Villalonga und Jordi Pagès Ramon im Jahr 2022 in Angriff nahmen.

Mehr als simple Renovierung

Die Herausforderung bestand nicht nur darin, das Gebäude zu restaurieren. Es galt vielmehr, auch einen dringenden Wunsch des Bauherrn zu erfüllen: Die einzigartige Atmosphäre, die das Haus auszeichnete, musste erhalten bleiben. Und die Modernisierung musste erfolgen, ohne am Charakter des Bauwerks zu rühren.

Tradition in Stein & Holz

Seine ursprüngliche Struktur mit 50 Zentimeter dicken tragenden Steinmauern bewahrt traditionelle Elemente der lokalen Architektur. Dazu zählen etwa Holzbalken-Decken in den oberen Stockwerken und eine katalanische Gewölbedecke im Erdgeschoss. Der soliden Bauweise zum Trotz hatte der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen – und die Sanierung erforderte sensible Balance zwischen Erhaltung und Erneuerung.

Wieder verwendete Fliesen, erhaltene Holzbalken: Das Architekten-Team hat das alte Bauwerk zum komfortablen, stylischen Domizil gemacht. (Bild: David Zarzoso)
Wieder verwendete Fliesen, erhaltene Holzbalken: Die Architekten …

Wieder verwendete Fliesen, erhaltene Holzbalken: Das Architekten-Team hat das alte Bauwerk zum komfortablen, stylischen Domizil gemacht. (Bild: David Zarzoso)
… haben das alte Bauwerk zum modern-stylischen Domizil gemacht.

Das Projekt umfasste sowohl eine strukturelle Verstärkung als auch eine vollständige Neugestaltung des Innenlayouts. Und durch Letztere gelang es dem kreativen Architekten-Team, die alte, fragmentierte Aufteilung in ein funktionales, helles Zuhause zu verwandeln. In ein schlichtes, jedoch stylisches und zugleich gemütliches Domizil, das sich perfekt in seine natürliche und kulturelle Umgebung einfügt.

Viel Platz auf wenig Raum

Obwohl die bebaute Fläche auf dem 110 Quadratmeter großen Grundstück nur 82 Quadratmeter umfasst, erweist sich das Haus als kleines Raum-Wunder: Seine 263 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich über vier Ebenen. Und jede davon hat nun – von alt bis neu – Besonderes zu bieten.

So beeindruckt etwa das Erdgeschoss mit seiner markanten Gewölbedecke. Und es ist als flexibler Raum konzipiert: Es eignet sich als Spielbereich für Kinder oder auch als Lagerraum für nautische Ausrüstung.

Zimmer im Felsen

Ein kleiner Innenhof indes, der während der Renovierung hinzugefügt wurde, versorgt einen außergewöhnlichen Bereich mit natürlichem Licht und Luft: Einen eigens in den bestehenden Felsen gehauenen Raum, in dem der rohe Stein weiterhin sicht- und greifbar blieb. Ein spannend-schönes Extra, das zusätzlichen Platz schafft und zugleich den materiellen Wert des Hauses hebt.

Schönes Detail: Das alte Fischerhaus in Cadaqués verfügt nun über einen eigens in den Felsen gehauenen Raum. (Bild: David Zarzoso)
Schönes Detail: Ein in den Felsen gehauener Raum.

Küche, Ess- und Wohnzimmer befinden sich im ersten Stock. Im Rahmen der Renovierung wurden neue Öffnungen in die tragenden Wände gesetzt, die die Räume visuell verbinden und natürliches Licht einlassen. Zudem haben die Architekten eine große Öffnung zum Innenhof geschaffen, die für starke Kontinuität zwischen Innen und Außen sowie für offene, frische und lebendige Atmosphäre sorgt.

Ruhepol mit Weitblick

Der zweite Stock beherbergt die Schlaf- und Badezimmer. Diese sind als private Räume konzipiert, die Ruhe, Komfort und Intimität bieten. Und der dritte Stock öffnet sich mit einer sonnendurchfluteten Terrasse und Meerblick dem mediterranen Licht und krönt das alte Fischerhaus mit einem exquisiten Ort der Entspannung und Besinnung.

Moderne Eleganz, mit historischem Material verbrämt: Wo immer möglich, haben Beatriz Portabella Villalonga und Jordi Pagès Ramon bereits Vorhandenes neu genützt. (Bild: David Zarzoso)
Moderne Eleganz, mit historischem Material verbrämt: Wo immer möglich, haben …

Moderne Eleganz, mit historischem Material verbrämt: Wo immer möglich, haben Beatriz Portabella Villalonga und Jordi Pagès Ramon bereits Vorhandenes neu genützt. (Bild: David Zarzoso)
… Beatriz Portabella Villalonga und Jordi Pagès Ramon bereits Vorhandenes neu genützt.

Eines der Hauptziele des Projekts lag in der Kombination traditioneller Materialien mit zeitgenössischer Ästhetik. So wurden vorhandene Keramikfliesen wiederverwendet, um die Erinnerung an vergangene Zeiten wachzurufen. Ein anderer Aspekt, der jedoch nicht allein der Optik dient, sind die weiß gekalkten Wände: Sie unterstreichen das mediterrane Ambiente, lassen das Gebäude atmen, und erfüllen im feuchten Klima der Küste von Empordà damit auch einen essenziellen Zweck.

Schönes Spiel mit Holz & Weiß

Bei den maßgefertigten Tischlerarbeiten und Möbeln setzten die Planer auf langlebiges, auch für Außenbereiche geeignetes Iroko-Holz. Dekorativ und ausdrucksstark, ergibt dieses einen schönen Materialkontrast zum sonst vorherrschenden Weiß. Dieses Zusammenspiel verleiht dem Interieur Charakter, Wärme und Tiefe.

Neues Leben fürs alte Fischerhaus in Cadaqués: Faszinierende Verwandlung. (Bild: David Zarzoso)

Neues Leben fürs alte Fischerhaus in Cadaqués: Faszinierende Verwandlung. (Bild: David Zarzoso)

Während das Innere des Hauses komplett umgestaltet wurde, blieb die Fassade des historischen Gebäudes erhalten. Portabella Villalonga und Pagès Ramon renovierten die ursprüngliche Konfiguration mit größtem Respekt. Auch die vorhandenen Holzarbeiten wurden nicht verändert, sondern sorgfältig restauriert. Dadurch blieb das architektonische Gedächtnis des Fischerhauses in Cadaqués erhalten – und das alte Bauwerk leistet weiterhin seinen Beitrag zum typischen ästhetischen Gesamtbild des Ortes.

Das Fischerhaus in Cadaqués als Vorbild

Wie etwa auch MADE.V arquitectos, die einen einstigen Schweinestall im historischen Zentrum des spanischen Dorfes Sasamón achtsam zum Familiendomizil verwandelten, haben Portabella Villalonga und Pagès Ramon mit ihrem Projekt an der Costa Brava bewiesen: Tradition und Moderne sind keine gegensätzlichen Konzepte. Wird sensibel, mit lokalem Verständnis und Liebe zum Detail vorgegangen, können sie in perfekter Harmonie koexistieren.

Neues Leben fürs alte Fischerhaus in Cadaqués: Faszinierende Verwandlung. (Bild: David Zarzoso)

Neues Leben fürs alte Fischerhaus in Cadaqués: Faszinierende Verwandlung. (Bild: David Zarzoso)

Inspiration für ihr Konzept holten die Architekten bei der regionalen Architektur der Mitte des 20. Jahrhunderts. Ein Glücksgriff, sowohl für das über 100-jährige, zuvor noch vom Verfall bedrohte Fischerhaus in Cadaqués und seine Eigentümer. Als auch für den Ort selbst, in dem Salvador Dali Teile seiner Kindheit verbrachte und der durch prominente Künstler-Gäste wie Federico García Lorca, Pablo Picasso und Joan Miró bekannt wurde.

Berühmte Nachbarschaft

Dali kehrte 1948 zurück und ließ sich in Portlligat bei Cadaqués nieder. Sein Haus ist heute ein Museum und zählt zu den lokalen Sehenswürdigkeiten. Ebenso wie Cadaqués‘ alter Ortskern mit der gotischen Kirche Santa Maria, in der sich einer der bedeutendsten Barock-Altare Kataloniens aus dem 18. Jahrhundert befindet.

Authentisch und stimmungsvoll: Das einstige Zuhause eines lokalen Fischers ist heute ein Schaustück gelungener Kombination von Tradition und Moderne. (Bild: David Zarzoso)
Authentisch und stimmungsvoll: Das einstige Zuhause eines lokalen Fischers …

Authentisch und stimmungsvoll: Das einstige Zuhause eines lokalen Fischers ist heute ein Schaustück gelungener Kombination von Tradition und Moderne. (Bild: David Zarzoso)
… ist heute ein Schaustück gelungener Kombination von Tradition und Moderne.

Der Fischer, dessen Haus Beatriz Portabella Villalonga und Jordi Pagès Ramon nun einer faszinierenden Verwandlung unterzogen haben, war zwar weder Künstler, noch berühmt. Doch sein nun respektvoll renoviertes Zuhause ist essenzieller Teil der Geschichte des einstigen Fischerdorfes. Ein architektonischer Zeitzeuge, der dazu beiträgt, Schönheit, Tradition und Charakter des Ortes zu bewahren.

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: David Zarzoso

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