Fuchsegg Eco Lodge, Ludescher + Lutz, Hotel, Holzbau
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Neue Bescheidenheit in der Luxusklasse

Die Fuchsegg Eco Lodge im Bregenzerwald ist weder Hotel noch Chalet-Dorf. Ludescher + Lutz haben die jahrhundertealte Tradition der Vorsäß-Siedlungen in die Gegenwart übersetzt und ein Ensemble geschaffen, das natürlich in der Landschaft beheimatet ist. 

Im Bregenzerwald wird seit Generationen eine besondere Art der Landwirtschaft geprägt, die sich in drei Stufen gliedert: den Talbetrieb, das Vorsäß und die Alpe. Da die meisten Betriebe zu wenig Futterflächen im Tal haben, zieht der Landwirt im Frühjahr mit seinem Vieh – und meist auch mit Kind und Kegel – auf das höher gelegene Vorsäß. Sind die Flächen dort abgeweidet, geht es im Sommer auf die noch höher gelegene Alpe oder Hochalpe. Den Landwirten ermöglicht dies größere Viehbestände zu halten, während gleichzeitig die Kulturlandschaften gepflegt werden. Diese Tradition des Vorsäß, die von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde, hat eine eigene Baukultur hervorgebracht. Dabei handelt sich um einfache Siedlungen, die nur ein paar Wochen im Jahr bewohnt werden. Nämlich dann, wenn der Winter im Tal vorbei ist, und auf der Hochalpe noch der Schnee liegt.

Fuchsegg Eco Lodge, Ludescher + Lutz Architekten, Bregenzerwald, Schetteregg, Hotel, Holzbau, Baukultur
Keine Bettenburg in Schetteregg: Das Gebäude-Ensemble der Fuchsegg Eco Lodge fügt sich natürlich in die Umgebung ein.

Als das Architekturbüro Ludescher + Lutz mit der Planung des nachhaltigen Familienhotels Fuchsegg Eco Lodge im Vorarlberger Skiort Schetteregg begann, stellte es sich folgende Frage: Wie dimensioniert man ein Hotel in einer entlegenen Landschaft? 

Während die Belle Époque mächtige Grand Hotels in alpiner Kulisse hervorbrachte, gelten in der zeitgenössischen Architektur andere Maßstäbe und Ansätze. Nicht allein der Standort und die bestellte Größe des Bauvorhabens sind entwurfsprägend, sondern vielmehr ein ganzheitliches Verständnis des Kontextes. Vor allem in einem Land mit einem problematisch hohen Bodenverbrauch wie in Österreich, überlege man sich heute sehr genau, was man in die unberührte Landschaft baut.

Das Vorsäß als Vorbild

Angesichts der fortschreitenden Zersiedelung könnte man auf die Idee kommen, das Projekt unterirdisch anzulegen, so die Architekten zu ihren anfänglichen Überlegungen. 

Fuchsegg Eco Lodge, Ludescher + Lutz Architekten, Bregenzerwald, Schetteregg, Hotel, Holzbau, Baukultur
Naturnaher Luxusurlaub: Das exklusive Resort bietet Zimmer, Kaminlofts und Apartments, ein zentrales Gasthaus, einen Außenpool sowie ein Saunahaus. 

Elmar Ludescher und Philip Lutz wählten allerdings einen anderen Ansatz: „Wir haben untersucht, welche Siedlungsformen es in der umgebenden Kulturlandschaft bereits gibt. Bei der Typologie Vorsäß sind wir fündig geworden.“ Ganz in der Nähe des Hotels gibt es mit dem Vorsäß Eggatsberg ein reales Anschauungsobjekt. In jedem Frühjahr zieht aufs Neue Leben in die scheinbar verwaisten Holzhäuser ein.

Wir haben untersucht, welche Siedlungsformen es in der umgebenden Kulturlandschaft bereits gibt. Bei der Typologie Vorsäß sind wir fündig geworden.

Elmar Ludescher und Philip Lutz, Architekten

Die temporären Behausungen für Mensch und Tier auf diesen Zwischenweiden bilden meist ein lose hingewürfeltes Ensemble. Bei der Entwurfsplanung für die Fuchsegg Eco Lodge diente diese Anordnung und Maßstäblichkeit den Architekten als Vorbild. 

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Warme Holzoberflächen und regionales Handwerk dominieren im Inneren der Lodge.

Sie unterteilten das Hotel in sechs Volumen und setzten langgestreckte, niedrige Baukörper in freier Ausrichtung zu einander in den Hang. 

Eine aufgeschlossene Bauherrschaft

Die gewählte Typologie verleiht dem Hotel ein sehr leises, bescheidenes Auftreten, wie man es von einem Betrieb der Luxusklasse nicht erwartet. Statt maximierter Bettendichte und kostenoptimierter Bauweise folgte die Gastgeberfamilie Hämmerle-Can ihrem Bauchgefühl – allen Warnungen von Branchenkennern zum Trotz. 

„Eine internationale Hotelkette hätte wohl kaum diesem Konzept zugestimmt“, freuen sich Ludescher + Lutz über die aufgeschlossene Bauherrschaft. „Wir finden es reizvoll, wenn ein Projekt auf den ersten Blick bescheiden auftritt und erst auf den zweiten seinen Luxus, sozusagen seine ‚inneren Werte‘, zeigt.“

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Bei der Entwurfsplanung diente die Anordnung und Maßstäblichkeit der Vorsäß-Siedlungen den Architekten als Vorbild. 

Hätte ein monolithischer Hotelbau der Landschaft einiges an Würde abgerungen, nehmen sich die schlichten Gebäude in der Umgebung zurück. Dieses Prinzip der vereinzelten Baukörper hat eine logische Konsequenz: Es gibt keine wettergeschützten Verbindungen zwischen den Häusern. 

Naturwiese statt Gärten

Wer vom Saunahaus zum Gasthaus möchte, muss den Boden spüren, die Bergluft atmen und vielleicht eine Schneeflocke im Nacken riskieren. 

Wir finden es reizvoll, wenn ein Projekt auf den ersten Blick bescheiden auftritt und erst auf den zweiten seinen Luxus, sozusagen seine ‚inneren Werte‘, zeigt.

Elmar Ludescher und Philip Lutz, Architekten

Anstatt durch unterirdische Verbindungen die Natur auszusperren, bringen die Außenwege den Gast dazu, immer wieder innezuhalten und die Umgebung bewusst wahrzunehmen. Damit wird die Architektur zur durchlässigen Membran, die den Kontakt zur Natur forciert. 

Fuchsegg Eco Lodge, Ludescher + Lutz Architekten, Bregenzerwald, Schetteregg, Hotel, Holzbau, Baukultur
Das schlichte Interieur lässt die Landschaft in den Vordergrund treten.

So wie bei den Vorsäßhütten blieb der Außenraum der Häuser frei von einer bemühten Landschaftsgestaltung. Auch das ist äußerst ungewöhnlich für ein exklusives Hotel. „Es gibt keine den Gebäuden zugewiesenen Gärten, keine Zäune, keine Stützmauern“, erklären die Architekten. „Die Wiesenlandschaft läuft zwischen den Baukörpern ungestört hindurch. Die Bepflanzung ist sparsam und naturnah gehalten: Holunder, Eberesche, Ahorn.“

Damit die Wiesenpflanzen, die auf dem Grundstück heimisch sind, durch die Bauarbeiten nicht verloren gingen, ließ man einen Gärtner aus Bezau kommen. Er sammelte die typischen Kräuter, Blumen und Gräser zur Samengewinnung und säte sie nach der Fertigstellung des Hotels wieder aus. So blieb die Wiese, in die das Hotel eingebettet ist, erhalten.

Eine konsistente Sprache

Die Fuchsegg Eco Lodge ist an ein Biomasse-Nahwärmenetz angeschlossen, das mit regionalem Waldhackgut betrieben wird. 

Fuchsegg Eco Lodge, Ludescher + Lutz Architekten, Bregenzerwald, Schetteregg, Hotel, Holzbau, Baukultur
Das Fassadensystem in Holz lässt die Baukörper „einheitlich in den Ort hineinaltern“, so die Architekten.

So konnten auch andere Anwohner im entlegenen Schetteregg von fossilen Energieträgern auf ein umweltfreundlicheres Heizsystem umsteigen. Ergänzt wird das Konzept zur Ressourcenschonung durch eine Photovoltaikanlage auf der „Tenne“ und wassersparenden Armaturen.

Das Hotel-Ensemble sollte am Ende zu einem selbstverständlichen Teil der Landschaft werden. Deshalb war den Planern die schlichte Gestaltung der Häuser sehr wichtig: „Wir entwarfen ein Fassadensystem in Holz, das die Baukörper einheitlich in den Ort hineinaltern lässt.“ Als Sonnenschutz für die Fensterbänder dienen drehbare Holzlamellen, die den unterschiedlich bemessenen Häusern eine konsistente Sprache verleihen. 

So ist aus der Inspiration des regionaltypischen Vorsäß ein zeitgemäßer Hotelbetrieb entstanden, der dem Ausverkauf der Alpen etwas entgegenzusetzen hat. Frei nach der Überzeugung der Architekten: „Bauen hat einen kulturellen Beitrag zu leisten.“

Text: Gertraud Gerst
Fotos: Elmar Ludescher, Günter Standl, Studio Wälder

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