Das Konzept, mit dem die Bjarke Ingels Group (BIG) den Bewerb ums Design der neuen Hamburgischen Staatsoper gewonnen hat, verspricht Großes: Einen hochmodernen, von Schall- und Wasserwellen inspirierten Kulturbau mit viel öffentlichem Grün – direkt an der HafenCity Uferpromenade.

Es kommt nicht oft vor, dass Architekturprojekte auch in Medien Erwähnung finden, die sonst gar nichts mit Architektur am Hut haben. Insofern wirkten die unzähligen Berichte über den Ausgang des Wettbewerbs ums Design der neuen Hamburgischen Staatsoper tatsächlich wie eine Ausnahme von der üblichen Regel. Allerdings: Es handelt sich schließlich auch um ein wirklich großes Vorhaben, das der Stadt selbst sehr am Herzen liegt.

Terrassen, Glas & Grün

Was das renommierte dänische Büro Bjarke Ingels Group (BIG), dessen Vorschlag die Jury zum Sieger kürte, diesfalls plant, hat absolut das Zeug, zum weltweit bestaunten Highlight zu werden: Ein gläsernes, terrassenförmiges Gebäude mit begrünter, begehbarer Dachlandschaft, das von einem Park umgeben ist und sich sowohl als kultureller, als auch als gesellschaftlicher Hotspot eignet.

Prominent „umrahmt“

Auch der dafür vorgesehene Bauplatz ist durchaus prominent: Er befindet sich auf der Halbinsel Baakenhöft in Hamburgs HafenCity, direkt an der aufstrebenden Uferpromenade. Den „Rahmen“ des Projekts würden also das vertikale Wahrzeichen Elbphilharmonie und (im Fall seiner Fertigstellung) der Elbturm bilden.

Fast wie ein großes Schiff, das in der HafenCity ruht: So soll die neue, von BIG designte Hamburgische Staatsoper nach Fertigstellung aussehen. (Bild: Yanis Amasri / BIG)
Fast wie ein großes Schiff, das in der HafenCity ruht: So soll die neue, von BIG designte Hamburgische Staatsoper nach Fertigstellung aussehen.

Das neue Haus der Hamburgischen Staatsoper wird deren altes, aus den 1950er Jahren stammendes Gebäude in der Dammtorstraße ersetzen. Modernste akustische, räumliche und technische Standards inklusive. Sobald fertig, wird der Neubau sowohl der Staatsoper als auch dem Hamburg Ballett und dem Philharmonischen Staatsorchester als neues Zuhause dienen. Und dies ist längst nicht alles.

Hochkultur mit öffentlichem Plus

Während das spektakuläre Projekt der Stadt modernste Produktions- und Aufführungsmöglichkeiten verschafft, sollen zugleich neue öffentliche Räume entlang der Promenade entstehen. Obendrein sollen das Gebäude und sein Umfeld den Dialog zwischen städtischer Architektur und Ufer fortsetzen. Denn Kultur und Hafenleben sind in Hamburg seit Langem eng verbunden – von der Speicherstadt bis zur Elbphilharmonie.

Der Neubau lädt die Öffentlichkeit ein, ihre Stadt, den Hafen und die Oper aus einer neuen Perspektive zu erleben.

BIG-Partner David Zahle

Hohe Anforderungen, denen BIGs Konzept nach Ansicht der aus Vertretern der Stadt, der Kühne-Stiftung und externen Experten bestehenden Jury perfekt gerecht wird. Wobei: Bis zum Spatenstich wird es noch dauernd. Vorerst wird der Entwurf in den kommenden zwei Jahren in Abstimmung mit Stadt, Stiftung und Staatsoper konkretisiert. Und erst dann – nach Abschluss der erweiterten Vorplanung und einer belastbaren Kostenschätzung – wird die Kühne-Stiftung über die endgültige Realisierung entscheiden.

Schwungvoll wie Musik: Das Innenleben des neuen Opernhauses, das beeindruckenden Ausblick bietet. (Bild: Yanis Amasri / BIG)
Schwungvoll wie Musik: Das Innenleben des neuen Opernhauses, das beeindruckenden Ausblick bietet.

Was der Plan der international gefragten dänischen Architekten vorsieht, beschreibt BIG-Gründer und Kreativdirektor Bjarke Ingels so: „Die Oper wird wie eine Landschaft aus konzentrischen Terrassen erscheinen. Wie Schallwellen, die von einem zentralen, pulsierenden Herzen der Musik ausgehen und sich wie Wellen auf der Meeresoberfläche nach außen in den Hafen ausbreiten. Das Ergebnis ist ein dreidimensionaler öffentlicher Park, der von allen Seiten zugänglich ist und weiten Blick in alle Richtungen bietet – auf Alt- und Neustadt, Lohsepark und Industriehafen.“

Vom Kai über die Dächer zu den Gärten

Das neue Opernhaus ist als öffentliches Gebäude in einem Park konzipiert. Es entfaltet sich als Reihe landschaftlicher Terrassen, die sich vom Ufer aus erheben. Von oben betrachtet zeichnet das Dach eine kontinuierliche Kreisform, die sich zum Hafen hin öffnet. Diese skulpturale Topografie schafft Wege über das Gebäude hinweg, die vom Kai zu erhöhten Gärten führen. Dadurch entstehen Treffpunkte im Freien und eine neue öffentliche Verbindung zwischen der Stadt und dem Fluss.

Hamburgische Staatsoper lockt vielseitig

Ob zu Fuß, mit dem Taxi oder mit dem Bus: Besuchern stehen verschiedenste Zugänge zur Oper offen. Sowohl durch den Park, als auch vom Pier oder direkt von der Opernstraße an der Baakenhafenbrücke.

Sowohl die auskragenden, bepflanzten Terrassen der neuen Hamburgischen Staatsoper als auch ein Park rundum sollen künftig Besuchern Freude machen. (Bild: Yanis Amasri / BIG)
Sowohl die auskragenden, bepflanzten Terrassen als auch ein Park rundum sollen künftig Besuchern Freude machen.

Die Steinpflasterung des Parks setzt sich im Hauptfoyer fort. Dieses fungiert als urbanes Wohnzimmer, in dem zwei zentrale Holztreppen die Besucher durchs Gebäude führen. Alle Hauptetagen haben direkten Zugang zu Außenterrassen, die sich in Ankunftsorte, Veranstaltungsräume und Treffpunkte für Künstler, Gäste und Besucher verwandeln lassen.

Holz-Herz, das Sound & Nähe dient

„Im Zentrum des Gebäudes versammelt die Haupthalle das Publikum und die Darsteller in einem Raum mit sanft geschwungenen Balkonen. Horizontal geschichtete Holzstreifen umhüllen den Innenraum und schaffen eine durchgehende Oberfläche, die den Klang gleichmäßig durch den Raum trägt“, beschreibt BIG-Partner Jakob Sand.

Der Hauptsaal ist demnach das Herzstück des Projekts: Ein Raum mit modernster Akustik und perfekter Sicht auf die Bühne. Und Sand führt aus: „Immersive konzentrische Holzringe prägen den Saal und seine Balkone und lassen die Grenzen zwischen Zuschauern und Künstlern, zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.“

Künstler-Arbeit, mitgedacht

Hinter den Hauptsaal setzt BIG eine kleinere Studiobühne, Proberäume und Backstage-Bereiche, die direkt mit der Bühne verbunden sind. So, dass die Künstler nahtlos zwischen Probe und Aufführung wechseln können und ein effizienter Ablauf der Aktivitäten im gesamten Gebäude gewährleistet ist.

BIGs spektakulär terrassenförmiges Konzept fokussiert auf die Bedürfnisse und Wünsche von Publikum und Künstlern. (Bild: Yanis Amasri / BIG)
BIGs spektakulär terrassenförmiges Konzept fokussiert auf die Bedürfnisse und Wünsche von Publikum und Künstlern.

Die neue Hamburgische Staatsoper soll mehr bieten als bloß auf die jeweilige Aufführung beschränkten Kunstgenuss, wie BIG-Partner David Zahle schildert: „Sie lädt die Öffentlichkeit ein, ihre Stadt, den Hafen und die Oper aus einer neuen Perspektive zu erleben. Besucher können sich entlang der Fassaden bewegen und einen Blick ins Foyer, die Proberäume, die Backstage-Bereiche und die Büros werfen.“

Dies mache die Komplexität hinter einem funktionierenden Opernhaus sichtbar: „Weil das Gebäude keine Rückseite hat und die Innenräume mit der dreidimensionalen Landschaft verbunden sind, ist es nach allen Seiten hin offen.“

Vor Sturm & Flut gefeit

Der von BIG Landscape gestaltete Park ist von der Bewegung des Wassers inspiriert. Sein Design ist darauf ausgerichtet, Sturmfluten durch abfallende Terrassen, bewachsene Dünen und Feuchtgebiete, die den Wasserfluss verlangsamen und absorbieren, zu bewältigen. Und Becken, die Regenwasser sammeln und speichern, schaffen Lebensräume für Amphibien, Wasserpflanzen und lokale Arten.

Innen Musik, außen Natur

Die Kombination aus Gezeitenzonen, widerstandsfähiger Vegetation und durchlässigen Oberflächen fördert die Artenvielfalt. Und sie ergibt eine lebendige Landschaft, die sich an die wechselnden Rhythmen der Elbe anpasst. Eine schöne, urbane Naturzone, die das neue Haus der Hamburgischen Staatoper künftig umgeben und zum Verweilen einladen soll.

Dänische Expertise

Darin, städtische Ufer und Hafengebiete neu zu beleben, hat das Team um Gründer Bjarke Ingels bekanntlich Erfahrung. Schließlich zeichnete BIG auch fürs Havnebadet Islands Brygge verantwortlich, das Kopenhagen ein heiß geliebtes Freibad beschert hat. Und auch das eigene, neue Hauptquartier des Architekturbüros liegt am Wasser, an Kopenhagens Hafenkai Sundmolen.

Herzstück des Entwurfs für die neue Hamburgische Staatsoper: Der Hauptsaal, der modernste akustische, räumliche und technische Standards erfüllen soll. (Bild: Yanis Amasri / BIG)
Herzstück des Entwurfs für die neue Hamburgische Staatsoper: Der Hauptsaal, der modernste akustische, räumliche und technische Standards erfüllen soll.

Dem nun für BIG entschiedenen Wettbewerb, an dem auch bekannte Büros wie Snøhetta oder Sou Fujimoto teilnahmen, gingen lange Vorbesprechungen voraus. Initiiert hatte diese Kunstmäzen Klaus-Michael Kühne. Im Februar 2025 einigten sich die Stadt Hamburg und die Kühne-Stiftung dann auf einen Vertrag über den Neubau einer Oper, dessen Umsetzung die HSO Projekt GmbH verantworten soll.

Teures „Geschenk“

Als Beteiligte werden, aktuellen Meldungen zufolge, nach Zustimmung der Bürgerschaft neben der Stiftung auch die Stadt und die Staatsoper fungieren. Demnach werde die Stadt das Grundstück zur Verfügung stellen, erschließen, und standortspezifische Kosten (z.B.: für Flutschutz) tragen. Mit einer auf 147,5 Millionen Euro gedeckelten Summe. Die Stiftung, die, wie es heißt, bis zu 330 Millionen Euro zur Verfügung stellen will, werde für die verbleibenden Baukosten aufkommen. Kolportierter Termin für die geplante Fertigstellung, nach der das Gebäude als Schenkung der Stadt übertragen werden soll, ist das Jahr 2030.

Langer Weg zum neuen Highlight

Bis dahin wird wohl noch viel Wasser durch die Elbe rauschen. Nicht nur, weil das Großprojekt (vor allem etwa in Sachen Standort und Kosten) auch auf Kritik stößt. Die Konkretisierung des Entwurfs steht allerdings, wie eingangs erwähnt, ohnehin auch noch aus. Läuft jedoch alles wie geplant, liegt nahe, dass sich nicht nur Hamburgs Opernfreunde, sondern alle Anwohner und Besucher auf einen außergewöhnlichen neuen Treffpunkt freuen dürfen. Auf ein weiteres architektonisches Highlight ihrer Stadt, das zugleich öffentlichen Grünraum schafft.

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: Yanis Amasri / BIG  

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