Holz trägt Unternehmenskultur
Auf einem ehemaligen Parkplatz hat das Handelshaus Kiennast seinen neuen Firmensitz errichtet. Der Neubau im Osten Österreichs sollte die Verwaltung zentralisieren, Identität stiften und Verantwortung zeigen. Entstanden ist ein preisgekrönter Holzbau.
Der Einzelhandel befindet sich in einer Zeit des Umbruchs. Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen immer öfter im Internet ein, wo das Angebot groß und die Preise günstig sind. Anders ist es im Lebensmittelhandel, wo weiter das stationäre Einkaufen dominiert und die Geschäfte auch in Krisenzeiten blühen. Einer der ältesten Lebensmittelhändler Österreichs, das 1710 gegründete und in neunter Generation geführte Familienunternehmen Kiennast, ist ebenfalls auf Expansionskurs. Das Handelshaus betreibt die ländliche Nahversorger-Kette Nah & Frisch und beliefert zahlreiche Gastrobetriebe und Tankstellen-Shops. In der niederösterreichischen Gemeinde Gars am Kamp, wo das Unternehmen beheimatet ist, steht der neue Firmensitz des Unternehmens. Ein konstruktiver Holzbau, der für den Österreichischen Staatspreis Holzbau 2026 nominiert ist.
Das neue Kiennast Headquarter dockt an das bestehende Logistikzentrum an und schafft eine Neuordnung der Betriebsverwaltung. Waren die Büros bislang auf mehrere Standorte aufgeteilt, vereint der Neubau nun rund 300 der 500 Mitarbeiter unter einem Dach. Die bisher genutzten Räumlichkeiten im Ortszentrum werden so für eine Weiterentwicklung frei.
Neubau auf dem Parkplatz
„Auf diese Weise entstand ein kommunikatives und identitätsstiftendes Gebäude für alle Mitarbeiter*innen von Büro bis Logistik“, heißt es vonseiten des Wiener Architekturbüros nonconform. Zusätzlich zur Planung und Umsetzung des modernen Holzbaus begleitete es den räumlichen und betrieblichen Entwicklungsprozess von Kiennast.
Im Rahmen dieses partizipativen Prozesses spielten die Beteiligten alle möglichen Szenarien der Raumschaffung durch. Diese reichten von der Nachverdichtung bis hin zum Neubau auf der grünen Wiese. Für eine Aufstockung hätte man die Bestandshallen aufwändig verstärken müssen, und eine neue Bodenversiegelung wollte man aus ökologischen Gründen vermeiden.
Der zweigeschossige Neubau entstand schließlich auf dem ehemaligen Parkplatz, einer Fläche, die bereits versiegelt war. Eine Planung, die offen ist für Erweiterung. Am Ende des neu entstandenen Innenhofes kann das Gebäude bei Bedarf um weitere 20 Arbeitsplätze ergänzt werden.
Alle unter einem Holzdach
Abgesehen von einem Erschließungskern aus Stahlbeton, dessen sandgestrahlte Oberfläche einen skulpturalen Charakter hat, ist das Gebäude vollständig aus Holz gebaut.
Für Holz als Baustoff sprechen im Kontext eines neuen Firmensitzes viele Argumente. Eine gute CO2-Bilanz ist dabei ebenso ausschlaggebend wie ein freundliches, gesundes Arbeitsumfeld.
Mit Holz können wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele gleichermaßen verfolgt werden.
Peter Nageler, Architekt
Wenn man so will, ist Holz Raum gewordene Unternehmenskultur. Es drückt eine Überzeugung aus, die über reine Lippenbekenntnisse hinausgeht. „Für uns ist Holz kein Trend, sondern ein zeitgemäßer Baustandard mit hohem architektonischem und kulturellem Potenzial. Mit Holz können wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele gleichermaßen verfolgt werden“, erklärt Peter Nageler gegenüber der Plattform Holzbau Austria. Gemeinsam mit Roland Gruber hat er 1999 das Architektur- und Stadtplanungsbüro nonconform gegründet.
Das Büro mit Sitz in Wien kann bereits auf mehrere Holzbauprojekte verweisen, darunter den Wohnbau Timber*Laa im Süden von Wien sowie eine Wohnanlage in der norwegischen Stadt Stavanger. Die neue Firmenzentrale des Handelsunternehmens Kiennast wurde bereits mit dem Holzbaupreis Niederösterreichs ausgezeichnet.
Nutzung erneuerbarer Energiequellen
Der neue Verwaltungsbau verläuft parallel zum bestehenden Logistiktrakt, verbunden sind die beiden Bauteile durch die neue, gemeinsame Kantine. Sie ist als kommunikativer und multifunktionaler Raum geplant, der je nach Bedarf Cafeteria, Event-Location oder Präsentationsraum ist. Von hier blicken die Mitarbeiter auf den begrünten Innenhof, der bewusst als Erholungsbereich im Grünen angelegt ist.
Ergänzt wird die klimafreundliche Holzbauweise durch eine effiziente Gebäudehülle und ein Energiekonzept, das auf Geothermie und Photovoltaik basiert. Auf diese Weise lässt sich das Gebäude nicht nur im Winter beheizen, das System sorgt auch für eine Kühlung in den heißen Sommermonaten.
Dass man das Thema Nachhaltigkeit auf ganzheitliche Weise verfolgt hat, sei der aufgeschlossenen Bauherrschaft zu verdanken, so Architekt Peter Nageler. „Das Thema CO2 -Reduktion und Energieverbrauch begleitete uns von Anfang an. Die beiden Geschäftsführer Alexander und Julius Kiennast waren offen für Investitionen, die sich langfristig auszahlen.“
Text: Gertraud Gerst
Fotos: Kurt Hoerbst





