LuLa Light Mall: Schöne bunte Shopping-Schachteln (Bild: MVRDV)
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Schöne bunte Shopping-Schachteln

Was kann ein neues Einkaufszentrum, das einem bunten Schachtel-Stapel gleicht? Die Antwort lautet: Ganz schön viel. Denn MVRDVs Projekt LuLa Light Mall verschafft Chengdu Shoppingfreuden, die bewegten Outdoor- Lifestyle sowie Energieersparnis fördern.

Lässt man Kinder mit Schachteln spielen, kann es durchaus sein, dass das Ergebnis ähnlich aussieht: Unregelmäßig übereinandergestapelt, mit einem hohen Turm dabei, und jedenfalls originell. All dies trifft auch auf ein Projekt zu, das das niederländische Top-Büro MVRDV für die chinesische Millionenstadt Chengdu entworfen hat: Die LuLa Light Mall. Doch dieses neue Einkaufszentrum ist nicht nur optisch fast so bunt und „schräg“ wie ein Werk aus Kinderhand. Es ist vor allem auch außergewöhnlich gut durchdacht und an regionale Gegebenheiten und Bedürfnisse angepasst.

Zwischen See und Wolkenkratzern

Das weitgehend offene Shopping-Center namens LuLa Light Mall entsteht in Chengdus aufstrebendem Stadtteil Tianfu New Area. Genauer gesagt: In der dortigen Luxelakes Eco-City, einer Art „Öko-Stadt“, deren Entwicklung schon vor 20 Jahren ihren Anfang nahm. Inzwischen hat dieses, im südlichen Teil der Metropole gelegene Gebiet viel zu bieten: Mit 5,5 Quadratkilometern Fläche verfügt es über 1,4 Quadratkilometer gewundener, menschen-gemachter Seenlandschaft und viel üppiges Grün. Auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und wie ein riesiger Park konzipiert, offeriert das Areal unzählige Freizeitmöglichkeiten.

Der Bauplatz der LuLa Light Mall setzt das Projekt vorteilhaft zwischen Stadt und Natur: Im Südosten profitiert es vom Anteil an See und Grünflächen, grenzt im Nordwesten aber auch ans urbane Wolkenkratzer-Dickicht.

LuLa Light Mall: Das von MVRDV designte Einkaufszentrum gleicht einem Stapel bunter Schachteln. (Bild: MVRDV)

Wichtig für das Design des Neubaus waren sowohl das subtropisch milde Klima als auch der typische Outdoor-Lifestyle der Region und die verlockenden Erholungsmöglichkeiten der angrenzenden See- und Grünlandschaft. Dies und mehr haben die MVRDV-Architekten geschickt in ihren Entwurf einbezogen. Und so zeigen die Pläne die Form eines lockeren „Boxen-Stapels“ mit großzügigen, zwischen den „Schachteln“ liegenden Öffnungen. Eine Strategie, die große Terrassen, Gehwege und Treppen schafft, die für angenehmes Shopping-Erlebnis mit viel Zeit im Freien sorgen – bei vielfältigem Angebot und mit Blick aufs Grün und den benachbarten See.

Das 22.200 Quadratmeter umfassende Projekt besteht aus zwei Hauptelementen: Am westlichen Ende des Grundstücks entsteht ein 99 Meter hoher, 19-stöckiger Turm. Und den Rest des Geländes nimmt ein vierstöckiger Sockel ein.

Einkaufszentrum, neu gedacht

Anders als bei üblichen Einkaufszentren, bei denen sich nach außen geradlinig umschlossene Gewerbeflächen um ein Atrium gruppieren, bricht das Konzept der LuLa Light Mall diese Form: Die Gewerbeeinheiten des Sockels sind wie kleinere Boxen unregelmäßig gestapelt. Ein System, das Zwischenräume schafft, die Licht und Luft in den Komplex lassen, und zugleich Platz für vielfältige Aussichtspunkte bieten. Ans östliche Ende der Anlage setzen die Architekten eine Reihe großer Boxen, die – ebenfalls gestapelt und in verschiedene Richtungen gedreht – den See-Blick optimal nützen.

Mehr als nur Shoppen: In Chengdus neuem Center wird es auch viel Freizeitangebot geben. (Bild: MVRDV)

Ein großer Vorzug dieses ungewöhnlichen „Schachtel-Systems“ ist, dass es mehrere große Außenterrassen bildet, die durch Gehwege und Treppen miteinander verbunden sind. Pfade, die auch zum Ufer hinunterführen, was den Besuch der LuLa Light Mall statt zum reinen Shopping-Trip auch gleich zum erholsamen See-Spaziergang machen kann.

Der verspielt-entspannte Eindruck der Anlage wird zudem durch die bunten Einfassungen der Boxen verstärkt. Jede „Schachtel“ wird durch einen dicken Rahmen in eigener Farbe deutlich hervorgehoben. Und im Inneren jeder dieser Gewerbeeinheiten finden sich Glaswände mit bunten Sprossen, die auf die Farben bestehender Pavillons in den Parks von Chengdu verweisen.

In unserem Entwurf entfernen wir uns von der typischen geschlossenen, klimatisierten Einkaufstypologie und schaffen stattdessen ein luftiges Indoor-Outdoor-Erlebnis.

Jacob van Rijs, Architekt und MVRDV-Gründungspartner

MVRDVs Konzept hat allerdings noch weitreichendere Vorteile. So reduziert die Licht- und Luft-Durchlässigkeit des Projekts etwa auch den Beleuchtungs- und Kühlbedarf des Komplexes – und somit den Energieverbrauch seines Betriebs. Ein Teil der nötigen Energie wird zudem durch Solarzellen auf den Dächern des Gebäudes bereitgestellt.

Das von MVRDV designte, neue Einkaufszentrum in Chengdu gleicht einem bunten Schachtel-Stapel. (Bild: MVRDV)

„Die LuLa Light Mall wird ein wichtiger Knotenpunkt für Luxelakes Gewerbeflächen sein. Aber in unserem Entwurf entfernen wir uns von der typischen geschlossenen, klimatisierten Einkaufstypologie und schaffen stattdessen ein luftiges Indoor-Outdoor-Erlebnis“, schildert MVRDV-Gründungspartner Jacob van Rijs. Und der Architekt führt aus: „Indem wir den Raum zwischen den Einheiten öffnen, erweitern wir den Park. Durch die Verschiebung von Boxen schaffen wir Außenterrassen und Gassen.“

„Bewegungsanreiz“ LuLa Light Mall

Obendrein werde das ungewöhnliche „Schachtel-Konstrukt“ seine Besucher zu mehr Bewegung motivieren, ist van Rijs überzeugt: „Visuelle Verbindungen und einladende Treppen werden die Nutzung der Aufgänge attraktiver machen als jene der Aufzüge und Rolltreppen. Es wird sich anfühlen, als würde man durch ein Dorf mit großartiger Aussicht auf die Seen und die Natur spazieren und dabei das Klima von Chengdu optimal nutzen.“

Chengdus neues Shopping-Center entsteht zwischen Seelandschaft und Wolkenkratzern. (Bild: MVRDV)

Im Gegensatz zum farbenfrohen Sockel passt sich der Turm mit seiner eher monochromen Farbpalette an die benachbarten Wolkenkratzer der Stadt an. Seine Stockwerke variieren kontinuierlich in Größe und Anordnung. So, dass die Westfassade des Gebäudes eine einzige vertikale Wand bildet, während die anderen drei Fassaden Terrassen und Überhänge aufweisen. Die größten Abweichungen finden sich in den unteren Etagen. Mit gutem Grund: Die Verbindungsstelle zwischen dem Turm und den locker angeordneten Boxen des Sockels wirkt dadurch nicht wie ein Stilbruch, sondern wie ein harmonischer Übergang.

Vielseitiges Geschäftsmodell

Dass die Bestandteile der LuLa Light Mall unregelmäßig gestapelt und kombiniert sind, sorgt für enorme Vielseitigkeit. Denn dieses ungewöhnliche System macht es möglich, Gewerbeflächen verschiedenster Art und Größe anzubieten. Manche sind über Gehwege zugänglich, andere über Aufzüge. Einige liegen in der Nähe des Seeufers, andere verfügen über weitläufige Terrassen mit Panoramablick. Dadurch eignen sich die bunten Einheiten für eine Vielzahl unterschiedlichster gewerblicher Aktivitäten. Ob Geschäft, Restaurant, Café, Bar, Spa, Salon oder Fitnessstudio: Im neuen Shopping-Center findet jedes Unternehmen geeignete Räumlichkeiten.

Mit der LuLa Light Mall bekommt der Stadtteil Luxelakes einen neuen, vielseitigen Treffpunkt. (Bild: MVRDV)

Dass die international tätigen MVRDV-Architekten gerne mit Farben, Formen und Grünzonen „spielen“, zeigen etwa auch Projekte wie „Strijp-S Tribune“ in Eindhoven, „La Serre“ unweit von Paris oder Mannheims Hochhaus „O“. Jeweils sowohl auf Kontext und Bedürfnisse der Nutzer, als auch auf Effizienz und größtmögliche Nachhaltigkeit fokussiert, wartet das renommierte Team immer wieder mit unkonventionellen Ideen auf.

So, wie jetzt im Fall der LuLa Light Mall, die das Konzept „Einkaufszentrum“ völlig neu denkt. Ein Termin für die Fertigstellung wurde bislang nicht genannt. Doch man darf davon ausgehen, dass Auftraggeber Chengdu Wide Horizon new town development co. LTD Freude am Ergebnis haben wird. Ebenso, wie Luxelakes-Anwohner und Besucher, die vom neuen Shopping-Center mehr erwarten dürfen, als einen geschlossenen, klimatisierten Konsumtempel herkömmlicher Art.

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: MVRDV

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