Das Maree House in Australien, entworfen von Circle Studio Architects, will seinen Nutzern und Bewohnern in erster Linie Freude machen – vom ersten Schritt über die Pflastersteine bis hin zum Blick vom Esstisch in den Pool. Prädikat: Spaßig!

Manche Häuser beeindrucken durch Größe, andere durch brutalistische Anklänge, wieder andere durch Minimalismus und radikale Reduktion. Das Maree House in Yarraville, entworfen von Circle Studio Architects, will nichts von all dem. Es will in erster Linie Freude machen. Und das tut es. Spürbar, fast in jedem Moment und fast sowas wie beiläufig – vom ersten Schritt über die Pflastersteine bis hin zum Blick vom Esstisch in den Pool.

Maree House: Eine einzige Einladung

Dieses Haus ist eine einzige Einladung: zum Leben, zum Spielen, zum Durchatmen. Bereits der Weg zum Eingang deutet an, dass hier andere Regeln gelten. Es herrscht das Spaß-Gesetz. Die unterhaltsame Reise beginnt schon vor dem Betreten des Hauses, mit der eigenwilligen, verrückten Pflasterung, mit einem subtil-kurvigen Design und einer Wendeltreppe, die mehr verspricht als reiner Aufgang zu sein.

Maree House
Das blaue Eingangstor und die warme Holzverkleidung lassen erahnen, dass das Maree House Fun-Factor bietet.

Die Fassade fügt sich zwar respektvoll ins Straßenbild ein – weiße Ziegel, gestrichene Latten, klare Volumen –, doch ein blaues Eingangstor und die warme Holzverkleidung lassen erahnen, dass sich hinter dieser Hülle ein Haus mit (lustigem) Charakter verbirgt.

Lebensqualität statt Repräsentation

Das Maree House ist das Zuhause einer Ärztin und ihrer Familie. Dennoch war von Beginn an klar, dass es nicht um Repräsentation, sondern um Lebensqualität gehen sollte. Die Architektinnen Yvonne Meng und Amber Lane formulierten das Ziel, „charakteristische Räume mit unterschiedlichen Zonen und Atmosphären zu schaffen und gleichzeitig einen fließenden Übergang zu gewährleisten“. Ein Anspruch, der sich durch das gesamte Projekt zieht – räumlich, materiell und emotional.

Maree House
Der Sportpool, der Star des Hauses, fließt fast ins Hausinnere über.

Zentraler Ausgangspunkt war ein Wunsch, der zunächst banal klingt, sich jedoch als architektonisch komplex erwies: ein Sportpool. Der Bauherr ist begeisterter Schwimmer, der Pool sollte täglich nutzbar sein und gleichzeitig ein visuelles Highlight bilden.

Ein Pool als Star

Die Lösung ist ebenso radikal wie elegant: Der Sportpool rückt bis an den Essbereich heran, fast so, als würde er direkt ins Haus hinein wollen. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Schwimmbecken eignet es sich für das Bahnenschwimmen. „Der Swimmingpool ist einer der Stars dieses Projekts“, sagt Yvonne Meng. Er endet in einer geschwungenen Kurve am Haus.

Maree House
Das Maree House ist ganz schön „kurvig“ gedacht und umgesetzt.

Maree House
Dies erzeugt Fluss – der gut zum Hobby Schwimmen passt.

Die Integration des Pools erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen Architektinnen, Bauingenieuren, Poolbauern und Landschaftsarchitektinnen. Strukturell sind Haus und Pool getrennt, die Hausplatte kragt über die Poolschale aus. Gebogene Terrazzo- und Mosaikfliesen kaschieren diese Nahtstelle und erzeugen einen bündigen, beinahe spielerischen Übergang zwischen Wasser und Architektur. Das Ergebnis wirkt selbstverständlich – und genau darin liegt seine Qualität.

Überhaupt sind es die Kurven, die dem Haus seinen unverwechselbaren Ausdruck verleihen. Sie mildern Kanten, erzeugen Fluss und prägen Details wie Stufen, Tischlerarbeiten oder die markante Steininsel in der Küche.

Maree House
Ein weiteres Highlight im Maree House: Das helle, weiß verflieste Badezimmer.

Die Farbpalette der Fassade setzt sich im Inneren fort: „Spotted-Gum“-Holz, ein natives australisches Hartholz, Terrazzoböden, weiße Ziegel und exquisite Pflasterung tauchen innen wie außen auf. Die Materialien schaffen eine visuelle Kontinuität, die das Haus zusammenhält.

Popkulturelle Farbwelt und Leichtigkeit

Farbe spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Der vordere Wohnbereich ist bewusst dunkel und stimmungsvoll gehalten, fast introvertiert. Im Kontrast dazu steht die hohe, lichtdurchflutete Bibliothek, ein ruhiger Rückzugsort mit Blick in den Garten. Rosa Akzente – etwa die ikonische Wendeltreppe, Einbauten oder maßgefertigte Tischlerarbeiten – setzen spielerische Kontrapunkte und verleihen dem Haus eine fast popkulturelle Leichtigkeit.

Maree House
Es finden sich etliche rosa Akzente im Haus – am augenscheinlichsten ist die ikonische Wendeltreppe, die hinauf zum Spielbereich der Kinder führt.

„Mein Lieblingsbereich des Hauses ist eindeutig die Bibliothek“, erzählt die Bauherrin. „Im ruhigen, lichtdurchfluteten Bereich können wir lesen, mit Blick auf Garten und Pool. Und erst der Kamin im Winter …!“ Diese persönliche Ebene ist im gesamten Haus spürbar. Architektur wird hier so richtig gerne bewohnt.

Die Grundrissorganisation ist dabei äußerst familienorientiert. Das Haus ist in Zonen gegliedert: Es gibt zentrale, „aufgeräumte“ Wohnbereiche und bewusst „unaufgeräumte“ Bereiche, diese sind Bereiche für Arbeit, Spiel und Rückzug.

Raum-Luxus für jeden

Jedes Familienmitglied verfügt über einen eigenen Raum, der bei Bedarf abgeschottet werden kann. Der Fernseher befindet sich im vorderen Bereich, der Spielbereich der Kinder im Obergeschoss, direkt neben einem großzügigen Balkon. Dieser wiederum ist über die rosa Wendeltreppe mit einem schattigen Innenhof verbunden – ein vertikales Kontinuum aus Bewegung, Licht und Farbe.

Maree House
Der vordere Wohnbereich ist bewusst dunkel und stimmungsvoll gehalten …

Maree House
… damit wirkt er fast introvertiert.

Ursprünglich war geplant, ein bestehendes Weatherboard-Cottage zu erweitern. Der Begriff „Weatherboard“ bezieht sich auf überlappende horizontale Bretter, die eine Oberfläche bedecken – in der Regel die Außenfassade eines Hauses. Obwohl sie traditionell aus Holz hergestellt werden, können Weatherboards heutzutage auch aus verschiedenen anderen Materialien gefertigt werden. Weatherboard-Häuser wurden in den 1850er Jahren in Australien eingeführt und wurden beliebt, weil sie leicht, wetterfest, einfach zu installieren, erschwinglich und ein natürlicher Isolator sind.

Doch rasch zeigte sich, dass dies weder wirtschaftlich noch energetisch sinnvoll gewesen wäre. Zudem führten unklare Grundstücksgrenzen und die Nähe zum südlichen Nachbargrundstück zu Verschattungsproblemen. Der Neubau ermöglichte eine präzisere Setzung des Volumens, verbesserte die Belichtung für alle Beteiligten und minimierte die Auswirkungen auf die Nachbarschaft durch gezielte Rücksprünge im Obergeschoss.

Im Kontrast zum dünkleren, vorderen Bereich des Hauses steht die hohe, lichtdurchflutete Bibliothek, ein ruhiger Rückzugsort mit Blick in den Garten.

Das Haus birgt etliche Überraschungsmomente … und wird auch von zwei Katzen bewohnt.

Nachhaltigkeit und Funktionalität müssen nicht im Widerspruch zu Wohnfreuden stehen. Das zeigt das Maree House deutlich. Gute Planung, klare Zonen, robuste Materialien und eine durchdachte Alltagslogik – etwa die offene Küche mit angeschlossener Waschküche – machen das Haus effizient und dadurch langlebig.

Die größte Stärke des Maree House liegt zweifellos darin: Es nimmt sich selbst einfach nicht zu ernst. Es ist warm, eigenwillig, bunt und kurvig – es trägt eindeutig die Handschrift der Bewohner. Ihre Persönlichkeit wurde von Circle Studio Architecture in Räume übersetzt. Was zeigt, dass Architektur nicht nur funktionieren darf, sondern auch „Freude in den Alltag bringen“.

Text: Linda Benkö
Fotos: Tatjana Plitt

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