Mediavaert
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Architektur als Medium

Mediavaert, der neue Hauptsitz von DPG Media in Amsterdam, zählt zu den weltweit größten Holz-Hybrid-Bürogebäuden. Der Konzern hat damit seine Unternehmensbereiche unter einem nachhaltigen Dach gebündelt.

Zur DPG Media gehören TV-Sender wie RTL Nederland, die Radiostationen Pop FM, Q-music Belgium sowie diverse Tageszeitungen und Zeitschriften. Der private flämische Medienkonzern zählt zu den größten Akteuren auf dem niederländischen und belgischen Medienmarkt.

Ein Medienbetrieb – insbesondere einer, der Print, Funk, TV und Online vereint – kann kein klassisches Büro sein. Nein, so ein Konzern ist ein hochdynamischer Organismus. Kommunikation, technologische Flexibilität und ein drängender Zeitfaktor greifen permanent ineinander.

Mediavaert Headquarter
Das Mediavaert Headquarter, ein Holz-Hybrid-Office von Team V entworfen, bietet Medienvielfalt unter einem nachhaltigen Dach.

Mit dem neuen Hauptsitz Mediavaert hat DPG Media alle seine Redaktionen, Radiostudios und Onlineportale unter einem Dach vereint und damit ein kraftvolles Zeichen gesetzt: für den eigenen Wandel, den Wandel in der Architektur sowie in der Arbeitskultur. Nachhaltigkeit, Transparenz und Kooperation werden in diesem Headquarter räumlich erfahrbar.

Vielfalt an Medien und Arbeitskulturen

Das Ergebnis der Planungen des Amsterdamer Büros Team V Architecture ist ein hochmodernes Medienzentrum. Es bietet Raum für kreative Kooperation ebenso wie Rückzugsorte für hochkonzentriertes Arbeiten. Das Medienhaus spiegelt einerseits die Dynamik der Branche wider und will gleichzeitig Ruhe und Orientierung vermitteln.

Dieser Rösselsprung ist nicht so einfach. Denn die unterschiedlichen Medien und Formate, Redakteure und Journalistinnen, Produzenten und Technikerinnen, Designer, Social-Media-Teams und Managerinnen arbeiten zwar Seite an Seite. Jedes der Teams hat jedoch unterschiedliche Arbeitsrhythmen und daher unterschiedliche räumliche Bedürfnisse.

Mediavaert
Die Architektur transportiert das, worum es bei DPG Media geht.

Printredaktionen benötigen ruhige, konzentrierte Arbeitsplätze und kurze Kommunikationswege zu Lektorat, Layout und Fotoredaktion. Radio und TV wiederum verlangen nach akustisch abgeschirmten Studios, Regieräumen und flexibler technischer Infrastruktur für Live-Sendungen. Wohingegen Online- und Newsrooms eine Art „Pulszentrale“ sind: offen, kommunikativ, mit schnellen Zugängen zu Daten, Bildern und Redaktionssystemen.

Visuelle Transparenz, vermittelt etwa durch Glastrennwände und Sichtachsen, spiegelt klassischerweise journalistische Offenheit wider. In Mediavaert ist diese Struktur architektonisch übersetzt: offene Treppen, Atrien und Lichtbrücken schaffen Sicht- und Bewegungsverbindungen zwischen Redaktion, Studios und Management. Vaert heißt auf Deutsch übrigens „Wirt“ oder „Gastgeber“.

Mediavaert, eines der größten Holz-Hybrid-Offices in Europa
Offene Treppen, Lichtbrücken und Lichthöfe führen Tageslicht tief ins Innere des Gebäudes.

Mediavaert
Alles in allem wird so eine kommunikative Topografie geschaffen, die den Arbeitsalltag rhythmisiert.

Medienhäuser gehören zu den technisch komplexesten Gebäudetypen überhaupt. Denn sie benötigen redundante Datennetze und Serverräume, schallgeschützte Studios mit komplexer Lüftungsführung, daneben variable Stromversorgung für Sende- und Lichttechnik sowie Kabeltrassen, Doppelböden, modulare Anschlüsse und vieles mehr.

Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit

Trotz dieser Dichte an Technik soll die Umgebung dennoch nicht zu sehr nach Maschinenraum aussehen. Moderne Medienhäuser lösen das mit hybriden Deckensystemen und intelligenter Gebäudesteuerung. Die Medienwelt ist heute in permanentem Wandel begriffen, die inneren Strukturen müssen dem folgen können. Ein Raum, der heute Redaktion ist, kann schon morgen ein Podcaststudio sein.

Dieses neue Mediengebäude zeigt, dass man mit nachhaltiger Holzbauweise etwas Außergewöhnliches schaffen kann – mit Fokus auf Gesundheit, Grünflächen und Tageslicht.

Do Janne Vermeulen, Direktorin von Team V Architecture

Darum ist Flexibilität oberstes Gebot: mobile Trennwände, modulare Möbel, softwarebasierte Haustechnik und Arbeitsbereiche, die sich von Großraum auf Projektteams anpassen lassen. Das Mediavaert-Gebäude setzt dies konsequent um: Über die Gebäudesteuerung lassen sich Klima, Beleuchtung und Datenpunkte neu konfigurieren – ohne bauliche Eingriffe.

Architektonische Gegenpole zu schnellen News

Ein hoher Aktivitätspegel kann rasch gesundheitlich belastend werden. Daher gibt es im Mediavaert ausreichend Ruhezonen, Licht und Naturbezug zum Durchatmen, Abstand gewinnen, Kreativität regenerieren. Es stehen den Mitarbeitenden auch Sportanlagen, Restaurants und eine Eventlocation am Wasser zur Verfügung. Die Innenarchitektur mit ihren warmen Holzoberflächen und der klaren Materialität vermittelt ebenfalls Ruhe und Natürlichkeit – ein bewusster Kontrapunkt zur schnellen, digitalen Welt des Journalismus.

Mediavaert
Wohlfühlfaktor im neuen Headquarter von DPG Media.

Der Baukörper ruht auf einem durchgehenden, begrünten Sockel und gliedert sich in drei geschwungene Volumen. Diese sind über Dachterrassen miteinander verbunden. Die begrünten Terrassen, Innenhöfe und Dachgärten bringen auch eine sinnliche Qualität in Gebäude und Aufenthalt ein. Diese organische Formensprache bricht bewusst mit der orthogonalen Strenge klassischer Bürobauten – und fällt umso mehr auf, als der Stadtteil Overamstel, Standort des neuen Headquarters, eher industriell geprägt ist.

Spiel aus Licht, Keramik und Grün

DPG Media wollte, dass auch das Gebäude selbst ein Statement über Kommunikation und Öffentlichkeit ist. Die Architektur strahlt wunschgemäß Transparenz, Dialog und gesellschaftliche Relevanz aus. Die organische Fassade mit ihrem changierenden Spiel aus türkisfarbenen, von Koninklijke Tichelaar gefertigten Keramikfliesen wirkt einladend. Sie symbolisiert ein offenes, vernetztes Medienverständnis statt eines abgeschotteten Machtzentrums der sogenannten vierten Gewalt.

Mediavaert
Die Räume sind flexibel adaptierbar. Das Objekt verfügt über intelligente Gebäudesteuerung.

Mediavaert
Die Decken bestehen aus einer modernen Holz-Beton-Verbundkonstruktion.

Die Tragstruktur von Mediavaert besteht aus einem hybriden Holzsystem mit rund 7.000 Kubikmetern Brettschichtholz und 25.500 Quadratmetern CLT-Platten. Die österreichische WIEHAG Timber Construction war für Planung, Produktion und Montage des gesamten Holzkonstruktion verantwortlich. Insgesamt wurden über 1.000 Stützen und Träger im Werk vorgefertigt, oberflächenbehandelt und just-in-time auf die Baustelle geliefert.

Industrieller Reifegrad des modernen Holzbaus

Die Decken bestehen aus einer modernen Holz-Beton-Verbundkonstruktion, bei der eine Betondruckschicht auf die Platten aufgebracht wird. Diese Technologie ermöglicht große Spannweiten bei gleichzeitig geringem Deckengewicht. Dank der präzisen Fertigung hielt sich auch die Bauzeit in Grenzen.

Das verwendete Holz speichert den Angaben zufolge über 7.600 Tonnen CO₂ – ein Wert, der den Emissionen von rund 37 Millionen Autokilometern entspricht. Damit trägt Mediavaert massiv zur Reduktion von Treibhausgasen bei.

Die Konstruktion ist zudem weitgehend demontierbar – ein Paradebeispiel für kreislauffähiges Bauen. Der integrale Entwurfsansatz – entwickelt in enger Kooperation mit Arup, DGMR, Delva Landscape Architecture und dem Bauträger Being – vereint Architektur, Tragwerksplanung, Haustechnik und Landschaft in einem schlüssigen Gesamtkonzept.

Auch die Gebäudetechnik folgt einem klaren Nachhaltigkeitsprinzip. Das Energiesystem kombiniert ein unterirdisches Wärme- und Kältespeichersystem mit Wärmepumpen und einer großflächigen Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Mit seiner Exzellenz-Zertifizierung nach BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Methodology) und zahlreichen Preisen – darunter der Architectenweb Award 2024 als „Bürogebäude des Jahres“ – gilt Mediavaert schon heute als wegweisendes Beispiel für nachhaltiges Bauen in Europa.

Mediavaert
Das neue Medienhaus spiegelt einerseits die Dynamik der Branche wider und will doch gleichzeitig auch Ruhe und Orientierung vermitteln.

Medienschaffende erkennen bei Mediavaert sofort: Ein Medienhaus funktioniert im besten Fall selbst wie ein Medium. Es verbindet Menschen, Räume und Informationen, macht Prozesse sichtbar, ohne sie zu stören, und übersetzt Dynamik in räumliche Klarheit. „Mediavaert kann zu Recht als Büro der Zukunft bezeichnet werden. Wir hoffen, dass Holz-Hybrid-Konstruktionen in dieser Größenordnung bald nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm sind“, betont Dirk Dekker, Mitbegründer von Being.

Text: Linda Benkö
Fotos: Ossip van Duivenbode


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