Wiedergeburt in Holz und Wasser
Komplexe Formen, natürliche Materialien und neuartige Gewebe prägten Nest for Reborn, den EXPO-Pavillon 2025 der Gastgeberstadt Osaka. Im geerdet-zukunftsweisenden Ambiente begegnete man dem eigenen Ich des Jahres 2050.
Mit ihrem futuristischen Pavillon Nest for Reborn hat die Gastgeberstadt Osaka anlässlich der EXPO 2025 zur Wiedergeburt eingeladen. Wie diese gelingen kann? Am besten umgeben von Holz und Wasser, legen Tohata Architects & Engineers nahe.
Anleihen bei Natur
Für die Gestaltung des Pavillons ließ sich das japanische Designbüro von Natur und Umgebung inspirieren: Wasser ist in Osaka allgegenwärtig. Zahlreiche Flüsse und Kanäle durchziehen die drittgrößte Stadt Japans. Als feiner Schleier fließt das kostbare Nass auch über das spezielle Membrandach des Nest for Reborn, um anschließend in einem Becken aufgefangen, gefiltert und nachhaltig wiederverwendet zu werden.
Regionales Holz diente wiederum als vorrangiger Baustoff für die Innen- und Außenflächen des Pavillons. Selbst die DNA-inspirierten Helixsäulen des Atriums bestanden aus dem Naturmaterial, wobei es eine der größten Herausforderungen war, die geschwungene Form zu realisieren. Schließlich kamen flache Elemente zum Einsatz, was eine ebenso ästhetische wie wirtschaftliche Umsetzung der Doppelhelixstruktur möglich machte.
Innovation und 3D-Simulation
Um das natürlich einfallende Licht entsprechend zu filtern und zu streuen, setzten Tohata Architects & Engineers auf ein neuartiges Material: Aus recyceltem Zellstoff entstand ein textilähnliches Gewebe. In Bannerform implementierte flexible Solarzellen der nächsten Generation machen die Sonnenenergie nutzbar. Diese Zellen auf Perowskit-Basis sind nicht nur extrem dünn und leicht, sondern haben auch einen höheren Wirkungsgrad als die aktuell gängigen Silizium-Module.
Das Atrium des Pavillons strahlt, mit seinem durch das Membrandach sanft gefilterten Licht und dem Duft des umgebenden Holzes, trotz seiner Größe eine behagliche Atmosphäre aus. Auch die organischen Formen tragen zu dieser Stimmung bei.
Sowohl das Atrium als auch die Ausstellungsbereiche des Gebäudes verfügen über elliptische Grundrisse, die einander überlagern. Sanfte Rampen sorgen für eine kontinuierliche Verbindung. Dieses inklusive Raumkonzept mit nahtloser Wegeführung ermöglicht es allen Gästen, denselben Ausstellungsparcours zu erleben.
Die Umsetzung der zahlreichen komplexen Formen gelang dem Designbüro mittels computerbasierter Entwurfsmethoden. So wurden etwa für die gekrümmten Segmente des Membrandachs Kugeln mit unterschiedlichen Radien zugeschnitten. Außerdem halfen die digitalen 3D-Modell dabei, den Wasserschleier und die Umweltbedingungen vorab zu simulieren.
Zukunftsfitte Lösungen
Der Pavillon entstand anlässlich der EXPO 2025. Unter dem Motto „Designing Future Society for Our Lives“ hat sich die Weltausstellung im japanischen Osaka mit den globalen Herausforderungen der Menschheit auseinandergesetzt.
Die Gastgeberstadt selbst lud mit ihrem Nest for Reborn dazu ein, die Zukunft von Ernährung und Gesundheitsversorgung zu entdecken. So konnte man etwa dem eigenen Ich des Jahres 2050 begegnen. Als Basis dafür diente ein eigens erstellter persönlicher Gesundheitsdatensatz.
Nach 1970 war dies die zweite Weltausstellung in Osaka und ihr konkreter Standort ein besonderer: Das EXPO-Gelände 2025 liegt auf dem etwa 390 Hektar großen menschgemachten Eiland Yumeshima. Die in der vorgelagerten Bucht gelegene „Trauminsel“ (so die deutsche Übersetzung von Yumeshima) entstand aus Sand und Kies, der im Laufe der Jahrzehnte bei Bauarbeiten innerhalb Osakas angefallen ist.
Nach dem Ende der EXPO sollen bewegliche und verbaute Ressourcen, die nicht an Ort und Stelle weitergenutzt werden, nun im Sinne der Nachhaltigkeit wiederverwendet werden. Um Angebot und Nachfrage entsprechend miteinander zu verknüpfen, wurde ein „Reuse Matching Project“ ins Leben gerufen.
Text: Barbara Seemann
Bilder: Tomoyuki Kusunose und Tohata Architects & Engineers






