Wo Wissen zu Hause ist
Im Stockholmer Stadtteil Slussen entsteht mit dem Nobel Center ein Haus für Wissenschaft, Literatur und Friedensarbeit. David Chipperfield Architects setzen dabei auf Holz im historischen Ziegelgewand.
Schwarze Löcher, medizinische Durchbrüche, Armutsbekämpfung, Friedenssicherung: Die großen Fragen der Menschheit werden in Stockholm künftig unter einem gemeinsamen Dach verhandelt. Mit dem Nobel Center entsteht in der schwedischen Hauptstadt jedoch kein wissenschaftlicher Elfenbeinturm. Geplant ist ein öffentlich zugängliches Haus für alle, die unsere Welt verstehen wollen – egal, ob Schulkind, Nobelpreisträgerin, Wissenschaftler, Studierende oder interessierter Tourist.
Haus am Wasser
Das Nobel Center wurde von David Chipperfield Architects Berlin entworfen. Ab 2027 entsteht es entlang des Stadsgårdskajen an der Stockholmer Schleusenanlage Slussen. Der Stadtteil wird derzeit im Rahmen eines Masterplans des britischen Büros Foster + Partners neu entwickelt.
Das Nobel Center soll in Stockholm ab 2031 als Erweiterung des öffentlichen Raums fungieren: transparent und offen, mit Eingängen nach Norden und Süden sowie einem öffentlichen Foyer samt Geschäftslokal und Restaurant. Die Terrasse vor dem Eingang sowie die offenen Dachterrassen mit beeindruckendem Blick auf die umliegenden Gewässer haben das Potential, neue Lieblingstreffpunkte in der schwedischen Hauptstadt zu werden.
Wohl aufgrund der Tatsache, dass das Projekt im ersten Anlauf an anderer Adresse scheiterte, wird in Slussen nun besonderer Wert auf ein harmonisches Miteinander zwischen Nobel Center und historischem Stadtbild gelegt. Die ineinander übergehenden Gebäudeteile nehmen Bezug auf die Kaufmannshäuser der Altstadt. Aber auch in der Materialwahl für die Fassade spiegelt sich die örtliche Baukultur wider: Gebrauchter roter Backstein erhält ein zweites Leben und strahlt – passend zum Nobelpreis – Würde und Beständigkeit aus.
In einer Zeit, in der Expertise und fundierte Debatten wichtiger sind denn je, hoffen wir, dass das Nobel Center als widerstandsfähiger Ort des Wissens und des Austauschs bestehen wird.
David Chipperfield, Architekt
Die Tragstruktur des Nobel Centers wird wiederum überwiegend aus Holz gefertigt. Nachhaltigkeit spielt auch hinsichtlich der infrastrukturellen Anbindung des Standorts eine wichtige Rolle: Besucher erreichen die künftige Museumspromenade mit öffentlichen Verkehrsmitteln ebenso wie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Boot.
Erhellende Architektur
Im Inneren des Gebäudes dominieren Licht und Wärme. Gezielt gesetzte Öffnungen schaffen tageslichtgeflutete Ruheinseln. Von dort fällt der Blick auf die Stadt mit ihrem Schärengarten. Große, nach Norden ausgerichtete Fenster heben im obersten Geschoss bedeutende Bereiche hervor und machen die Aktivitäten des Nobel Centers nach außen sichtbar. „In einer Zeit, in der Expertise und fundierte Debatten wichtiger sind denn je, hoffen wir, dass das Nobel Center als widerstandsfähiger Ort des Wissens und des Austauschs bestehen wird“, so Architekt David Chipperfield.
Räumlich wird dieser Austausch dank eines Auditoriums für wissenschaftliche Symposien, Vorträge und verschiedenste kulturelle Veranstaltungen möglich. Außerdem bietet das Nobel Center Platz für große interdisziplinäre Treffen im Zusammenhang mit dem Nobelpreis.
Letzterer geht auf das Testament des schwedischen Chemikers und Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Dessen klare Vision: zum größtmöglichen Nutzen der Menschheit zu wirken. Bereits seit 1901 ehrt der Nobelpreis Menschen in Wissenschaft, Literatur und Friedenssicherung, die genau diesem Anspruch gerecht werden. Sie alle haben durch ihre Leistungen die Welt verändert.
Was heute unmöglich erscheint, kann morgen möglich werden. Unser Ziel ist es, diese Kraft mehr Menschen zugänglich zu machen.
Hanna Stjärne, Geschäftsführende Direktorin der Nobel-Stiftung
Mit dem Nobel Center bekommen die Geschichten Alfred Nobels und der Preisträger nun ein eigenes Zuhause. „Die Leistungen der Nobelpreisträgerinnen und -preisträger zeigen, wie Wissen unsere Welt verändern kann. Was heute unmöglich erscheint, kann morgen möglich werden. Unser Ziel ist es, diese Kraft mehr Menschen zugänglich zu machen“, macht Hanna Stjärne, Geschäftsführende Direktorin der Nobel-Stiftung, Mut zu Optimismus und Innovationsgeist.
Die Kosten des Projekts werden sich auf in etwa 2,5 Milliarden Schwedische Kronen (rund 236 Mio. Euro) belaufen und von der Erling-Persson-Stiftung, der Knut-und-Alice-Wallenberg-Stiftung sowie der Nobel-Stiftung getragen.
Text: Barbara Seemann
Bilder: Nanaka Adachi, David Chipperfield Architects, Alexander Mahmoud, Clément Morin, Onirism, Nobel Prize Outreach, The Nobel Foundation






