Neuer Kultur-Hotspot für Wien
Österreichs für Geschichte und Kultur berühmte Bundeshauptstadt wird um eine moderne Spielstätte reicher: Das Theater im Prater – ein innovativer Neubau, dessen Architektur ökologisches Bewusstsein, Inklusion und Kulturgenuss verbindet.
Der Spatenstich ist bereits erfolgt: Ende 2027 soll ein neues Musical-Theater im legendären Wiener Vergnügungspark, dem Prater, seine Pforten öffnen. Mit 1.800 Sitzplätzen und internationalen Produktionen im Programm. Was das Theater im Prater allerdings besonders spannend macht, ist seine Architektur. Denn das gemeinsam vom österreichischen Büro Dietrich Untertrifaller (DTFLR) und den Londoner Kulturbauspezialisten Haworth Tompkins konzipierte Gebäude fokussiert auf Umwelt- und Menschenfreundlichkeit. Mit viel Holz, modernster Technik – und dem Ziel, auch im Betrieb den kleinstmöglichen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.
Britische Expertise
Das neue Theater im Prater gilt als das größte privat finanzierte Theaterbauprojekt Österreichs der vergangenen 100 Jahre und soll pro Jahr rund 157 Millionen Euro an Wertschöpfungseffekt bringen. Bauherr ist das britische Unternehmen ATG Entertainment, das – gemeinsam mit Wiener Partnern – auch als Betreiber fungieren wird. ATG führt weltweit bereits 71 Theater. Und weil dazu so erfolgreiche Spielstätten wie Bochums Starlight Express Theater, der Berliner Admiralspalast und Londons Piccadilly Theatre zählen, kann davon ausgegangen werden, dass hinlänglich Erfahrung in den Plänen steckt.
Qualität würdigt Vergnügungspark
Der Entwurf für den Neubau geht geschickt auf die spezielle Atmosphäre des großen Vergnügungsareals ein, in dem das Projekt errichtet wird. Tom Gibson, Associate Director bei Haworth Tompkins, schildert zur Entstehung des Konzepts: „Wir waren fasziniert vom mechanischen, fast maschinenartigen Charakter einiger Fahrgeschäfte. Diese Eindrücke flossen in die Architektur ein.“
Dementsprechend angenehm fügt die Formgebung das Gebäude ins Umfeld ein. Die Holzlamellen-Fassade, die das Oval umgibt, wirkt einladend und freundlich. Tagsüber von auf den Prater abgestimmten Farben dominiert, verwandelt die Beleuchtung die Spielstätte am Abend in einen glamourösen Blickfang. In ein neues, zusätzliches Highlight des beliebten Wiener Freizeit- und Vergnügungs-Areals.
Mit Holz & Riesenrad-Inspiration
Auch das Foyer passt gut in diesen vielfältig bunten Entertainment-Park. Es ruht auf einer radialen Holz-Struktur und sein Design ist vom Riesenrad inspiriert: Von einem Wahrzeichen der Stadt, das zugleich Haupt-Attraktion des Praters ist und dessen Bild unzählige Postkarten ziert.
Im Inneren begrüßt die Gäste eine geschwungene Bar. Rot markierte Zugänge weisen den Weg zum Saal. Und die Anordnung der kleinen Bars, der Sitzbereiche und Garderoben ist wohlüberlegt. So, dass entspannte Bewegung im Gebäude möglich ist und Wege durchs Haus möglichst kurz bleiben.
Gekonnte Inszenierung
Eine Lounge auf der oberen Ebene eröffnet freien Blick aufs Haupt-Foyer. Die so genannte Drum Wall des Zuschauerraums bildet einen strukturierten Hintergrund. Skulptural gestaltete Treppen werden die Bewegungen des Publikums auch von außen sichtbar machen. Dadurch soll, wie Architekt Gibson schildert, schon der Weg in den Zuschauerbereich zur „kleinen Inszenierung“ werden. All dies nicht ohne das Umfeld zu würdigen: Mit der Lounge und den oberen Foyer-Ebenen verbundene Außenterrassen bieten Ausblick über den Prater.
Der Entwurf der Büros DTFLR und Haworth Tompkins geht auch auf andere, für Wien typische Elemente ein. Zum Beispiel bei der Gestaltung des großen Saals, der das Herz des Projekts bildet. Hier holten sich die Architekten Inspiration bei historischen Wiener Sälen und den kreisförmigen Strukturen des Prater-Areals: Die Sitzreihen umschließen die Bühne so eng wie möglich und sorgen so für ein intimes Erlebnis. Oder, wie Gibson in einer Präsentationspublikation zitiert wird: „Kein Platz ist zu weit weg – jede Sichtlinie wurde sorgfältig überprüft.“
Spiel mit Klang & Licht
Ein akustisch transparentes Metallgewebe vor den Balkonen stellt sicher, dass sich der Klang ungehindert im Raum entfalten kann. Seitenwände aus gebeiztem Holz werden sanft im Saallicht leuchten. Und deren Farbe werde sich, so Gibson, an die Atmosphäre der jeweiligen Produktion anpassen lassen.
Ziel: Effizienz auf allen Ebenen
Große Bedeutung soll, wie der Architekt verlautet, zudem den Servicebereichen zukommen. Sowohl in den Foyers als auch im Zuschauerraum werde es Aufenthaltszonen für die Gäste geben. Und um effiziente Ausschank zu garantieren, ist ein zentraler Versorgungsbereich am hinteren Ende des Saals geplant.
Im neuen Theater im Prater soll es natürlich auch den Künstlern an nichts fehlen. Ihnen ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen ist deshalb essenzieller Teil der Pläne. Die Garderoben und Büros des Neubaus sollen bestens mit Tageslicht und Frischluft versorgt werden. Die Holzlamellenwand an der Südseite des Gebäudes verspricht natürliche Verschattung und verschafft den Räumen private Atmosphäre.
London-Wien-Kooperation fürs Theater im Prater
„Der Weg bis zur Eröffnung ist anspruchsvoll“, betont Gibson. Gemeinsam mit dem lokalen Partner DTFLR werde man die Entwürfe kontinuierlich weiterentwickeln und alle strengen Bau- und Sicherheitsvorschriften Österreichs erfüllen. Dass das Team es mit vielen Vorgaben zu tun hat, liegt auch an Besonderheiten des Standorts, wie DTFLR Projektleiterin-Associate Christina Kimmerle schildert: „Der Prater ist wie eine Stadt in der Stadt. Rechtlich gehört er der Stadt Wien, wird aber von der Prater Wien GmbH geführt.“ Spezielle Hausregeln, wie etwa Baustellen-Anlieferung nur zu bestimmten Zeiten, sind also zu befolgen.
Das Wiener Architekten-Team ist unter anderem für die lokale Expertise und den Blick auf Bauzeit, Kosten, Vorschriften und Umsetzung der gewünschten Qualität zuständig. Kimmerles Ziel: Ein Haus, das Publikum und Künstler gleichermaßen begeistert. Eines, das zum Wiederkommen lockt, weil es mehr als einen Theaterbesuch bietet: „Ein Stück Wien, ein Stück Prater“. Und eines, das wirklich allen Besuchern Freude macht, ohne dabei die Umwelt zu belasten. Um all dies zu gewährleisten, haben die Planer von DTFLR und Haworth Tompkins neben größtmöglicher Barrierefreiheit auch höchsten Wert auf Nachhaltigkeit gelegt.
Große Events, kleiner CO2-Fußabdruck
Die Holzstruktur des Foyers zum Beispiel sei „nicht nur warm und einladend“. Sie reduziere – im Vergleich zu Beton oder Stahl – auch den CO2-Fußabdruck des Bauwerks deutlich. Und, wie Kimmerle betont: „Die thermische Hülle ist hochperformativ und bildet die Grundlage für ein nachhaltiges Gebäude. Durch die Verbindung zu Fernkälte und Fernwärme werden zudem die Produktionsstätten für Heizung und Kühlung getrennt, was die Effizienz steigert.“
Auch das Gründach und die vorgesehenen Photovoltaikanlagen, die das Theater im Prater bekommt, spielen hier eine wichtige Rolle. Und auch aufs ökologische Umfeld wird geachtet: Pflanzungen und das Prinzip der Schwammstadt sorgen dafür, dass Regenwasser versickert und das Mikroklima verbessert wird.
Urbane Räume durch verbindende Veranstaltungszentren zu bereichern ist ein Ziel, das auch andere spannende neue Projekte verfolgen. So etwa MVRDVs Entwurf für den Grand Ballroom in Tirana oder Snøhettas Pläne für Düsseldorfs neue Oper. Das Theater im Prater mag deutlich kleiner dimensioniert sein, erhält jedoch durch seinen Standort besondere Bedeutung.
Neues Highlight im historischen Herzen
Schließlich ist der Wiener Prater ein Ort mit unverwechselbarer Identität und ein zentral gelegenes, rund um die Welt bekanntes Wahrzeichen. Ein Ort, der für Geschichte und Lebensfreude der österreichischen Bundeshauptstadt steht. Und einer, zu dem eine moderne, menschen- und umweltfreundliche Bühne ebenso perfekt passt, wie die Aussicht auf exzellente Kulturerlebnisse, die zu freudvoller Begegnung laden.
Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: Haworth Tompkins, dematerial





