Fassade des Grand Egyptian Museum als Zeichnung der Architekten Heneghan Peng
#architektur

Ägyptens neue Mega-Pyramide

Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen: Ein monumentales Kunstwerk moderner Architektur, das Ägyptens großer Geschichte eine überwältigende Bühne bieten wird.

 

König Ramses II hat keine Eile mehr – im Gegensatz zu den Errichtern seines neuen Palastes. Die elf Meter hohe und über 80 Tonnen schwere Statue des 1213 v.Chr. verstorbenen Pharaos thront bereits da, wo sich täglich um die 15.000 Besucher tummeln sollen: Im Grand Egyptian Museum (GEM) neben den Pyramiden von Gizeh, dessen Eröffnung ursprünglich für 2018 geplant gewesen war. Jetzt fiebert alles dem großen Tag im Jahr 2020 entgegen, an dem das Mega-Projekt tatsächlich seine Pforten öffnen soll.

Der vom Dubliner Architekturbüro Heneghan Peng konzipierte Gebäudekomplex liegt direkt bei den Pyramiden von Gizeh. Die Fassade aus Glas und Stein erstreckt sich über eine Länge von nahezu einem Kilometer. Von den Pyramiden inspiriert, wirkt sie selbst wie ein riesiges Pharaonengrab – wenn auch ein futuristisches.

Imposante Dimensionen

Bei Heneghan Peng sieht man den Museumskomplex als dreidimensionale Struktur, beschrieben durch die visuellen Achsen zu den drei Pyramiden, die den Rahmen bilden. Das Design nützt die Höhenunterschiede, um dem Plateau eine „neue Ebene“ hinzuzufügen – eine Oberfläche aus transparentem Stein, die sich mit Tag und Nacht verändert.  

Vom imposanten Atrium führt eine spektakuläre Treppe mit dem Royal Image, das über 90 Großskulpturen umfasst, hinauf in den Ausstellungsbereich. Oben eröffnet sich atemberaubende Aussicht auf die nahen Pyramiden. Über 50.000 Exponate werden hier die Faszination ägyptischer Archäologie präsentieren – auf einer Gesamtfläche von mehr als 90.000 Quadratmetern.

Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen
Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen

 

Die Gestaltung der Ausstellung obliegt dem Stuttgarter Atelier Brückner. Die renommierten Szenografen haben sich vorgenommen, auf den 40.000 Quadratmetern reiner Ausstellungsfläche siebentausend Jahre ägyptischer Geschichte chronologisch erlebbar zu machen. Eine Zeitreise zwischen winzigen und riesigen Exponaten, durch lichtdurchflutete Räume mit um die 17 Meter hohen Decken und an die 200 Meter Länge.

Die weitläufigen Galerien werden die Besucher in die Geschichte der Pharaonen und die Zeit der Hochkultur Ägyptens eintauchen lassen – mit Hauptwerken vom Beginn der altägyptischen bis zur griechisch-römischen Zeit. 

Wir fühlen uns sehr geehrt für das Vertrauen in unsere fachliche Kompetenz und genauso motiviert, eines der wichtigsten Museen der Welt zu gestalten.

Prof. Uwe Brückner

 

Auch der sagenumwobene Grabschatz des Tutanchamun aus dem Tal der Könige wird hier zu sehen sein. Und er wird erstmalig komplett gezeigt: Auf einer Fläche von 7500 Quadratmetern werden über 5000 Objekte in Szene gesetzt. Etwa 3000 davon wurden noch nie zuvor ausgestellt. Vorgesehen ist überdies ein begehbares Modell der ganzen Grabkammer aus dem Tal der Könige – in Originalgröße und mit aufwändigen technischen Installationen.

Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen
Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen

Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen
Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen

 

Das Grand Egyptian Museum gilt als das derzeit größte Museumsbauprojekt der Welt. Das irische Architekturbüro Heneghan Peng setzte sich im 2002 ausgeschriebenen Wettbewerb gegen 1576 Konkurrenten aus 83 Ländern durch und erhielt 2003 den Zuschlag. Der Komplex umfasst das Hauptgebäude mit Museums- und Konferenzzentrum, Stützwände und Haltestrukturen, Nebengebäude mit Restaurants, Parkplätze und ausgedehnte Gartenanlagen.

Rund eine Milliarde Dollar

Die Grundsteinlegung erfolgte bereits 2005. Die große Reise der Ramses-Statue von Kairo nach Gizeh wurde 2006 wie ein Volksfest gefeiert. Doch die Revolution 2011 bremste den Baufortschritt erheblich und aus der 2018 geplanten Eröffnung wurde nichts. Auch die anfangs veranschlagten Gesamtkosten von 550 Millionen US-Dollar erwiesen sich als unhaltbar. Darauf wies der zuständige Minister Khaled El-Enany schon Ende 2017 hin: Inzwischen sei mit einer Summe von einer Milliarde zu rechnen. 75 Prozent davon kommen demnach von japanischen Kreditgebern, der Rest von internationalen Organisationen, Spendern und ägyptischen Behörden.

Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen
Das Grand Egyptian Museum nahe der Pyramiden von Gizeh soll 2020 eröffnen

 

Teile der Anlage sind mittlerweile längst fertiggestellt. Im Conservation Center, das als eine der modernsten Restaurierungswerkstätten der Welt gilt, bemühen sich Spezialisten bereits darum, Exponate und Mumien in Bestzustand zu bringen. Die Fülle und Besonderheit der hier präsentierten Kunstschätze fasziniert Archäologen und Wissenschafter ebenso wie interessierte Laien. Man kann also ruhigen Gewissens mit hohen Besucherzahlen rechnen. Tarek Tawfik, seit 2014 Generaldirektor des Grand Egyptian Museum, formuliert seinen Wunsch für die Zukunft des GEM in Interviews gern so: „Wir wollen, dass dieser Ort eine Pyramide der Neuzeit wird!“ Pharaonische Dimension hat das Projekt auf jeden Fall.

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: Heneghan Peng Architects und Atelier Brückner

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