In Shenzhens urbaner Resort-Unterkunft MeeHotel spielt Bambus die Hauptrolle. Die Panorama Design Group entführt gestresste Geschäftsreisende in einen entspannenden Bambuswald, in dem sie von der Hektik der Millionen-Metropole abschalten können.

Bambus ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein spannendes Gewächs: Botanisch gesehen gehört Bambus zu den Gräsern und nicht zur Gruppe der echten Gehölze. Zudem zählt es zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt. Das kompostierbare Material ist wegen seines überwiegend hohlen Aufbaus besonders leicht. Und der Naturbaustoff vereint angeblich die Druckfestigkeit von Beton mit der Zugfestigkeit von Stahl.

All das macht Bambus zu einem idealen Baustoff. Und tatsächlich hat dies in Südamerika, Afrika, vor allem aber in Südostasien eine lange Tradition. Obwohl Bambus dort vielfach noch als Baumaterial der Armen gilt, erkennen immer mehr Architekten vor allem unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit das immense Potenzial.

MeeHotel: Urbanes Resort-Hotel zum „Runterkommen”

Abgesehen davon aber lassen sich mit Bambusstäben und -fasern äußerst dekorative Gegenstände fertigen. Das Bambusweben ist in China eine uralte kulturell überlieferte Technik. Dieses traditionelle Handwerk ist ebenfalls für das Baugewerbe interessant, wie etwa das neu eröffnete MeeHotel, ein urbanes Resort-Hotel in der chinesischen Stadt Shenzhen, zeigt.

die Skizzen der Designer der Panorama Design Group
Erste Entwürfe und Skizzen des MeeHotels in der chinesischen Millionen-Metropole Shenzhen.

die Skizzen des MeeHotels
Bambus als sehr biegsames Material ist gestalterisch sehr vielfältig.

Es ist kein Wunder, dass das Designteam den Projektstandort auf „Bamboo Forest“, Bambuswald, getauft hat. Denn die Panorama Design Group mit Sitz in Hongkong hat Bambus als Schlüsselmaterial für das MeeHotel gewählt – und setzt darauf, dass Geschäftsreisende dank des angenehmen Interieurs von der Hektik der Millionen-Metropole Shenzhen und ihren beruflichen Herausforderungen wieder „runterkommen”.

der Plan der Rezeption des MeeHotels auf dem Papier
Der Plan der Rezeption des MeeHotels auf dem Papier.

Raffinierte Licht- und Schatteneffekte

Bereits in der Lobby werden die Hotelgäste mit raffinierten Licht- und Schatteneffekten an der Hauptwand begrüßt. Vor Ort wurden verschiedene Tests und Experimente mit traditionellen Bambuswebern durchgeführt, um raumhohe Paravents und Bambuswände zu schaffen. Diese umhüllen die Rezeption und die Loungebereiche der Lobby.

Indem wir die einzigartige Qualität von Bambus von der architektonischen Ausstattung bis zum Interior Design zelebrieren, ermöglichen wir auch Geschäftsreisenden, die Schönheit traditioneller Handwerkskunst zu schätzen.

Panorama Design Group

Die Rezeption des MeeHotel
Mit traditionellen Bambuswebern hat die Panorama Design Group verschiedene Tests und Experimente vor Ort durchgeführt.

Die Eingangshalle des MeeHotel
So wurden dann die originellen und heimeligen raumhohen Paravents und Wände ganz aus Bambus möglich.

Das Licht- und Schattenspiel zeigt sich an der schrägen Decke und der mit natürlichem Kieselgur, einer weißlichen, pulverförmigen Substanz, die hauptsächlich aus den Schalen fossiler Kieselalgen besteht, belegten Wand. Die Innenräume kombinieren beruhigende Naturtöne, organische Formen, Holz-, Stein- und Marmorelemente. So entsteht ein erholsames, minimalistisches Ambiente.

Ein traditionelles Bau- und Gestaltungsmaterial wie Bambus kann eine ästhetische, funktionale und kulturelle Bereicherung für das in China allzu häufig sehr geschäftige Stadtleben darstellen.
Leichtigkeit mit Bambus im MeeHotel
Raumhohe Paravents und Wände aus leichtem Bambus …

Von der Lobby bis zur obersten Etage ist das MeeHotel ein Gegenpol zur hektischen Stadt. Hier kommen die Gäste zur Ruhe und entwickeln neues Verständnis für traditionelles Handwerk.
… inspiriert vom Bambuswald, um einen ruhigen, naturnahen Ort zu konzipieren.

Auf jeder zweiten Etage wurden zentrale Innenhöfe in doppelter Höhe angelegt. Von der Decke hängen Bambusinstallationen wie schwebende Ranken oder Wolken herab. Für die geschwungenen Strukturen, die sich die natürliche Elastizität des Bambus zunutze machen, hat die Panorama Design Group unter der Leitung des Gründers Horace Pan auf das Fachwissen von Bambusmeistern zurückgegriffen. So haben die Besucher das Gefühl, durch einen – wenngleich abstrakten Bambuswald – zu gehen, bevor sie in ihr Zimmer gelangen.

Zentrale Innenhöfe mit Bambus-Installationen.
Erfindungsreichtum mit Bambus
Erfindungsreichtum mit Bambus.

Zimmerbelegung im obersten Stock plus Sky Café.
Bei der Gestaltung des Interieurs im MeeHotel wurde auf die Expertise von traditionellen Bambuswebern zurückgegriffen
Bei der Gestaltung wurde auf die Expertise von traditionellen Bambuswebern zurückgegriffen.

Poetisches Nachterlebnis im Sky Café

Im obersten Stockwerk befindet sich das meditative Sky Café, ein Zen-Lounge-Bereich in einer Bambusstruktur in voller Höhe mit einer Kathedraldecke. Man kommt sich darin vor wie in einem beruhigenden, waldähnlichen Kokon.

Ein Oberlicht lässt tagsüber natürliches Licht in die Mitte des Sitzbereichs fallen. Nachts erinnern die von der Decke hängenden runden LED-Leuchten an eine Reihe von endlos leuchtenden Monden.

Lauschige Lounge und meditatives Sky Cafe im Zen-Style
Die hintereinander aufgehängten LED-Lampen erinnern an leuchtende Monde in Serie.

Im MeeHotel gibt es lauschige Lounges und das meditative Sky Cafe im Zen-Style
Das meditative Sky Cafe im Zen-Style ganz oben mit der beeindruckenden Kathedraldecke.

In den Hotelzimmern selbst findet sich gleichsam als Echo repetitiv an den Bettenden das gleiche Muster aus Bambus und Rattan gefertigt wie in der Lobby, natürlich mit anderen Breiten und Dicken. Das indirekte Licht soll den Gästen eine friedvolle Stimmung und gleichzeitig elegante Atmosphäre bieten.

In den Zimmern im MeeHotel wird die Struktur an der Hauptwand der Rezeption wiederholt
In den Zimmern im MeeHotel wird beim Betthaupt die Struktur an der Hauptwand der Rezeption wiederholt.

buchtipp
„Booming Bamboo”

Man kann Bambus weben, laminieren, zu Stoff spinnen und sogar 3D-Drucke damit herstellen. Bambus ist eines der vielseitigsten Materialien der Welt und kann fast überall eingesetzt werden: Im Bauwesen, Transport, in der Architektur, Verpackung, Mode.
In der Welt des Designs ist er aber noch unterrepräsentiert.
Angesichts von Klimawandel und Ressourcenverknappung könnte der extrem unterschätzte Werkstoff künftig eine größere Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Kreislaufwirtschaft spielen.
Experte Pablo van der Lugt bietet spannende Einblicke: „Booming Bamboo”, ISBN: 978-90-827552-0-6, 208 S., 1. Ausgabe 2017, Verlag Materia

Zahlreiche Awards für die Panorama Design Group

Die 2003 gegründete Panorama Design Group will mit ihren inszenierten Raumerlebnissen Geschichten erzählen. Die Projektkategorien des Unternehmens mit Hauptsitz in Hongkong und lokalen Büros in China umfassen Hotels, Immobilienentwicklung, Food & Beverage, Einzelhandel, Schulen etc. sowie Gesundheit und Wellness.

Das Unternehmen hat mehr als 150 internationale Designpreise erhalten, darunter 2016 den IDA Design Award „Interior Design of the Year”, 2021 den Red Dot Award „Best of the Best”, 2022 die HKDA Global Design Awards „Hong Kong Best” und 2022 die Architizer A+Awards „Best Interior Design Firm”.

Kombination mit digitalen Entwürfen

Mittlerweile beschäftigen sich immer mehr asiatische und auch europäische Architekten, unter anderen Donn Holohan, mit dem ressourcenschonenden und traditionsreichen Material Bambus. Sie kombinieren die uralten Webtechniken mit digitalen Entwurfsmethoden.

Ein Vorzeigeprojekt für das Bauen mit Bambus ist die „Green School” auf Bali mit dem Zubau „The Arc”: Der Spezialist Ibuku schaffte mit der innovativen Bauweise ein Maximum an Stabilität bei einem Minimum an Material.

Text: Linda Benkö
Fotos: MeeHotel, GD Médias, Popo Vision

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