Vor der südkoreanischen Küste wird eine Ölbohrinsel in ein futuristisches Leuchtturm-Hotel umgewandelt. Die zentralen Themen sind Nachhaltigkeit und erneuerbare Energie. Das Ergebnis ist ähnlich spektakulär wie die Spielfilme der „Transformers“-Reihe!

 

Eine der Schwierigkeiten für innovative Stadtplaner und Architekten ist die Integration erneuerbarer Energien in die vorhandene Infrastruktur. Aber einige Architekten gehen mit einer nahezu spielerischen Findigkeit an die Aufgabe heran. Ein Beispiel dafür ist das Leuchtturm-Hotel.

Das in Peking ansässige Unternehmen Margot Krasojević Architecture hat im Vorjahr den Entwurf dazu veröffentlicht. Dabei wird eine bereits existierende Ölbohrinsel an der südkoreanischen Küste nahe der Insel Jeju in ein futuristisches Leuchtturm-Hotel umgewandelt.

 

Die organisch fließende Form ist mit schwenkbaren Turbinen ausgestattet. Diese werden über einen Drehrad-Mechanismus optimal auf die Wellenrichtung justiert – das heißt so gekippt, gesenkt und gedreht, sodass eine optimale Energiegewinnung sichergestellt sein soll.

innovation: lighthouse hotel

lighthouse hotel

Wer bucht so etwas wie das Leuchtturm-Hotel?

Angesichts des zunehmenden Umweltbewusstseins und des breiten Spektrums an Themen von Urlaubsreisen, die heute buchbar sind, können Gäste experimentieren und sich als Abenteurer oder Entdecker erfahren, ist man bei Margot Krasojević Architecture überzeugt. Die Hotellerie müsse mithalten. Das Tourismus- und Gastgewerbe müsste sich selbst laufend neu erfinden, um eine „typologische Redundanz” zu vermeiden. Krasojević ist der Ansicht, dass ein interdisziplinärer Ansatz sicherstellen wird, dass Nachhaltigkeit und erneuerbare Energie bei Entwürfen und Projekten im Vordergrund stehen werden. Hotels seien häufig innovativ und böten experimentelle Designansätze für Personen, die einen einzigartigen Kurzurlaub erleben möchten.

Hotels sind häufig innovativ und bieten experimentelle Designansätze für Personen, die einen einzigartigen Kurzurlaub erleben möchten.

Margot Krasojevic Architecture

lighthouse hotel on shore

 

Transformierendes Reiseerlebnis

Das Leuchtturm-Hotel bietet Interessierten die Möglichkeit, sich mit Biodiversität und erneuerbaren Energien zu beschäftigen. Reisende wären beim Aufenthalt durchaus gefordert, so die Planer, und könnten sich an Umweltschutzbemühungen beteiligen. Dies kann in jeder erdenklichen Form passieren, angefangen von Social Media-Sabbaticals bis hin zur Möglichkeit, Freiwilligenarbeit bei gemeinnützigen Organisationen zu leisten.

Das Hotel, mit dessen Bau 2018 begonnen wurde, ist nur mit dem Boot erreichbar. Südkorea verfügt über eine große Anzahl von Offshore-Windkraftanlagen und investiert seit 2006 in die Herstellung großer Windkraftanlagen und Ölplattformen. Krasojević ist überzeugt, dass die Schiffbauindustrie zusammen mit der Schiffstechnik Bauprozesse anregen kann, bei denen es darum geht, erneuerbare Energien in schwierigen Umgebungen wie dem offenen Meer effizient einzusetzen und so gleichzeitig die Umwelt zu schützen.

lighthouse lantern bar

lighthouse jeju

 

Die Ozeane sind jedenfalls weite Flächen, bei denen Meerwasser, das sich erwärmt und Sonnenenergie speichert, sowie dessen Wellenbewegungen zur Energiegewinnung genutzt werden können 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt.

Kinetische Wasserenergie wird zu Strom

Die Energiegewinnung sollte laut Plan so funktionieren: Geschichtete Aluminiumoberflächen, die um die Gebäudeelemente des Hotels gewickelt und an der schwenkbaren Primärstruktur aufgehängt sind, umschließen Flügelturbinen, um elektrische Energie zu erzeugen. Die Turbinen werden ins Meer abgesenkt, wobei die Höhe von der Hydraulik choreografiert wird. Das Schwenkrad soll helfen, der Materialermüdung vorzubeugen, die durch die wechselnde Lastumverteilung des Wassers verursacht würde.

lighthouse hotel Energiegewinnung

lighthouse hotel energy detail

Über Margot Krasojević
Margot Krasojević studierte an der Architectural Association School of Architecture und am University College London. Sie arbeitete bei Zaha Hadid Architects und war Studienleiterin für digitale und nachhaltige Designprogramme. Ihr multidisziplinäres Büro konzentriert sich auf die Integration von Umweltaspekten, erneuerbarer Energie und Nachhaltigkeit als Teil des Entwurfsprozesses. Derzeit arbeitet sie vor allem in Asien – sie entwirft u.a. Wasserkrafthäuser und -hotels.

Mit dieser Konstruktion ließen sich der Leuchtturm und die Entsalzungsfilter betreiben, heißt es. Überschüssige Energie wird gespeichert. Da Regenwasser ebenfalls gespeichert und Meerwasser entsalzt wird und auch Grauwassersysteme eingerichtet sind, hält sich der Wasserverbrauch in Grenzen. Ein Gutteil des Wassers wird zurückgewonnen.

Da die Turbinen immer wieder aus dem Wasser gehoben werden, kann Salzwasserkorrosion hintangehalten werden. Zusätzlich sind Opferanoden über die gesamte Struktur verteilt, um Korrosion zu vermeiden. Im inaktiven Zustand liegen die Turbinen flach auf. Im Vergleich zu Propellerturbinen seien sie günstiger, so das Arichtektenbüro, denn sie seien robuster und leichter vertikal anzubringen. Allerdings sind sie nicht so effizient.

Gebäudeteile aus ETFE-Folie

Der Aufbau des Leuchtturm-Hotels besteht aus drei Gebäudeteilen: Wohn-, Lobby- und Sozialbereich. Im Detail kommen teils mit Luft gefüllte Membranabschnitte aus ETFE zum Einsatz (Anm.: Ethylen-Tetrafluorethylen-Copolymer, ein Derivat des auch als Teflon bekannten Kunststoffs PTFE). Folien aus ETFE weisen ein geringes Eigengewicht sowie eine hohe Licht- und Ultraviolett-Durchlässigkeit auf. Diese leichten und dennoch widerstandsfähigen Teile können durch ihren Auftrieb die Wucht großer Wellen mildern.

lighthouse krasojevic

 

Ganz oben im Hotel befindet sich der sogenannte „Laternenraum”. Das Fresnel-Glaslaternenlicht dominiert den gesamten Bereich und erzeugt eine Art beleuchtete Glasvordachlobby. Im 19. Jahrhundert wurden Fresnel-Linsen vor allem in Leuchttürmen eingesetzt. Sie bestanden aus handpolierten Prismen aus Glas.

Text: Linda Benkö
Fotos/Visualisierungen: Margot Krasojević

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