Google erfindet sich neu
#architektur

Google (er)findet sich neu!

Der Internet-Gigant will nicht nur im digitalen Bereich jederzeit die richtige Antwort liefern können. Mit dem Neubau der Google-Zentrale im Silicon Valley will man auch keine Bürofragen mehr offen lassen. Konkret soll die Arbeitswelt komplett revolutioniert werden!

 

Während Google in den vergangen beiden Jahrzehnten unsere Welt zumindest auf digitaler Ebene immer wieder neu auf den Kopf gestellt hat, ist man in der eigenen Zentrale in den letzten Jahren ein bisschen auf der Stelle getreten: Der aktuelle Firmensitz namens Googleplex – erbaut vom Star-Architekten Clive Wilkinson – hat schon 15 Jahre auf dem Buckel und seither auch kein echtes Update erfahren.

Gigantische Google-Zentrale

Doch nun wird alles anders. Alles neu! Das verspricht jedenfalls der Konzern selbst und hat in unmittelbarer Nähe des aktuellen Google-Campus im kalifornischen Mountain View mit dem Bau einer gigantischen neuen Firmenzentrale begonnen, die bereits im Jahr 2021 bezugsfertig sein soll. Vor allem aber soll der Neubau nicht nur zum imposanten Repräsentationskomplex werden, sondern die Arbeitswelt revolutionieren.

Neue Google-Zentrale

Neue Google-Zentrale

 

Das verkündete nun jedenfalls Bjarke Ingels, seines Zeichens Gründer des international gefeierten Architekturbüros BIG. Gemeinsam mit Thomas Heatherwick von Heatherwick Studio wurde er von Google mit der Realisierung dieses Zukunftsprojekts beauftragt. Klare Zielvorgabe: „Das moderne Bürogebäude muss unter dem Begriff Google 2.0 neue Industriestandards schaffen, die weltweit Vorbildwirkung haben sollen“, sagt er. Schließlich sei das Silicon Valley in den letzten Jahrzehnten zwar ein globaler Motor für Innovation und Wirtschaftswachstum gewesen – habe sich jedoch fast ausschließlich auf den digitalen Bereich konzentriert.

Innovation in physischer Welt

Eine Entwicklung, die zwar „einen enormen Einfluss auf den sozialen Raum und die Art und Weise, wie man mit Menschen interagiert, hat“, wie Ingels ausführt, aber nicht so sehr im physischen Bereich Niederschlag findet. O-Ton: „Unser Ziel bei Google ist es, einen Teil dieser digitalen Energie und ein Teil dieser digitalen Intelligenz in die physische Umgebung zu übersetzen.

Neue Google-Zentrale

Neue Google-Zentrale

 

Konkret bedeutet dies, dass in der Planung zwei große Ziele unter einen Hut gebracht werden mussten: Das Gebäude soll nach außen hin architektonisch einmalig werden und gleichzeitig in seinem Inneren ein Arbeitsleben ermöglichen, das seinesgleichen sucht. Das Resultat: Der Bau wird in seiner Optik an ein gigantisches und 33 Meter hohes Zelt erinnern. Die dafür notwendigen Träger werden im Einklang mit dieser Idee wie Zeltstangen das gigantische Dach stemmen.

Regenwasser für Toiletten

Dieses wiederum soll zur Gänze mit Solarpanelen überzogen werden, die 40 Prozent des Energiebedarfs des gesamten Gebäudes abdecken werden. Außerdem versprechen die beiden Architekten, jeden Tropfen Regenwasser, der auf das Dach prasselt, über eigene Zisternensysteme sammeln zu wollen, um damit schlussendlich die Toilettenspülungen sowie die Bewässerung der geplanten und ausgedehnten Gartenanlagen zu ermöglichen.

Der neue Campus soll weniger wie das Bürogebäude einer großen Firma wirken, sondern vielmehr wie ein freundschaftlichers Arbeitstreffen.

Bjarke Ingels, Architekt

 

Für die Google-Mitarbeiter wird sich allerdings noch weit mehr ändern, wenn man Bjarke Ingels’ Worten Glauben schenkt: „Der neue Campus soll weniger wie das Bürogebäude einer großen Firma wirken, sondern vielmehr wie ein freundschaftliches Arbeitstreffen“, sagt er. So werden im Außenbereich 20 unterschiedlich gestaltete Innenhöfe – inspiriert von nahegelegenen Grashügeln, Salzteichen und dem Ozean – für Zusammenkünfte bereitstehen.

Büro aus Legosteinen

Vor allem aber sollen die Mitarbeiter nicht mehr das Gefühl haben, in starren Räumlichkeiten zu agieren. Ihre Büros und deren Teile werden wie Legosteine sehr leicht und damit beweglich sein. Auf diese Weise will Google Teams, die für einzelne Projekte zusammenarbeiten, schnell zusammenlegen können. Außerdem sollen transparente Materialien stets und an möglichst jedem Ort im Gebäude das Gefühl vermitteln, man befinde sich in der freien Natur.

Zu guter Letzt verspricht der Digital-Riese noch, sich auch um die körperliche Fitness seiner Googlianer kümmern zu wollen. Und das just mit einer wahrlich uralten Technologie: Dem Fahrrad! Also baut er Radwege, die von überall ins Zentrum der Macht führen und versieht dieses auch vorsorglich mit 780 Stellplätzen für Drahtesel.

Bei rund 10.000 Mitarbeitern am Standort ein vielleicht noch ein bisschen ausbaufähiges Sümmchen …

Text: Johannes Stühlinger
Bilder: Google

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