Architekturpreis und Ritterschlag für Studio Henning Larsen: Der Ikone Tower in Manila (Bild: Henning Larsen)
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Architekturpreis & Ritterschlag für Henning Larsen

Das dänische Studio Henning Larsen Architects wird mit dem diesjährigen European Prize for Architecture ausgezeichnet. Wichtige Kriterien, die zur Entscheidung führten: Die auf Nachhaltigkeit und Lebensqualität fokussierten Arbeiten des Büros, das seinem 2013 verstorbenen Gründer auf allen Ebenen Ehre macht.

 

Der 13.September wird ein glücklicher Tag fürs Henning Larsen Team. Denn da erhält das Kopenhagener Büro in Athen den European Prize for Architecture 2019 verliehen. Ein weiteres Highlight für das 1959 gegründete, erfolgreiche dänische Architektur-Büro, das heuer seinen „Sechziger“ feiert.

Europäischer Award und royaler Ritterschlag 

Und der Award ist nicht das einzige „Geburtstagsgeschenk“: Henning Larsen Group-CEO Mette Kynne Larsen wurde am 19.August das Ritterkreuz des Dannebrogordens verliehen – vom dänischen Königshaus und für Verdienste um die dänische Architektur. Seltenes und höchstes royales Lob für die mehrfach ausgezeichnete Firma, die heuer auch den Europäischen Architekturpreis für sich verbuchen kann.

Der 2013 verstorbene Gründer Henning Larsen (Mitte) und das aktuelle Führungsteam des Architektur-Studios: CEO Mette Kynne Frandsen und Design-Chef Louis Becker. (Foto: Henning Larsen)
Der 2013 verstorbene Gründer Henning Larsen (Mitte) und das aktuelle Führungsteam des Architektur-Studios: CEO Mette Kynne Frandsen und Design-Chef Louis Becker. (Foto: Henning Larsen)

 

Der 2010 ins Leben gerufene Europäische Architektur-Award indes wird alljährlich vergeben. An Architekten, die nach Ansicht der Jury „die Prinzipien des europäischen Humanismus und die Kunst der Architektur“ vorangebracht haben. Die Organisatoren des Awards – das European Centre for Architecture Art Design and Urban Studies und das Chicago Athenaeum – würdigen mit Henning Larsen bereits zum zweiten Mal ein dänisches Studio:

Erster Empfänger der begehrten Auszeichnung war „BIG“-Gründer Bjarke Ingels aus Kopenhagen. Seitdem wurde die Liste der Preisträger um viele berühmte Namen europäischer Kollegen reicher. So finden sich dort etwa Top-Architekten wie Santiago Calatrava, Alessandro Mendini und Manuelle Gautrand

Viel Lob für ikonische Architektur

Henning Larsens Designs seien stets provokativ, künstlerisch und ikonisch. Zugleich seien diese Werke jedoch auf Lebensqualität und Nachhaltigkeit konzentriert, lobt Athenaeum-Präsident Christian Narkiewicz-Laine die Preisträger.

Harpa Konzerthalle und Konferenzzentrum in Reykjavik, Island: Designed von Henning Larsen und Batteriid Archtects. Bei der Fassade kooperierte das dänische Studio mit dem aus Island stammenden Künstler Olafur Eliasson. (Foto: Nic Lehoux)
Harpa Konzerthalle und Konferenzzentrum in Reykjavik, Island: Designed von Henning Larsen und Batteriid Archtects. Bei der Fassade kooperierte das dänische Studio mit dem aus Island stammenden Künstler Olafur Eliasson. (Foto: Nic Lehoux)

 

Exemplarisch angeführt werden bei der Award-Begründung einige besonders aufsehenerregende Projekte des Büros:

Der Ministeriumskomplex im saudi-arabischen Riad (1984) und die Malmö City Library (1999) werden genannt. Ebenso, wie die Königliche Oper in Kopenhagen (2004) und die Würth Art Gallery in Schwäbisch Hall (2000). Und natürlich auch die Konzerthalle und das Konferenzzentrum Harpa in Reykjavik (2011).

Grafik zum Plan des König Abdullah Komplexes im Saudi-arabischen Riad: Ein spektakuläres Werk, das noch zu Lebzeiten des Studio-Gründers Henning Larsen entstand. (Grafik: Henning Larsen)
Grafik zum Plan des König Abdullah Komplexes im Saudi-arabischen Riad: Ein spektakuläres Werk, das noch zu Lebzeiten des Studio-Gründers Henning Larsen entstand. (Grafik: Henning Larsen)

 

Die Perlenreihe beeindruckender Projekte des Studios ist allerdings deutlich länger. Sie wurde nach dem Ableben seines Namensgebers Henning Larsen im Jahr 2013 konsequent weiter ausgebaut. Das von CEO Mette Kynne Frandsen fortgeführte Preisträger-Büro verfügt inzwischen über Töchter in Hongkong, New York, Deutschland, Norwegen, Saudi-Arabien und den Färöer.

Im Fokus: Nachhaltigkeit & Lebensqualität

Zu seinen spannendsten Projekten zählen etwa auch das im Bau befindliche „The Biotope“ im französischen Lille oder der „Icone Tower“ in Manila (siehe Beitragsbild), dessen Fertigstellung für 2021 vorgesehen ist.

„The Biotope“ im französischen Lille: Öffentliches Gebäude mit Work-Space und Relax-Zonen voll Tageslicht und mit viel Grün. (Bild: Henning Larsen)
„The Biotope“ im französischen Lille: Öffentliches Gebäude mit Work-Space und Relax-Zonen voll Tageslicht und mit viel Grün. (Bild: Henning Larsen)

 

Diese beiden Work-Space Gebäude setzen auf spektakuläre Weise um, was das Architekten-Team bei all seinen Konzepten anpeilt: Viel Tageslicht, hohe Lebensqualität und Nachhaltigkeit. Behutsam ins bestehende Umfeld gesetzt und mit erlebbarer Naturnähe. 

Vielfach preisgekrönte Wohn-Architektur

Wie dies bei Wohnbauten optimal realisiert werden kann, demonstriert der 2018 finalisierte Apartment-Komplex „The Wave“ im dänischen Vejle mit seiner sehr speziellen Form. Diese „Wohn-Welle“ wurde schon vor der Fertigstellung mit Preisen überhäuft: 2009 erhielt sie vom dänischen Magazin „Byggeri“ den Titel „Residential Building of the Year“. 2012 folgte der ABB LEAF Award für innovative Architektur. Und 2013 der renommierte Civic Trust Award

Nachhaltige Lebensqualität pur im dänischen Vejle: Henning Larsen Wohnanlage „The Wave“. (Foto: Jacob Due)
Nachhaltige Lebensqualität pur im dänischen Vejle: Henning Larsen Wohnanlage „The Wave“. (Foto: Jacob Due)

 

Auch Re-Design-Projekte wie jenes der 1989 errichteten Pariser Opera Bastille finden sich im Portfolio des Unternehmens. Hier sollen bis 2022 unter anderem ein erweitertes Foyer, ein modernisierter Backstage-Bereich und eine Anbindung ans Grün des Viaduc des Arts für neues Leben sorgen. Respekt vor dem ursprünglich von Architekt Carlos Ott konzipierten Kulturzentrum versteht sich dabei von selbst. 

Re-Design mit Grün-Anbindung für die Opera Bastille in Paris.
Re-Design mit Grün-Anbindung für die Opera Bastille in Paris.

So wird die Oper nach dem Umbau aussehen (Bilder: Henning Larsen)
So wird die Oper nach dem Umbau aussehen (Bilder: Henning Larsen)

 

Die Fertigstellung einiger stadtplanerischer Großprojekte soll bereits in kommenden zwei Jahren erfolgen. So wird das Henning-Larsen-Design für die Belfast Waterside in Nordirland voraussichtlich schon 2020 die Ufer der Stadt neu beleben.

Studio Larsens Architektenkunst für Danzig

Nicht minder spannend: Die Neugestaltung des historischen Gdansk Imperial Shipyards (Kaiserliche Werft Danzig) durch die skandinavischen Architekten. Ein weiteres modernes Highlight fürs aufstrebende Danzig, wo jüngst etwa auch die Eröffnung eines innovativen Hotelprojekts des europäischen Top-Entwicklers UBM für Begeisterung sorgte. 

Neues Leben für Belfasts Ufer: Dieses Projekt des dänischen Architekturstudios soll 2020 fertiggestellt werden. (Grafik: Henning Larsen)
Neues Leben für Belfasts Ufer: Dieses Projekt des dänischen Architekturstudios soll 2020 fertiggestellt werden. (Grafik: Henning Larsen)

Ein anderes, faszinierendes Projekt des dänischen Studios ist beispielsweise die Shenzhen Bay Super Headquarters Zone: Bis 2026 soll dort, in Chinas rasant wachsendem „chinesischem Silicone Valley“ ein neues Hi-Tech-Zentrum entstehen. Als Symbol globaler Innovation, lebenswerter urbaner Zukunft und nachhaltigen städtischen Wachstums.

Shenzhen Bay Super Headquarters Zone: Henning Larsens Grafik des neuen Hi-Tech-Zentrums für die rasant wachsende chinesische Metropole.
Shenzhen Bay Super Headquarters Zone: Henning Larsens Grafik des neuen Hi-Tech-Zentrums für die rasant wachsende chinesische Metropole.

 

Dass man bei Henning Larsen Architects auch international weniger beachtete Projekte mit viel Weitsicht plant, belegen perfekt durchdachte Schulbauten. Zum Beispiel jener der French International School in Hongkong oder der Kolding Campus der Universität Süd-Dänemark

Der Kolding Campus der Universität Süd-Dänemark. (Foto:  Hufton + Crow)
Kolding Campus, Universität Süd-Dänemark. (Foto: Hufton + Crow)

Viel Licht und Freiraum für leichteres Lernen und Kreativität waren den Henning Larsen-Architekten wichtig. (Foto:  Hufton + Crow)
Viel Licht und Freiraum für leichteres Lernen und Kreativität waren den Henning Larsen-Architekten wichtig. (Foto: Hufton + Crow)

 

Auch, dass die heuer mit so viel Ehre bedachte Gruppe sich tatsächlich ums Fortkommen der eigenen Branche bemüht, zeigt sich in ihrer Arbeit. So etwa aktuell im Wirken der Henning Larsen Foundation.

Förderpreis vom Architektur-Preisträger

Erst jüngst durfte sich Josephine Michau, Co-Gründerin des Kopenhagener Architektur-Festivals, über einen 100.00 DKK-Preis (rund 13.500 Euro) der Stiftung freuen. Keine Frage: Talente zu fördern bestätigt, dass Henning Larsens Philosophie tatsächlich gut zu jener des Europäischen Architekturpreises und des royalen Ritterschlages passt.  

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: Henning Larsen Architects, Hufton&Crow, Jacob Due, Nic Lehoux

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