Thomas G. Winkler
#ubmhotel 53

„Wir kümmern uns. Wir nehmen es persönlich.“

Thomas G. Winkler über Erfolg und Niederlagen, Verantwortung und Herausforderungen sowie das Prinzip „Kaizen“. Plus: Warum der CEO der UBM Development AG im Hotel die Klimaanlage auf 23 Grad einstellt, was er mit dem Geruch von Pferdeschweiß verbindet und ob er E-Bikes uncool findet.

 

Wie sieht für Sie eine perfekte Hotelübernachtung aus?

Es ist eine Übernachtung, wo man sich darauf freut ins Hotelzimmer zu kommen, wo man ein Ritual entwickeln kann. Ein Bett, wo man schon beim ersten Kontakt mit der Matratze weiß, dass man darin gut schlafen wird. Bei Klimaanlagen machen viele Leute den Fehler, dass sie sie zu kalt einstellen, wenn ihnen zu heiß ist. Und es ist auch nicht richtig, dass eine Klimaanlage unbedingt laut sein muss, obwohl es Hotelgäste gibt, die einem sonst nicht glauben, dass sie richtig kühlt. Ich hab sie auf 23 Grad eingestellt und kann dabei gut schlafen.

Was ist eine weitere Aufgabe eines Hotels?

Mir ist das Erlebnis wichtig. Dass mich das Hotel in irgendeine Welt versetzt, die mich überzeugt. Ich war im Four Seasons im Golden Triangle, das ist ein Tented Camp. Man hat das Gefühl, man ist in einem Zelt, auch wenn es einen Holzboden und eine Badewanne im „Zelt“ gibt. Ein Erlebnis, das dem Film „Jenseits von Afrika“ entspringen könnte.

Für Einsteiger in der Immo-Branche: was macht die UBM Development AG eigentlich?

Sie entwickelt Immobilien, was eine Dienstleistung ist, die keinem Menschen von vornherein einleuchtet. Erst wer einmal probiert hat, ein Großprojekt auf die Beine zu stellen, wo am Ende ein funktionales Gebäude rauskommen soll, weiß unsere Leistung zu schätzen.

Wo liegen in diesem Job die Herausforderungen?

Man hat eine Idee und bis sie umgesetzt und verkauft ist, ist sie eine Idee. Daher liegt alles, was schief gehen kann, einmal im eigenen Verantwortungsbereich. Man ist als Bauherr voll im Risiko. Aber es ist nie so, dass man vollkommen frei wäre und das ist wahrscheinlich gut so, dass man das nicht ist. Oft entsteht nämlich aus dem Druck, dass man nicht unbegrenzt Zeit und Geld zur Verfügung hat, etwas Besseres.

Detail Thomas G. Winkler

Detail Thomas G. Winkler

 

Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?

Es ist wie bei einem Kellner, dem man mitteilt, wenn das Schnitzel zäh ist. So ein Feedback nehmen wir ernst und kümmern uns darum, egal wer die Verantwortung trägt. Und weil die UBM eine beträchtliche Anzahl an nicht Deutsch sprechenden Kunden und Mitarbeiter hat, sagen wir es auf Englisch: we care.

Das sieht wie genau aus?

Wir kümmern uns. Wir nehmen es persönlich. Wir versuchen es dementsprechend zu adressieren und auszubessern. Am Ende muß jeder Kunde, jeder Investor und jeder Betreiber mit dem, was wir ihm liefern, zufrieden sein können.

Holiday Inn Gdańsk - City Centre, Aussenansicht
Holiday Inn Gdańsk – City Centre: „Was wir hier vorgefunden haben, ist eigentlich ein Glücksfall!“

 

Am 26. Juni wurde in Danzig das Holiday Inn Gdańsk – City Centre eröffnet, die bereits 53. Hotelentwicklung der UBM. Was die „Story“ betrifft, wurde das Thema „Flow“ aufgegriffen, weil das Hotel auf der Speicherinsel von den Wässern der Mottlau und der Neuen Mottlau umströmt wird. Was ist Ihnen beim Interieur wichtig?

Dass es Wärme ausstrahlt und nicht lieblos wirkt. Man spürt, ob sich jemand mit Herzblut engagiert hat oder es nur dekoriert ist.

Holiday Inn Gdańsk - City Centre, Rezeption
Der „Flow“ empfängt die Gäste schon an der Rezeption …

Holiday Inn Gdańsk - City Centre, offene Lobby
… und zieht sich durch die offen gestaltete Lobby bis in die Zimmer hinein.

 

War es schwierig in Danzig auf altem Grund, in dem Fall auf dem roten Vorratsspeicher, zu bauen?

Es ist etwas, das wir kennen. Und eigentlich würde man sagen, es ist eine Komplikation.  Aber es ist ein Anker, an dem man sich festhalten kann. Wir haben in Amsterdam ein Hyatt gebaut, wo wir die gesamte Fassade versetzen mussten, um sie anschließend an das fertige Gebäude wieder anzubringen. Von daher ist das, was wir in Danzig vorgefunden haben, eigentlich ein Glücksfall.

Welche Dinge können Sie in einem Hotelzimmer enttäuschen?

Wenn etwas nicht zusammenpasst, spürt man das einfach. Es kann die Materialsprache sein, die nicht dem entspricht, was man sich erwartet. Oder ein rein haptisches Element, wenn zum Beispiel das Handtuch im Bad nicht so flauschig ist, wie’s ausschaut, weil es zu viel Kunstfaseranteil hat. 

Holiday Inn Gdańsk - City Centre, Zimmer
Ein Zimmer mit Aussicht im Holiday Inn Gdańsk – City Centre

 

Wie sehen die nächsten Pläne der UBM aus?

Der wichtigste Markt ist Deutschland, gefolgt vom österreichischen. Ein Viertel des Volumens verteilt sich auf Polen, Tschechien und Holland. Wir haben aktuell 16 Hotels mit 4.200 Zimmern in der Pipeline, vom Luxuspalais bis zum Budget-Hotel.

Mercure Katowice City Center
Bei dem von der UBM Development AG im polnischen Katowice entwickelten Mercury Katowice City Center dreht sich alles um das Thema Nachhaltigkeit. Winkler: „Green and clean – unter dieses Motto stellen wir unser Baby in Katowice.“ Das Hotel wird Ende 2020 eröffnet und von Accor unter der Marke Mercury betrieben.

 

Wie macht man ein Unternehmen erfolgreicher?

Indem man ständig an Verbesserungen arbeitet und nie ganz zufrieden ist mit dem, was man erreicht hat. Man kann eigentlich immer alles besser machen und das ist genau das, was wir versuchen. Den Begriff „Kaizen“ haben wir uns von den Japanern ausgeborgt. Er setzt sich aus Kai, dem Wandel, und Zen, zum Besseren, zusammen.

Wobei empfinden Sie Leidenschaft in Ihrem Job?

Leidenschaft ist ein großes Wort. Aber das, was die meisten Emotionen mit sich bringt, ist alles, was mit Menschen zu tun hat und auch da gilt: we care.

Wo steht Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Ich hab mir abgewöhnt so lang voraus zu planen.

Warum?

Weil ich draufgekommen bin, dass man unglaublich viel Zeit damit verschwendet, sich zu überlegen, wo man mit einem Bus und einer Menge Leute hinfährt und dann nach fünf Kilometer die Straße gesperrt sein kann und man einen Umweg nehmen muss. Mir ist wichtiger, dass die richtigen Leute am richtigen Platz im Bus sitzen, als bis ins letzte Detail zu erkunden, wie die Route aussehen soll.

Wenn Sie diesen Job nicht hätten, womit würden Sie Ihren Tag verbringen?

Mit Radfahren. 

Nach welchem Motto leben Sie?

Make dust or eat dust. Mit diesem Motto bin ich seit 35 Jahren unterwegs, wobei meine Schulkollegen meinen, ich sei schon mit dieser Einstellung auf die Welt gekommen.

Sagen die Kollegen das bewundernd oder abschätzig?

Eine Schulkollegin hat mir bei einem Matura-Treffen verraten: Verängstigt. (lacht.)

Was ist der bessere Lehrmeister: Erfolg oder Niederlage?

Ich bin davon überzeugt, dass im Grunde genommen die Niederlagen einen im Leben weiterbringen. Es gibt ja die Redewendung: Das Hinfallen ist nicht schlimm. Es ist das Liegenbleiben. Ich glaube, dass alle Biographien, die ausschließlich ein Genie darstellen, gepimpt sind und es in Wirklichkeit eine Aneinanderreihung von Erfolgen und Niederlagen ist. Deswegen hat mir auch der Film Bohemian Rhapsody gut gefallen, weil der das gut geschildert hat: Freddie Mercury war immer von sich überzeugt, aber es waren seine Niederlagen, die ihn weitergebracht haben.

Thomas G. Winkler

 

Mit wem würden Sie gern einen Abend verbringen?

Solche Fragen stell ich mir nicht. Ich frag mich auch nicht, welches Tier ich gerne wäre. Oder eben mit wem ich gerne einen Abend verbringen würde. Das Schöne ist, ich hab da keine Defizite. Meine Erfahrung ist, dass wichtige Menschen, denen man begegnet, den Erwartungen und den Geschichten, die man sich im Kopf zusammengereimt hat, oft nicht gerecht werden.

Positiv sind Sie sicher auch schon überrascht worden?

Oft!

Gibt es ein Musikstück, das Sie aus einer kleinen Krise retten kann?

Ich spreche zwar auf Musik an, aber ich hab nicht einmal Musik auf meinem Handy. Es ist nicht Musik, die mich in Stimmung bringt. Ich bin ein olfaktorischer Mensch. Es gibt Gerüche, die mich an Positives erinnern aber die kann ich ja nicht herbeiführen, außer das Lavendelöl zum Einschlafen.

Was ist der Geruch Ihrer Kindheit?

Pferdeschweiß. Ich bin im Alter von 10 bis 20 Jahren jeden Tag drei Stunden geritten und da galoppiert man im Herbst über die abgemähten Stoppelfelder, das Pferd, das sich komplett verausgabt hat, fängt an zu schwitzen. Das ist der Geruch meiner Kindheit. 

Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Tochter.

Wie entspannen Sie?

Beim Schlafen. Das ist ein Wundermittel und wirkt extrem regenerierend. Ich kann den Schlaf auch zusammenstückeln.

Wo sehen Sie sich im Ruhestand?

Auf Mallorca am Rad.

Auf einem E-Bike?

Die sind besser als ihr Ruf. (lacht.)

Was wünschen Sie sich?

Die zweitbanalste Antwort nach Weltfrieden: Gesundheit.

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