Holzbau
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Premiere! Massiv- und Holzbau erstmals im direkten Duell

In der Immobilien-Entwicklung kommt man am Holzbau längst nicht mehr vorbei. Die UBM Development AG geht nun einen Schritt weiter und unterzieht die nachhaltige Bauweise dem ultimativen Praxis-Test.

Groß reden kann jeder. Und wenn es um nachhaltige Ideen in einer finanziell motivierten Gesellschaft geht, wird oft mehr geredet als getan. Doch davon will man in den Wiener Chefbüros der UBM Development AG nichts wissen. Allen Unkenrufen zum Trotz versucht man hier seit inzwischen vier Jahren, dem nachwachsenden Rohstoff Holz eine neue Wertigkeit zu geben.

Der ultimative Praxis-Test

Aber bevor wir uns auf die Gedankenwelt von UBM-Vorstand Martin Löcker einlassen, konzentrieren wir uns auf das, was bereits ist. Oder, besser gesagt, gerade im Wachsen, im Entstehen ist: Der ultimative Praxis-Test, der beweisen soll, dass Holzbau mit Massivbau jedenfalls mithalten kann.

Holzbau
Eines dieser Häsuer wird aus Holz errichtet. Die anderen in klassischem Massivbau. Von außen wird man keinen Unterschied erkennen!

Die Geschichte geht so: Im Vorstand der UBM Development AG tauchte immer wieder die Mär auf, wonach ein Holzbau um ein Vielfaches teurer sei als ein klassischer Bau aus Stahl und Beton.

Massiv- oder Holzbau: Was ist teurer?

Nachdem es dafür allerdings keine ausreichend belegbaren Studien gab, entschied man sich dazu, diese angebliche Tatsache selbst zu verifizieren. „Die Idee dazu entstammt einem Ideenwettbewerb im Unternehmen“, erinnert sich Martin Löcker. Man wollte einen Computer mit vielen Zahlen füttern, um schlussendlich ein möglichst glaubhaftes Resultat zu erhalten.

Doch bevor dieser Prozess in Gang gesetzt wurde, entschied man sich die Theorie einfach Theorie sein zu lassen. Löcker: „Man kann 100 Kalkulationen anstellen und immer kommt etwas anderes heraus. Also haben wir beschlossen, eines unserer Projekte dahingehend zu adaptieren, dass wir endlich eine reale Vergleichsmöglichkeit haben.“

Holzbau
DAS PROJEKT
Barany.7

Standort: Baranygasse 7, 1220 Wien
Art: Wohnbauprojekt, 7 Häuser, 9 Stiegen
Bauhöhe: 4 Geschoße, 1-geschoßige Tiefgarage
Wohnung: 126 moderne, frei finanzierte Wohnungen
Haus 3: Dieses wird als einziges in Holzriegelbauweise errichtet

Dafür kam das zum damaligen Zeitpunkt gerade in Planung befindliche Wohnbauprojekt „Baranygasse 7“ im 22. Wiener Gemeindebezirk gerade recht. Hier sollten sieben viergeschossige und baugleiche Wohnhäuser mit insgesamt 126 Wohnungen entstehen.

Nur der direkte Vergleich zählt

Der ideale Boden also, um einfach eines dieser identischen Objekte aus Holz zu errichten – und so einen direkten Vergleich mit den umliegenden Massivbauten zu haben. Ein Vergleich, der nicht nur in der Errichtung und der Finanzierung relevante Daten liefert, sondern auch in Zukunft spannende Einblicke gewähren wird.

Schließlich kann man in den kommenden Jahren auch die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Bewohner evaluieren und auswerten.

Wie wird ein Holzbau errichtet?

Aber das ist freilich noch Zukunftsmusik. Jetzt geht es erst einmal darum, diesen Meilenstein in Sachen Holzbau bezugsfertig zu errichten. Konkret nennt sich das „Holzriegelbauweise“, wie man beim ausführenden Partner Handler Bau erklärt. Das bedeutet, dass im Werk in Neutal im Schichtbetrieb in nur fünf Wochen sämtliche Bauteile gefertigt werden.

Schneller geht es kaum

In weiteren fünf Wochen werden diese dann vor Ort nur noch montiert. Erst danach wird man erste echte Zahlen auf dem Tisch haben, die einen Vergleich mit den umliegenden und klassisch gebauten „Zwillingen“ zulassen.

Großes ABER, das schon im Vorfeld Freude macht: Der zuständige und freilich auf Holzbau spezialisierte Architekt Martin Aichholzer hat schon jetzt, während der Bauarbeiten, festgestellt: „Obwohl nicht ausschließlich Holz verbaut wird, wird der große Holzanteil den CO2-Fußabdruck beinahe auf null drücken!“

Und auch bei Handler Bau frohlockt man: „Bei der Errichtung von Baranygasse 7, Haus 3 werden etwa 300 m³ massives Brettsperrholz verbaut. Das bedeutet, dass in diesem Haus 300 Tonnen CO2 gebunden sind – das entspricht dem Schadstoffausstoß von 10 PKW über einen Zeitraum von 18 Jahren!“

Holzbau

Holzbau

MARTIN LÖCKER
Zur Person:

DI Martin Löcker wurde 1976 in Leoben, Österreich, geboren und studierte in Graz Wirtschaftsingenieurwesen/Bauwesen. Seit dem 1. März 2009 ist er Mitglied des Vorstands der UBM Development AG und unter anderem für das Thema Green Building verantwortlich.

UBM Martin Loecker im Wienerwald

Nachgefragt beim Experten

Doch bevor sich Green-Building-Mastermind Martin Löcker wirklich freuen darf, müssen noch ein paar Bäume zu nachhaltigen Wänden verarbeitet werden. Zeit also, um den ursprünglich gelernten Tischler aus der Steiermark mit ein paar Fragen zu löchern:

Was fasziniert Sie am Rohstoff Holz so sehr?

Wenn der Werkstoff Holz richtig eingesetzt wird, ist er in Wahrheit unschlagbar. Das liegt aber nicht nur daran, dass er ohne Probleme viele Jahrhunderte überdauert – denken wir nur an alte Kirchendachstühle, die noch immer fest wie einst Wind unter Wetter trotzen. Ich finde es zusätzlich beeindruckend, dass dieser Rohstoff nicht nur erneuerbar und CO2-bindend ist, sondern auch noch mehr als einen Lebenszyklus hat.

Welche Zyklen gibt es denn zusätzlich?

Selbst wenn man nur schnell rechnet, kommt man schon auf vier Nutzungszyklen: Man fällt einen Baum und es entsteht daraus einerseits das Bauholz und andererseits aus dem Abfall Brennholz oder es wird zu Pressspanplatten verarbeitet. Das Bauholz wird jetzt vielleicht für den bereits erwähnten Kirchendachstuhl verwendet. Wenn nach einigen hundert Jahren dieser erneuert wird, kann man aus den alten Balken aber noch immer Bänke, Möbel oder Böden fertigen. Und sobald diese dann ausgedient haben, steht der Verwendung des Materials als Brennholz auch nichts mehr im Wege.

Sie haben schon vor vier Jahren versucht, das Thema Holz bei der UBM Development AG verstärkt in den Fokus zu rücken. Warum gerieten Sie da anfangs nur auf den umgangssprachlichen Holzweg?

Ja, damals wollten wir das erste Holzhaus bauen, fanden aber keinen Investor, der bereit war, uns dieses überhaupt und geschweige denn preisgleich zum Massivbau abzukaufen. Dabei ging es aber weniger um den Preis, es traute sich einfach niemand drüber, ein Holzhaus ins Portfolio aufzunehmen. Aber als Unternehmen produzieren wir Immobilien für Immobilieninvestoren, müssen deren Interessen also im Fokus behalten.  

Und was hat sich da jetzt geändert?

Auf jeden Fall ist in den Köpfen der Menschen und somit auch in den Köpfen der Anleger viel passiert. Da wurde von vielen Seiten gute und seriöse Aufklärungsarbeit betrieben. Vor allem aber hat auch unser Ideenwettbewerb dazu geführt, dass wir eine Chance fanden, mit kalkulierbarem Risiko neue Möglichkeiten zu erforschen. Und dann gibt es bekanntlich den Satz: „Wenn du kein Glück hast, dann kommt das Pech auch noch dazu.“ Das bedeutet im Umkehrschluss: „Wenn du eine gute Idee hast kommt auch das Glück dazu.“ Genau dieses hatten wir, indem wir mit der Buwog einen Investor gefunden haben, der gesagt hat: „Ok wir sind dabei! Wir zahlen euch zumindest gleich viel für dieses Holzhaus wie für ein konventionelles.“

Ist das ein erster großer Schritt in Richtung Holzbau-Zukunft?

Man sieht zumindest, dass ein großer institutioneller Investor „Ja“ sagt statt „Nein“. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir jetzt genau an der Stelle angelangt sind, an der klar wird, dass Holzprodukte nicht nur nachhaltig sind, sondern auch investmentfähig. Und das ist einfach eine schöne Sache, die auch bei uns im Unternehmen längst in die DNA eingeflossen ist: Unsere Mitarbeiter finden es cool, diesen innovativen Weg mit der UBM beschreiten zu können. Wir sind davon überzeugt, dass wir auf einer spannenden Reise in eine moderne Richtung sind. Dass wir auf dem Weg sind, einen großartigen und vor allem steinalten Baustoff neu zu entdecken.

Text: Johannes Stühlinger
Bilder: UBM Development AG

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