Mega-Projekt: Tokios gigantische Laube
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Mega-Projekt: Gigantische Laube für Tokio

Das Londoner Design- und Architektur-Büro Heatherwick setzt der Stadt eine riesige begrünte Pergola ins Herz – gleich neben Japans höchstem Gebäude, das in Tokio derzeit Richtung Himmel wächst.

 

Was aktuell in Japans Metropole vor sich geht, wird die Stadt um spektakuläre Bauwerke bereichern: Die Arbeiten zu einer umfassenden Neugestaltung der Bezirkszone Toranomon-Azabudai in Minato, Tokio, haben jüngst begonnen.

„Dorf-Feeling“ für Tokio-City

Ziel dieses Mega-Projektes ist es, ein großes Areal im Zentrum der Stadt in eine innovative, lebenswerte und vielfältig nutzbare Zone zu verwandeln. Oder, wie es bei der ausführenden Mori Building Group heißt, „ein modernes urbanes Dorf“ zu schaffen. Eines, das den Ansprüchen der Megalopolis gerecht wird, zugleich jedoch die Intimität eines Dorfes ins Herz der Großstadt holt.

Blick von oben auf das Areal des Mega-Projekts: Tokios Bezirk Toranomon-Azabudai. (Bild: Mori)
Blick von oben auf das Areal des Mega-Projekts: Tokios Bezirk Toranomon-Azabudai. (Bild: Mori)

 

 „Dorf-Gefühl“ ohne Grün und Freiraum geht natürlich nicht. Und das Projekt, das vom Londoner Studio Heatherwick für Tokios neues Zentrum konzipiert wurde, sorgt dafür. Die britischen Architekten haben den Plan für die Gestaltung eines öffentlichen Bereichs geliefert – auf Basis einer gigantischen bepflanzten Pergola.

Ein Bezirk kommt unter die Laube

Viele neue Stadtentwicklungen seien steril und kalt, analysiert Studio-Gründer Thomas Heatherwick. Deshalb habe man einen Weg gesucht, eine menschenfreundlichere Alternative zu finden. Das Ergebnis: Eine Laube, die sich über einen ganzen Bezirk erstreckt.

So wird der östliche Zugang zum Bezirk nach Studio Heatherwicks Plan im Jahr 2023 aussehen. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)
So wird der östliche Zugang zum Bezirk nach Studio Heatherwicks Plan im Jahr 2023 aussehen. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)

 

„Dieses Konzept hat es uns ermöglicht, eine übergreifende Logik in einen acht Hektar großen Teil von Tokio zu bringen“, schildert der Designer. Sein Entwurf sieht neben – und unter – dieser üppig bepflanzten Riesen-Laube Raum für offene Plätze, Wohnungen, Geschäfte, Hotels, Spas, eine Schule und einen Tempel vor. Auch die einzelnen Bauten haben Pergola-ähnliche Struktur. 

Um eine architektonische Konstruktion mit möglichst viel Natur zu kombinieren, haben wir die Idee einer auf Bezirksgröße ausgedehnten Gartenlaube entwickelt

Thomas Heatherwick, Star-Designer und Gründer des Heatherwick-Studios 

 

Aus dem Design der Häuser und Pavillons ergeben sich verschiedene landschaftliche Welten. Etwa versteckte Gärten oder Innenhöfe, die den Wunsch nach einem „Dorf“ in der Stadt erfüllen sollen. Ein Dorf, in dem es viel zu entdecken und zu genießen gibt. Und eines, das laut seiner Entwickler rund 30 Millionen Menschen pro Jahr besuchen werden. 

Bungalows im „Pergola-Design“ sollen lebenswerte landschaftliche Welten in die Großstadt Tokio holen. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)
Bungalows im „Pergola-Design“ sollen lebenswerte landschaftliche Welten in die Großstadt Tokio holen. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)

 

Diese begrünte Zone im Herzen Tokios grenzt an einer Seite an drei Wolkenkratzer, die ebenfalls Teil der Bezirks-Neugestaltung sind. Entworfen von Pelli Clarke Pelli Architects, wächst hier derzeit ein beeindruckender Turm gen Himmel. Mit seinen 330 Metern wird er bald Japans höchstes Gebäude sein. 

Grüne Laube & Wolkenkratzer

Einen Verbindungsweg zwischen den Gebäuden wird ein unterirdischer Fußgängertunnel bieten. Dort soll auch eine Food-Hall die Passanten mit kulinarischen Freuden locken. Die Stromversorgung des Bezirkes wird durch eigene E-Werke gesichert, die laut Mori Building Group zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gewonnene Energie liefern werden.

Mega-Projekt mit Wellnessfaktor

Für das seelische und körperliche Wohlbefinden der Menschen sind geförderte Wellness-Programme, medizinische Einrichtungen, Sportanlagen, Lokale und die offene Umgebung des Hauptplatzes gedacht. 

Eine Food-Hall im Verbindungsweg zwischen den Gebäuden des neu gestalteten Tokioer Bezirks wird zum Verweilen und Genießen laden. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)
Eine Food-Hall im Verbindungsweg zwischen den Gebäuden des neu gestalteten Tokioer Bezirks wird zum Verweilen und Genießen laden. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)

 

Das gesamte Projekt sei so angelegt, dass es größtmögliche Sicherheit und Lebensqualität biete – auch im Fall einer Katastrophe vom Ausmaß eines schweren Erdbebens. Man wolle Städte schaffen, die Menschen anziehen, statt zur Stadtflucht zu verleiten. 

Geplante Fertigstellung bis 2023

24.000 Quadratmeter der neu gestalteten acht Hektar Fläche werden im Zug des Umbaus in Grünzonen verwandelt. 213.900 Quadratmeter Büroflächen und 1.400 Wohneinheiten sind geplant. Um die 20.000 Beschäftigte und 3.500 Anwohner sollen im neuen Areal Tokios leben und arbeiten. Die Fertigstellung ist für März 2023 vorgesehen.

Spezialisten für Nachhaltigkeit

In Sachen urbanes Grün und nachhaltige Strategie fiel die Wahl mit Heatherwick und Pelli Clarke Pelli auf diesbezüglich ausgezeichnete Spezialisten für zukunftsfähige Architektur.

Tokios Mega-Projekt soll möglichst bald viel Raum für lebenswertes Wohnen und Arbeiten bieten. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)
Tokios Mega-Projekt soll möglichst bald viel Raum für lebenswertes Wohnen und Arbeiten bieten. (Bild: Heatherwick Studio / DBOX for Mori)

 

Das Londoner Büro Heatherwick ist bekannt dafür, ausgiebige Bepflanzung in seine Designs zu integrieren. So zeichnet Heatherwick beispielsweise derzeit auch verantwortlich für den Plan eines mit hängenden Gärten versehenen Turms in Singapur. Ein Konzept, das aktuellen Plänen für ein begrüntes Paris ähnelt.

Zukunftsorientiertes Design

Das von den USA aus agierende Studio Pelli Clarke Pelli gilt als besonders engagiert im Bereich Nachhaltigkeit – über den technischen Bereich des Energieverbrauchs hinaus. Sein Credo: Um wirklich nachhaltig zu sein, muss jedes Design auch ökonomische und kulturelle Faktoren berücksichtigen.

Beide Teams, die der Neugestaltung von Toranomon-Azabudai in Tokio jetzt Gestalt geben, sind mehrfach preisgekrönt. Man darf also durchaus spektakuläre, menschen- und umweltfreundliche Veränderung in Japans Metropole erwarten. 

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: Heatherwick Studio / DBOX for Mori

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