Work Space Cabin
#smart office

Homeoffice zum Mitnehmen

Das britische Studio Koto hat sich darauf spezialisiert, kleine Wohnmodule zu entwickeln. Mit ihrer „Work Space Cabin“ sind die kreativen Engländer nun noch einen Schritt weitergegangen: Sie haben ein tragbares Büro entwickelt!

Es sieht ein bisschen so aus, als hätte man einen ziemlich asymmetrischen Würfel ziemlich ziellos in die Landschaft gepfeffert. Und da liegt er nun. Wartet darauf, wieder aufgegriffen und an einen anderen Ort gewürfelt zu werden.

Eines gleich vorweg: Genau das wollten die Designer von Koto mit ihrer „Work Space Cabin“ auch erreichen!

Was ist modulare Architektur?

Tatsächlich haben die renommierten britischen Designer den aktuellen Homeoffice-Zeitgeist aufgegriffen und aus ihrer eigenen Studio-DNA eine wirklich interessante Lösung entwickelt. Schließlich hat sich das Büro seit jeher der Entwicklung möglichst nachhaltiger und kleiner, aber doch wohnlicher Lebensräume verschrieben. Selbst bezeichnen sie ihre Arbeit als modulare Architektur.

Work Space Cabin

Gemeinsam mit dem britischen Skulpturenpark „New Art Centre“ haben sie nun eben statt einer Wohneinheit eine Büroeinheit entwickelt. Im Fachjargon heißt das: „Eine multifunktionale Kabine für das Arbeiten an fast jedem Ort.“

Jedenfalls aber eine Kapsel, in die man sich besonders gut zurückziehen können soll, wie die Designer betonen: „Es ist ein kontemplativer Raum, der durch sein Aussehen einen direkten Kontakt zur Natur ermöglicht und gleichzeitig von außen betrachtet als Skulptur verstanden werden darf.“

Work Space Cabin als Skulptur gedacht

Im Wahrheit allerdings ist die Sache genau umgekehrt zu verstehen: Die Architekten wollten von vornherein die eingefahrenen Ideen einer Arbeitsplatzsituation aufbrechen. Genau das gelang ihnen erst, indem sie das gesamte Projekt von oben bis unten als bewohnte Skulptur zu verstehen begannen.

Dieser Zugang ist übrigens ganz bewusst als Reminiszenz an den großen rumänisch-französischer Bildhauer Constantin Brâncuși zu verstehen. Schon dieser postulierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts: „Architektur ist bewohnte Skulptur!“

Work Space Cabin

Work Space Cabin

Koto-Gründungspartnerin Zoe Little kommentierte diese Überlegungen nun auch deutlich: „Wir wollten unsere Sichtweise des konventionellen Arbeitszimmers stören und haben einen wirklich inspirierenden Raum geschaffen, der die Landschaft aufwertet und den Menschen Privatsphäre mit direktem Zugang zur Natur bietet.“

Der Blick hat keine andere Wahl

Aber was heißt das nun für das eigentliche Objekt? Die Wände der „Work Space Cabin“ sind schräg und spitz zulaufend. Dadurch entsteht eine unregelmäßige und nicht logische, aber doch geometrische Form. Außerdem wurde nur ein einziges riesiges Fenster in den schrägen „Würfel“ integriert. Dieses lässt dem darin Arbeitenden sozusagen gar keine andere Wahl, als den Blick nach draußen in die umliegende Landschaft schweifen zu lassen. Und sich von dieser für sein Tun Inspiration zu holen.

Gleichzeitig aber ermöglicht diese eine Front, dass jederzeit möglichst viel natürliches Licht den Raum flutet. „Das Licht wird aus vielen Winkeln der Struktur gebrochen, um ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme hervorzurufen“, so Koto-Gründungspartner Theo Dales.

Work Space Cabin

Work Space Cabin

Auch würde man in dem Entwurf die japanische Ästhetik des Wabi-Sabi integrieren, wonach man Schönheit in der Unvollkommenheit findet, meint Dales. Eine Überlegung, die ebenfalls auf den vorherrschenden Zeitgeist anspielt. Dales: „Wabi-Sabi ist das perfekte Mittel gegen die heutige Hektik und den Perfektionismuszwang.“

Verkohlung als Stilmittel

Es liegt also auf der Hand, dass die mehreckige Hütte vollständig aus dem nachhaltigsten aller Baustoffe, aus Holz, gebaut ist. Die Errichtung der gesamten Struktur ist laut Koto vollkommen klimaneutral.

Besonders spannend aber ist die schwarze Farbgebung der „Work Space Cabin“. Sie ist nämlich auf verkohlte Holzelemente zurückzuführen – ebenfalls ein japanischer Anklang: Dieses fernöstliche Verfahren heißt Shou Sugi Ban und dient dem Schutz des Holzes vor Witterungseinflüssen. Dabei entsteht durch kontrolliertes Einbrennen eine schützende Kohleschicht auf dem Holz, das erst danach verarbeitet wird.

Nachhaltigkeit

Arbeiten, wo man will

Der größte Vorteil dieser „Arbeitskapsel“ liegt aber gewiss darin, dass man sie überall aufstellen kann. Sie benötigt weder Fundament noch sonstige Verankerungen. Lediglich ein kleiner Lkw mit kräftigem Kran ist erforderlich, um die „Work Space Cabin“ von A nach B zu „würfeln“. Und um bei immer neuen Nachbarn garantiert für mächtig Aufsehen zu sorgen.

Bleibt nur zu hoffen, dass einen diese dann auch in Ruhe arbeiten lassen …

Text: Johannes Stühlinger
Bilder: Edvinas Bruzas; Koto Design

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