Universität Tilburg: Energieneutral studieren (Bild: Powerhouse Company)
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Energieneutral studieren

Mit einem Neubau auf dem Campus der Universität Tilburg beschert das Büro Powerhouse Company den Niederlanden ihr erstes aus Massivholz gefertigtes Uni-Gebäude: Ein modernes Hörsaalzentrum, das den Studenten viel zu bieten hat. Zeitlos designt und energieneutral. 

Der Entwurf des neuen Gebäudes der Universität Tilburg zeigt, dass sich auf wenig Platz Großes schaffen lässt. Nicht nur, weil der Plan auf mageren 33 mal 33 Metern bebauter Grundfläche insgesamt 14 moderne Hörsäle, separate Studienbereiche und ein Café unterbringt. Sondern vor allem, weil dieses moderne Hörsaalzentrum neue Standards setzt. Schließlich handelt es sich dabei um das erste aus Massivholz errichtete Universitätsgebäude der Niederlande. Und um ein energieneutrales, den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft folgendes Bauwerk, das die Vorgaben des BREEAM-Zertifikats für höchste Nachhaltigkeit erfüllt.

Schlicht und nachhaltig

Obendrein ist diese nachhaltige Ergänzung der bestehenden Anlage optisch ungewöhnlich. Mit ihrer zeitlosen Form fügt sich die Lecture Hall dezent in die modernistischen Strukturen des Campus und zugleich in dessen bewaldete Umgebung ein. Ein Kubus zwischen Bäumen und Grünflächen, der Blicke auf sich zieht, in seiner Schlichtheit jedoch weder fremd noch störend wirkt.

Auch im Inneren des neuen Hörsaalzentrums der Universität Tilburg dominiert Holz das Design. (Bild: Powerhouse Company)
Auch im Inneren des neuen Hörsaalzentrums der Universität Tilburg dominiert Holz das Design.

Das Konzept stammt von einem Architekten-Team, das längst für famose Holz-Bauten bekannt ist: Vom Büro Powerhouse Company, das etwa fürs Design der preisgünstigen Wohnanlage „Valckensteyn“ oder des „schwimmenden Büros“ in Rotterdam internationales Lob einheimst. Und was die innovativen Niederländer für die Universität Tilburg entworfen haben, wird zurecht auch als Pionierarbeit bezeichnet. Denn mit seiner überwiegend aus Brettsperrholz gefertigten Struktur ist das Hörsaalzentrum ein Paradebeispiel klimafreundlicher akademischer Architektur.

Für Holz, Holzbauteile und entsprechende Fertigung des spannenden Projekts zeichnet das renommierte österreichische Familienunternehmen Binderholz verantwortlich. Mit Rohware aus seinen Sägewerken in Deutschland und Österreich und Rundholz aus der jeweiligen Region.

 

Gemeinsam mit unserem Kunden haben wir unsere Ambitionen während des Entwurfsprozesses gesteigert. Dies führte zu einem CO2-neutralen, vollständig den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entsprechenden und BREEAM-ausgezeichneten Entwurf.

Janneke van der Velden, Architektin bei Powerhouse Company

Universität Tilburg: Energieneutral studieren. (Bild: Powerhouse Company)

Universität Tilburg: Energieneutral studieren. (Bild: Frans Parthesius, Modell: Studio Abstract)

Die Holzrippenböden überspannen eine stolze Höhe von neun Metern und erfüllen dabei die vielschichtigen Anforderungen eines Bildungsgebäudes. Das Trockenbausystem besteht aus rund viereinhalb Kilometern Holzbalken. So konzipiert, dass diese Balken jederzeit für spätere Wiederverwendung demontiert werden können. Recyclingfähig sind auch die aus Kalkstein bestehenden Fassadenplatten. Denn sie werden vorsorglich nicht geklebt, sondern aufgehängt. 

Komplexes Konzept

Man habe bei diesem Projekt „neues Terrain“ betreten und dabei viel gelernt, schildert Powerhouse Company BIM-Ingenieur Romano van den Dool: „Unsere Details sehen einfach und selbstverständlich aus. Aber es war eine Herausforderung, die technischen Schnittstellen in Kooperation mit verschiedenen Disziplinen zu entwickeln.“

Schlichter Look, komplexes Werk: Modell des neuen Hörsaalgebäudes der Universität Tilburg. (Modell: Studio Abstract, Bild: Frans Parthesius)
Schlichter Look, komplexes Werk: Modell des …

Schlichter Look, komplexes Werk: Modell des neuen Hörsaalgebäudes der Universität Tilburg. (Modell: Studio Abstract, Bild: Frans Parthesius)
… neuen Hörsaalgebäudes der Universität Tilburg.

Beim Design ließen sich die Architekten vom ältesten Bauwerk des Campus der Universität Tilburg inspirieren: Jos BedauxCobbenhagen-Gebäude aus 1962, das heute unter Denkmalschutz steht. Bedaux reflektierte die katholischen Wurzeln der Universität mit einem Entwurf, der der klösterlichen Architektur eine modernistische Wendung gab.

Bezug zu Anfängen der Universität Tilburg

Powerhouse Companys Entwurf adaptiert Bedaux‘ monumentale Schlichtheit: Das Hörsaalzentrum bekommt eine Kalksteinfassade. Die Fenster werden rhythmisch angeordnet. Und das Konzept schafft einen engen Bezug zwischen den Innenräumen und der umgebenden Natur. Damit wird das erklärte Ziel erreicht: Ein Gebäude, das mit seiner sanften Steinfassade und seiner Verwurzelung in der waldreichen Umgebung den Anschein erweckt, schon immer da gewesen zu sein.

Inspirationsquelle: Das von Architekt Jos Bedaux gestaltete, älteste Gebäude der Universität Tilburg. (Bild: Archive Jos Bedaux)
Inspirationsquelle: Das von Architekt Jos Bedaux gestaltete, älteste Gebäude der Universität Tilburg.

Was die Außenhaut betrifft, haben die Architekten sich zudem an Merkmalen des umgebenden Geländes orientiert. Wald, Parklandschaft, die Unterkünfte und der Hauptweg zum Bahnhof, der den Campus versorgt, wurden zu Ansichten, die den Entwurf mitprägten. Und zwar in Form von vier Fassaden, die darauf reagieren: Alle vier Seiten des Gebäudes sind über Fußwege, Ausblicke und Sichtachsen mit den verschiedenen Zonen des Geländes verbunden. Und jede Seite des Neubaus der Universität Tilburg zeigt eine unterschiedliche Anordnung der Fenster sowie Details, die ihre Ausrichtung widerspiegeln.

Das Hörsaalzentrum ist eine zeitlose und nachhaltige Ergänzung der Campus-Architektur der Universität Tilburg. Es atmet die Atmosphäre der Bibliothek und des Klosters, im Einklang mit den ursprünglichen modernistischen Gebäuden. 

Stefan Prins, Architekt und Powerhouse Company Partner

Energieneutral studieren im Holzgebäude: Die neue Lecture Hall der Uni Tilburg, designt vom Büro Powerhouse Company. (Bild: Powerhouse Company)

Energieneutral studieren im Holzgebäude: Die neue Lecture Hall der Uni Tilburg, designt vom Büro Powerhouse Company. (Bild: Powerhouse Company)

Wie beim Cobbenhagen-Gebäude sind Interieur und Mobiliar auch beim neuen Trakt der Universität Tilburg wichtiger Teil des Designs.

Lern-Komfort in Holz und Stein

Vom hohen skulpturalen Raum des Vortragssaals bis in die intimen Fensternischen dominiert eine natürliche Farbpalette: Holz, Stein und Putz. Neben freiliegendem Bauholz vermitteln schlichte Holztische, Bänke und Leselampen ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit. 

Die neue Lecture Hall der Universität Tilburg: Ein Modellbeispiel zukunftsorientierter, klimafreundlicher Bildungsarchitektur. (Modell: Studio Abstract, Bild: Frans Parthesius)
Die neue Lecture Hall der Universität Tilburg: Ein Modellbeispiel …

Die neue Lecture Hall der Universität Tilburg: Ein Modellbeispiel zukunftsorientierter, klimafreundlicher Bildungsarchitektur. (Bild: Powerhouse Company)
… zukunftsorientierter, klimafreundlicher Bildungsarchitektur.

Großzügige Fenster fluten die Räume mit natürlichem Licht und eröffnen spielerisch den Blick auf unterschiedliche, oft unerwartete Aussichten: Hier plötzlich ein Stück Himmel, dort ein einzelner Baum oder auch einfach Menschen, die durch den Campus schlendern.

Schönes Plus für Universität Tilburg

Dies und mehr soll ein Ambiente schaffen, das Konzentration unterstützt, zugleich aber inspiriert und Lernstress reduziert. Für genug Platz ist auch gesorgt. Weil das Konzept trotz kleiner Grundfläche immerhin 5.000 Quadratmeter Raum zur Nutzung schafft.

Als Teil eines Masterplans, mit dem der ursprüngliche Charakter des Campus wiederhergestellt werden soll, steigert unser Gebäude die Wertschätzung der bestehenden Architektur auf dem Gelände.

Antónia Pohanková, Architektin bei Powerhouse Company

Bauwerk mit vier „Gesichtern“: Powerhouse Companys Entwurf geht mit unterschiedlicher Gestaltung jeder Seite der Fassade aufs jeweilige Umfeld ein. (Bild: Powerhouse Company)
Bauwerk mit vier „Gesichtern“: Powerhouse Companys Entwurf geht mit unterschiedlicher Gestaltung jeder Seite der Fassade aufs jeweilige Umfeld ein.

Das neue Hörsaalzentrum der Universität Tilburg ist nicht das erste Projekt im Sektor Bildungsbau, mit dem das Büro Powerhouse Company Furore macht. Die international tätigen Niederländer haben etwa auch den Pavillon der Erasmus-Universität Rotterdam und das im Bau befindliche Conradhuis der Amsterdamer Hochschule für angewandte Wissenschaften designt. Im ersten Fall gemeinsam mit ihren Kollegen vom Studio De Zwarte Hond, im zweiten in Kooperation mit Mark Koehler Architects und Architecten Cie

Holzbau-Expertise

Mit dem energieneutralen Hörsaalzentrum unterstreicht das erfolgreiche Team jedoch vor allem auch seine Expertise in Sachen Holzbau. Und setzt ein klimafreundliches Gebäude auf den Campus, das seinen Nutzern wohl in jeder Hinsicht Freude machen wird.

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: Powerhouse Company, Frans Parthesius
Modelle: Studio Abstract

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